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Rathaus Lichtensteig: Die Aktenstapel weichen der Kultur

Es war schon Kornspeicher, und auch Glas wurde dort gefertigt. Das Rathaus Lichtensteig hat eine bewegte Vergangenheit. Nun wird es zum Hotspot für Kultur. Brautpaare können aber aufatmen: Heiraten im Rathaus ist weiterhin möglich.
Martin Knoepfel
Sirkka Ammann, Maurin Gregorin und Maura Kressig (von links) haben das Konzept für das Rathaus für Kultur in Lichtensteig ausgeheckt. (Bild: Martin Knoepfel)

Sirkka Ammann, Maurin Gregorin und Maura Kressig (von links) haben das Konzept für das Rathaus für Kultur in Lichtensteig ausgeheckt. (Bild: Martin Knoepfel)

Rapperswil hat das Kunstzeughaus, übrigens ein kantonales Schwerpunkt-Projekt. Lichtensteig erhält ein «Rathaus für Kultur». Rund 50 interessierte – und wohl mehrheitlich kulturaffine – Personen drängten sich am Mittwochabend im Rathaus Lichtensteig. Thema war die Neunutzung des Gebäudes als Rathaus für Kultur. Diese wird mit dem Umzug der Gemeindeverwaltung in das ehemalige UBS-Gebäude im November möglich.

Über ihre Vorstellungen informierten die drei Initianten des Projekts: Sirkka Ammann aus Wattwil, Maurin Gregorin aus Lichtensteig und Maura Kressig aus Wattwil. Sirkka Ammann ist Grafikerin und hat bis letztes Jahr im Toggenburg jedes Jahr eine Ausstellung organisiert. Maurin Gregorin hat Wirtschaft in St. Gallen studiert und sieht sich selber als Quereinsteiger. Maura Kressig hat sozio-kulturelle Animation in Luzern studiert und ist als selbstständige Projektleiterin tätig.

Mieter sollen Rathaus und Altstadt beleben

Im Rathaus sollen ab 2019 Kulturschaffende und Kulturvernetzer in inspirierender Umgebung Ateliers und Proberäume mieten können, ohne Begrenzung nach Sparten. Erste Interessenten haben sich offenbar gemeldet. Wie viel die Miete kosten wird, steht noch nicht fest. Über das provisorische Budget wollten die Initianten keine Auskunft geben.

Ein Ausstellungsraum bietet einen niederschwelligen Zugang zur Kunst. Auf dem Platz vor dem Rathaus und im ersten Obergeschoss ist ein kleines gastronomisches Angebot vorgesehen, sodass ein Kultur- und Begegnungsort entsteht. Es verstehe sich aber nicht als Konkurrenz zu den Restaurants im Städtli, hiess es in der Diskussion. Im zweiten Stock findet man Ateliers, Probenräume und die Geschäftsstelle. Die Wohnung im dritten Stock wird vom Verein «Dogo Residenz für neue Kunst» jungen Kunstschaffenden, die als «Artists in Residence» eine gewisse Zeit in Lichtensteig weilen möchten, vermietet. Der Verein ist ein Projekt der Initianten von «Arthur junior».

Die Nutzer sollen Räume für mindestens drei Monate mieten. Als Gegenleistung dafür beleben die Kunstschaffenden das Rathaus, indem sie alle drei Monate eine öffentliche Veranstaltung, etwa eine Lesung, eine Ausstellung oder ein Konzert, organisieren. Zudem sollen die Nutzer regelmässig im Rathaus anwesend sein. Der Verein Dogo soll alle zwei Monate eine Ausstellung organisieren. Im Ausstellungsraum sind weiter drei fremdkuratierte Ausstellungen im Jahr geplant. Bei neun Nutzern seien das mindestens 28 Veranstaltungen pro Jahr. Man könne aber auch einfach hierherkommen und ohne Konsumationszwang an diesem schönen Ort verweilen, hiess es an der Orientierung.

Das Haus solle subtil modernisiert werden, etwa mit Malerei oder Teppichen und immer in Absprache mit der Gemeinde. Das versicherten die Initianten. Sie sind daran, bei Stiftungen und der öffentlichen Hand Geld aufzutreiben und zeigen optimistisch, dass es gelingen wird. Beim Kanton haben sie einen Beitrag von rund 50 000 Franken beantragt. Die erste Veranstaltung im Rathaus ist für Dezember geplant. Ein Teil der Räume bleibt öffentlich zugänglich. So wird man weiterhin im Rathaus heiraten können. Für die Städtliführungen steht es ebenfalls zur Verfügung.

In der Diskussion kritisierte die frühere Kantons- und Regierungsrätin Rita Roos, dass von inklusiver Kultur gesprochen werde, obwohl Gehbehinderte vom Rathaus ausgeschlossen seien. Das sei ein Hohn. Der frühere Gemeinderat Martin Fricker fragte sich, woher all die Menschen kommen sollen, welche die Altstadt beleben sollen. Das vorgestellte Konzept existiere schon andernorts, und wenn er Passanten sehen wolle, gehe er nach Wattwil. Wattwil sei tot, abgesehen von denjenigen, die dort einkauften. Alle sollten sich freuen, dass junge Leute sich engagierten, hielt eine Votantin dagegen und erntete spontanen Beifall.

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