LICHTENSTEIG
Im Chössi-Jubiläumsjahr: Gefeiert wird zweimal gleich zu Saisonbeginn

Seit 40 Jahren gibt es das Chössi-Theater. Was 1981 in einem Wattwiler Tanzstudio begann, ist längst zur grössten Toggenburger Kulturinstitution geworden. Zum Jubiläum erscheint jener Clown, der vor vier Jahrzehnten den Startschuss gegeben hatte – mit einem Tag Verspätung. Ein Blick zurück und voraus.

Simon Dudle
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Die treibenden Kräfte des Chössi-Theaters (von links): Ilsa Pauli (Leiterin Programm), Hella Pflüge (Marketingverantwortliche), Volker Ranisch (Präsident) und Tilla Schoder (Finanzverantwortliche).

Die treibenden Kräfte des Chössi-Theaters (von links): Ilsa Pauli (Leiterin Programm), Hella Pflüge (Marketingverantwortliche), Volker Ranisch (Präsident) und Tilla Schoder (Finanzverantwortliche).

Bild: Sascha Erni

Über 100 Kissen waren gekauft und mit vielen Laufmetern schwarzem Stoff überzogen worden. Es wurde genäht, appliziert, bestickt, bedruckt. Sieben Theaterbegeisterte hatten 1980 den Verein Chössi-Theater gegründet – namentlich angelehnt an die Kissen, auf welchen während der Vorstellungen zu sitzen war. 104 Personen hatten ein Jahr später im Wattwiler Tanzstudio von Evelyn Rigotti, welches die ersten vier Jahre Heimat des «Chössis» war, platzgenommen und freuten sich auf die erste Vorstellung. Illi und Olli, zwei Clowns aus der Budapester Zirkusschule, waren angekündigt. Doch sie kamen nicht. Ein Missverständnis der Agentur. Man erreichte sie in den Ferien – und sie traten am nächsten Abend in Wattwil auf. Vor demselben Publikum.

Es war ein spezieller Startschuss – und der Beginn in eine mittlerweile 40-jährige Phase, in welcher das Chössi-Theater einige Stürme zu überstehen hatte. Auch finanzieller Art. 1985 folgte der Umzug in das Obergeschoss der Bahnhalle Lichtensteig, welche 200 Meter nördlich des heutigen Bahnhofs liegt. 1992 kam es innerhalb des Gebäudes zum Wechsel ins Parterre, wo bis heute gespielt wird.

Clown Olli Hauenstein hat dem Chössi-Theater vor 40 Jahren erstmals Leben eingehaucht – und tritt nun zum Jubiläum erneut auf.

Clown Olli Hauenstein hat dem Chössi-Theater vor 40 Jahren erstmals Leben eingehaucht – und tritt nun zum Jubiläum erneut auf.

Bild: PD

Zwei Jubiläumsveranstaltungen im September

Zum Jubiläum des Toggenburger Kleinkunst-Theaters erscheint am
4. September wie schon 1981 Clown Olli Hauenstein. Dieses Mal ohne seine damalige Clown-Partnerin Illi. Das Programm «Piano & Forte» wird mit «Poesie und Humor mit Tiefsinn rund um den Konzertflügel» umschrieben, einem Balanceakt zwischen Traum und Wirklichkeit.

Gardi Hutter ist auch Teil des Jubiläumsproramms.

Gardi Hutter ist auch Teil des Jubiläumsproramms.

Bild: PD

Die Jubiläumsfeierlichkeiten gehen eine Woche später weiter. Dann steht Gardi Hutter auf der Bühne, die zu den treuen Wegbegleitern des Chössi-Theaters zählt. Sie präsentiert ihre Clownfigur «Die tapfere Hanna», welche ebenfalls 1981 entstanden ist. In der Zwischenzeit hat Gardi Hutter neun Clownstücke produziert. Mehreren von ihnen hat sie auf der Chössi-Bühne bei intensiven Probewochen den letzten Schliff verpasst. Immer wieder tritt sie auch in der Lichtensteiger Bahnhalle auf. Für diese Jubiläumsvorstellung am 11. September hat es nur noch wenige Plätze.

Eigenproduktion gastiert an vier Orten

Ebenfalls zu den Höhepunkten des Jubiläumsjahrs zählt die Eigenproduktion «Tigg-Tagg-Toggenburg». In langen Winternächten hat Michael Hasenfuss aus dem Fundus des Toggenburger Museums prägende Fakten des Thur- und Neckertals aufgestöbert und in neun fiktiven Episoden zusammengetragen. Im knapp zweistündigen Stück wird, zumindest implizit, das 125-jährige Bestehen des Toggenburger Museums gefeiert. Die Premiere erfolgt bereits diesen Freitag (27. August) im Zeltainer Unterwasser. Am 17. und 18. September sind zwei Vorstellungen bei der Kirchberger Kulturorganisation Open Ohr geplant, eine Woche später bei Kultur in Mogelsberg. Das ausgedehnte Finale erfolgt mit acht Vorstellungen zwischen dem 21. und dem 31. Oktober im Chössi-Theater Lichtensteig.

Die Bahnhalle Lichtensteig ist seit 1985 Heimat des Chössi-Theaters.

Die Bahnhalle Lichtensteig ist seit 1985 Heimat des Chössi-Theaters.

Bild: Sascha Erni

Zu den grösseren Namen, welche im Jubiläumsjahr des Weiteren auf der Chössi-Bühne stehen, zählen die beiden Mundart-Musikerinnen Sina (am 6. November) und Vera Kaa (am 11. Dezember) sowie Zauberer Alex Porter (am 2. Oktober). Auch das traditionelle Adventsspecial – ein vorweihnachtlicher Irrflug mit Festessen – und vier Geschichteabende im Advent unter dem Begriff «Schtärnäfunklä» dürfe nicht fehlen. Viel Gestaltungsspielraum hatten die Programmverantwortlichen allerdings nicht, da sie aufgrund der zahlreichen coronabedingten Absagen der vergangenen Saison jenen Künstlern die Möglichkeit geben wollen, ein Jahr später in Lichtensteig aufzutreten.

Jubiläumsausstellung im Bahnhof Lichtnsteig

Das 40-jährige Bestehen des Chössi-Theaters wird anlässlich einer Ausstellung Revue passieren gelassen. Diese ist zwischen dem 4. und dem 12. September im heutigen Bahnhof Lichtensteig geöffnet. Und zwar in jenem Raum, welcher dem «Chössi» seit einigen Jahren als Probelokalität dient. Mit alten Plakaten und Fotos werden die vier Jahrzehnte hochleben gelassen. (sdu)

Im stillgelegten Bahnhof Lichtensteig wird zum Chössi-Jubiläum eine Ausstellung errichtet.

Im stillgelegten Bahnhof Lichtensteig wird zum Chössi-Jubiläum eine Ausstellung errichtet.

Bild: Sascha Erni

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