LICHTENSTEIG
Toggenburger Museum: Eine Jubiläumsausstellung fürs ganze Tal

Am 5. September eröffnete das Toggenburger Museum seine neueste Sonderausstellung. Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums zeigt die Ausstellung Exponate aus dem gesamten Toggenburg.

Sascha Erni
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Christelle Wick und Ueli Stump (von links) an der Eröffnung der Jubiläumsausstellung im Toggenburger Museum.

Christelle Wick und Ueli Stump (von links) an der Eröffnung der Jubiläumsausstellung im Toggenburger Museum.

Bild: Sascha Erni

Noch bis zum 5. Juni 2022 zeigt das Toggenburger Museum in neun Stationen Schätze aus seinem Fundus. «Für uns ist die Jubiläumsausstellung eine Chance, Dinge zu zeigen, die keinen Platz in der permanenten Sammlung finden», erklärte Christelle Wick am Sonntag den Gästen der Ausstellungseröffnung. Die Kuratorin ist für die Sonderschau tief ins Archiv gestiegen und zahllose Schätze aus vielen Jahrhunderten und aus allen Winkeln des Toggenburgs gefunden.

«Das Toggenburger Museum ist seit 125 Jahren für die gesamte Region da.»

Die Eröffnungsausstellung hat Christelle Wick bewusst auf den 5. September gelegt. Denn eines der Kern-Exponate befasst sich mit dem «Kaisermanöver», das die Schweizer Armee am 4. und 5. September 1912 zwischen Kirchberg und Gähwil durchführte.

Bei diesem Teil der Ausstellung stand ihr Ueli Stump beratend zur Seite. Als Amateur-Historiker befasst sich Ueli Stump mit Militärgeschichte und fand die zum Exponat passenden Stücke im Lager des Museums. «Manöver waren nichts Spezielles für die damalige Schweizer Armee», erzählte er an der Führung. «Aber das Kaisermanöver heisst so, weil sich Kaiser Wilhelm II. selbst als Gast eingeladen hatte.»

Enge Zusammenarbeit mit dem Chössi-Theater

Die Ausstellung ist Teil der Feierlichkeiten zum 125-Jahr-Jubiläum des Toggenburger Museums und eng verstrickt mit der Chössi-Eigenproduktion «Tigg-Tagg-Toggenburg», die zurzeit in verschiedenen Ortschaften der Region Station macht. Die neun Szenen des Theaterstücks fussen auf genau jenen Ausstellungsstücken, die das Museum nun zeigt.

«Wir haben um die 40 verschiedenen Exponate und damit mögliche Episoden-Themen zusammengetragen und an den Schauspieler und Theaterautor Michael Hasenfuss weitergegeben.»

Statt neun identische Vitrinen zu verwenden, entschied sich Christelle Wick zu einer Umnutzung verschiedener Stücke aus der Sammlung des Museums. So finden sich zum Beispiel Exponate zum Kaisermanöver in einer alten Militär-Kiste oder die zum «Hungerjahr» 1817 in einem eigens für die Ausstellung restaurierten Bauernschrank. Durch diese Kombination aus Objekten und Präsentationsform entstand eine abwechslungsreiche und überraschende Gesamtschau.

Benito Mussolini als Streikführer und Werbeträgerin Marilyn Monroe

Die kreative Arbeit des Chössi-Theaters hatte direkten Einfluss auf die Ausstellung. So tritt etwa in einer Episode Marilyn Monroe als Kägi-Werbeträgerin auf, beim dazugehörigen Exponat findet sich dann die Erklärung. Denn die beliebten Waffeln fanden damals unter dem Markennamen «Toggenburger» ihre amerikanische Liebhaberschaft, und laut Christelle Wick ist es verbrieft, dass sich Marilyn Monroe als Fan bezeichnet hat.

In einer anderen Szene des Stücks führt der spätere Diktator Benito Mussolini den Streik der italienischen Rickentunnel-Bauarbeiter an. «Wir konnten keine eindeutigen Belege finden, dass Mussolini tatsächlich Streikführer oder Sprecher beim Italienerstreik von 1904 war, aber viele Gerüchte», erklärte Christelle Wick. Und Ueli Stump ergänzte: «Zuzutrauen, wäre es ihm gewesen.»

Eine Fiktion mit einem historischem Sockel

Die Ausstellung im Toggenburger Museum ist also Inspiration und Erklärung fürs Theaterstück zugleich. Und stellt dessen neun Szenen auf einen historischen Sockel, ohne die Fiktion im Stück als Tatsache darstellen zu wollen. Viel mehr steckt die Sonderschau den Rahmen ab und setzt die einzelnen Geschichten in den passenden Kontext.

Und die Erzählfigur im Theaterstück? Diese basiert auf der Toggenburger Bauernmalerin Babeli Giezendanner, die ihre Werke als Hausiererin verkaufte. «Im Toggenburg waren fahrende Händler und später Hausierer diejenigen, die Nachrichten und Geschichten zu den Menschen brachten», so Wick. «Es ist also nur passend, in Tigg-Tagg-Toggenburg eine Hausiererin zur Erzählerin zu machen.»

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