Lichtensteig
Performances haben einen besonderen Platz bei der diesjährigen Ausstellung der Dogo-Residenz

Am Samstag feiert die Jahresausstellung des Kunstvereins Dogo Residenz für Neue Kunst auf dem Areal Stadtufer Vernissage. Die letztjährige, wegen Corona ausgefallene «Totale» findet ihren Platz gleichwertig neben Werken aus dem laufenden Jahr.

Sascha Erni
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Aus Frankreich via Brüssel ins Toggenburg: Beth Gordon, Cathie Bagoris und Lila Ludmila Rétif leben und arbeiten seit September in der Dogo-Residenz (von links).

Aus Frankreich via Brüssel ins Toggenburg: Beth Gordon, Cathie Bagoris und Lila Ludmila Rétif leben und arbeiten seit September in der Dogo-Residenz (von links).

Bild: Sascha Erni

26 Künstlerinnen und Künstler stellen vom 13. bis 27. November auf dem Areal der ehemaligen Fein-Elast-Fabrik 22 in Lichtensteig aus. Sie alle waren 2020 und 2021 zu Gast in den Räumlichkeiten des «Rathaus für Kultur». Nun präsentieren sie an der «Dogo Totale», der Jahresausstellung der Lichtensteiger Kunstresidenz, ihre entstandenen Positionen.

Von Malereien über Skulpturen bis hin zu Videoinstallationen zeigt sich die Bandbreite des zeitgenössischen Kunstschaffens. Einen besonderen Platz nehmen Performances ein, sagt Hanes Sturzenegger vom Dogo-Kernteam: Der 20. November ist ganz diesem Genre gewidmet. «Als Teil einer Vernissage ginge es schnell unter», so Sturzenegger.

Noch wird aufgebaut: Hanes Sturzenegger vom Dogo-Kernteam führt durch die entstehende Jahresausstellung.

Noch wird aufgebaut: Hanes Sturzenegger vom Dogo-Kernteam führt durch die entstehende Jahresausstellung.

Bild: Sascha Erni

Toggenburg statt Brüssel oder Österreich

Seit Mitte September lebt und arbeitet auch das Künstlerinnen-Trio «moilesautresart» in der Dogo-Residenz. Cathie Bagoris, Lila Ludmila Rétif und Beth Gordon hatten sich in Brüssel kennen gelernt. Dort trafen sie eine ehemalige Dogo-Künstlerin und hörten das erste Mal vom Toggenburg. Die Menschen seien offen, die Natur wunderschön, hätten sie erfahren. Also bewarb sich das Trio für einen Aufenthalt in Lichtensteig, ohne klare Idee, was genau sie dann im Städtchen erschaffen wollten.

Das Thema ergab sich spontan bei der Ankunft, erzählt Beth Gordon. «Die Landschaft hat uns sofort an ein Buch von Marlen Haushofer erinnert.» In «Die Wand» berichtet Haushofer von der einzigen Überlebenden einer sonderbaren Apokalypse, die zusammen mit einem Hund und einer Kuh in der österreichischen Wildnis über die Runden zu kommen versucht.

Mit Toggenburger Einschlag entstand eine Installation aus Videobildschirm und selbst gezimmertem Bett inklusive Heumatratze. Die Besucherinnen und Besucher sollen es sich gemütlich machen und zusammen mit der Protagonistin des Romans der Frage nachgehen: Was passierte zu exakt dem Zeitpunkt, als es plötzlich keine Menschen mehr gab?

Zweigeteilte Gesamtschau

Hanes Sturzenegger, Co-Leiter von Dogo.

Hanes Sturzenegger, Co-Leiter von Dogo.

Bild: Sascha Erni

Die Planung für die «Totale» sei vor eineinhalb Jahren angelaufen, erzählt Hanes Sturzenegger. Aber dann musste die Schau im November 2020 kurzfristig abgesagt werden. «Die Bestimmungen wurden strenger, fast die Hälfte unserer Kunstschaffenden hätte wochenlang in Quarantäne gemusst.»

Dieses Jahr jedoch sei nicht mit solchen Problemen zu rechnen. Der Grund: das Covid-Zertifikat. «Gerade aus Sicht der Veranstalter ist das Zertifikat eine gute Sache.» Es sei zwar kritisch zu betrachten, dass man bei der Durchsetzung selbst Polizei spielen müsse. «Aber es gibt uns Planungssicherheit.»

So zeigt Dogo ab Samstag praktisch zwei Gesamtausstellungen: Unter dem Titel «Relationen» sind Werke aus dem Jahr 2020 zu sehen. Gleich daneben beherbergt das Stadtufer die Arbeiten der diesjährigen Dogo-Künstlerinnen und -Künstler. Das Thema lautet «Risiken». «Im Moment gibt es dazu viele passende Assoziationen», sagt Sturzenegger und schmunzelt.

Kulturvermittlung als wichtiges Puzzlestück

Die Videoinstallation der drei Künstlerinnen aus Brüssel nimmt in diesem zweiten Teil der «Totale» viel Raum ein, fügt sich aber gut in die Gesamtschau ein. Die 22 Positionen zeigen die Kreativität des internationalen jungen Kunstschaffens – immer mit einem Toggenburg- oder Lichtensteig-Bezug. Alle Exponate sind mit weiterführendem Material verbunden, das sich direkt auf dem eigenen Handy aufrufen lässt. Texte, Bilder und Videos sollen so einen Einblick in den Arbeitsprozess der Künstlerinnen und Künstler ermöglichen.

Die Kulturvermittlung spiele an der «Dogo Totale» überhaupt eine wichtige Rolle, ergänzt Hanes Sturzenegger: Für Schulklassen sind Workshops und Diskussionsrunden vorgesehen, eine öffentliche Führung gehört ebenso zum Programm.

Programm und weitere Informationen: www.dogoresidenz.ch

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