Lichtensteig strebt als erste Toggenburger Gemeinde die «Grünstadt»-Zertifizierung an – der Weg ist nicht ganz einfach

Das historische Städtchen im Herzen des Toggenburgs fördert in einem kantonalen Pilotprojekt die Biodiversität im Siedlungsraum.

Sascha Erni
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Sarah Brümmer erklärt dem Stadtpräsidenten Mathias Müller die Ruderalfläche beim Musikmuseum.

Sarah Brümmer erklärt dem Stadtpräsidenten Mathias Müller die Ruderalfläche beim Musikmuseum.

Bild: Sascha Erni

Bei den Parkplätzen hinter dem Musikmuseum in Lichtensteig findet sich seit kurzem ein Gelände aus Geröll und Totholz, flankiert von einer Trockensteinmauer. Um eine Schutthalde handelt es sich dabei aber nicht: Die sogenannte Ruderalfläche ist Heimat unzähliger Insekten, Echsen und heimischer Wildpflanzen.

Angelegt hat das Biotop Sarah Brümmer im Auftrag der Gemeinde. Es ist nur eines von vielen Projekten, welche die lokale Biodiversität erhalten und fördern sollen. Das Städtchen strebt zudem als erste Toggenburger Gemeinde die «Grünstadt»-Zertifizierung an. Der Kanton St.Gallen begleitet Lichtensteig im Rahmen der kantonalen Biodiversitätsstrategie finanziell und mit Know-how.

Lichtensteig als Pionierin

«Wir möchten in den nächsten Jahren alle St.Galler Gemeinden bei der Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum unterstützen», erklärt Simon Zeller vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF). Dazu biete der Kanton praktische Umsetzungshilfen und direkte Fördermassnahmen an, um sicher zu stellen, dass der Ansatz nicht zum Papiertiger verkomme. Das Städtchen fungiere dabei als regionales Pilotprojekt. Zeller freut sich:

«Ich finde es grossartig, dass eine kleine Gemeinde wie Lichtensteig sich so aktiv für die Biodiversität einsetzt.»

Vom Pilotversuch und den dabei gemachten Erfahrungen könne der gesamte Kanton lernen. In Lichtensteig sind bereits zahlreiche Projekte entstanden, so etwa ein Apothekengarten am Obertor. Für die nächsten Monate steht aber noch viel Arbeit an.

Ein breiter Fächer von Massnahmen

So soll unterhalb des Sportplatzes eine «Naturoase» entstehen, wo Temporärgewässer als Laichplätze für Amphibien dienen werden. Auch eine Streuobst-Wiese ist in Vorbereitung, ebenso wird laut Sarah Brümmer der Floozhang aufgewertet.

Sie arbeitet dabei mit Freiwilligen zusammen, die seit dem Start eines Beteiligungsprozesses im Jahr 2013 ein blühendes Lichtensteig ermöglicht haben. Bei den ökologischen Aufwertungen und dem erhofften «Grünstadt»-Label gehe es aber nicht einfach ums Bepflanzen öffentlicher Flächen, hält Stadtpräsident Mathias Müller fest, sondern um einen breiten Fächer von Massnahmen bis hin zu Strukturänderungen etwa im Beschaffungswesen.

Der Mini-Apothekengarten bei den beiden Bushaltestellen Obertor zieht die Blicke auf sich.

Der Mini-Apothekengarten bei den beiden Bushaltestellen Obertor zieht die Blicke auf sich.

Bild: Sascha Erni

«Es geht um einen langfristigen Paradigmenwechsel in der Nutzung der öffentlichen Flächen», erklärt Müller.

Bürgerinnen und Bürger miteinbeziehen

Bis die Naturschutzmassnahmen sichtbare Ergebnisse zeigen, wird allerdings noch Zeit verstreichen, wissen Gemeinde und Kanton. Simon Zeller vom ANJF spricht von einigen Jahren, die es dauern kann, bis die aufgewerteten Flächen auch tatsächlich wieder blühen.

Umso wichtiger ist der Gemeinde Lichtensteig das Einbeziehen der Bürgerinnen und Bürger mittels Führungen und Beratungen. Wollen Private mitmachen, unterstützt die Gemeinde ökologische Anliegen. Denn: «Jeder Strauch zählt!», wie Sarah Brümmer sagt.

Hier gibt es mehr Informationen zum Grünstadt-Label.

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