Lichtensteig hat wieder zwei Metzgereien

2017 schloss die Lichtensteiger Metzgerei Preisig, weil kein Nachfolger in Sicht war. Nun gibt es am gleichen Ort doch wieder Fleisch zu kaufen.

Sascha Erni
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Die Kernfamilie als Kernteam: Roland, Simona, Cassandra und Carlos Eggenberger (von links).

Die Kernfamilie als Kernteam: Roland, Simona, Cassandra und Carlos Eggenberger (von links).

Bild: Sascha Erni

Seit Ende November können Lichtensteigerinnen und Lichtensteiger wieder in zwei Fachgeschäften Fleisch kaufen. Am 30. November eröffnete mit der Metzgerei Fam. Eggenberger ein Familienunternehmen, wie es im Buche steht. Metzger Roland (42 Jahre alt), seine Gattin Simona (42), Tochter Cassandra (21) und Sohn Carlos (16) sind am häufigsten im neu eröffneten Laden an der Lorettostrasse anzutreffen. Aber auch die Grossmutter hilft gerne mal aus.

In diesem Haus war bis 2017 schon eine Metzgerei

An der Eröffnungsfeier Ende November traf man noch weitere Eggenbergers an, im Festzelt, am Grill. «Wir wollten eigentlich schon früher öffnen», erklärt Simona Eggenberger. Aber die nötigen Renovationsarbeiten haben die Eggenbergers seit Februar stark ausgelastet. Die Kernfamilie lebt im selben Haus, gleich über der Metzgerei, und die Wohnung entsprach nicht gegenwärtigen Standards. Und da der Vorgänger, Max Preisig, nicht daran geglaubt habe, dass nochmals eine Metzgerei einziehen würde, sei alles grösstenteils geräumt gewesen.

Preisigs Einschätzung erscheint naheliegend. Denn 2017 hatte der pensionierte Traditionsmetzger nach 37 Jahren sein Geschäft aufgeben müssen, da er keinen Nachfolger gefunden hatte (das «Toggenburger Tagblatt» berichtete).

Geschäftsübergaben zunehmend schwierig

Seit einigen Jahren steigt laut Wirtschaftsinformationsdienst Bisnode D&B die Anzahl der kleineren Geschäfte, die wegen Pensionierungen vor der Übergabe an eine nächste Generation stehen. Und es scheint den betroffenen Geschäften zunehmend schwerzufallen, die Nachfolge zu regeln. Die Gründe dafür sind vielfältig: Konkurrenz durch Grossverteiler, grenznaher Auslandeinkauf, veränderte Gewohnheiten wie Online-Handel, neue Ansprüche an Beruf und Arbeitszeiten – all das macht das Führen eines Lädelis zu einem weniger attraktiven Lebensentwurf.

Bei Metzgereien kommt hinzu, dass immer mehr Schweizerinnen und Schweizer zumindest zwischendurch auf Fleisch verzichten wollen. Zwar nimmt das Gesamtangebot an Fleisch weiter zu, wie die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande in seinem März-Bulletin festgehalten hatte. Und ganze 94 Prozent der Bevölkerung essen heute laut des Marktforschungsinstituts Dichter Research AG regelmässig Fleisch – aber 2014 waren es noch 98 Prozent. Der langfristige Trend zeigt nach unten.

Verschiedene Standbeine um zu bestehen

Zumindest die Übergabe an einen Nachfolger dürfte der Metzgerei Fam. Eggenberger in ferner Zukunft leichter fallen, als es bei Max Preisig der Fall war: Sohn Carlos wird ab Sommer 2020 im Geschäft seine Metzgerlehre beginnen.

Um im sich verändernden Marktumfeld zu bestehen, setze die Metzgerei des Weiteren auf verschiedene Standbeine, so Simona Eggenberger. Ihr Mann Roland habe viele Jahre im Thurgau gemetzget, noch heute betreibt die Familie einen Hof im Kanton. Über die Jahre hätten sie sich mit ihren Wurstspezialitäten ein regelrechtes Netzwerk aufgebaut, mit Stammkunden, die auch aus Zürich, dem Aargau oder gar Basel anreisten.

Die Metzgerei bietet sieben Tage die Woche einen Lieferdienst an, ein Partyservice ist im Aufbau. Offen hätten sie eigentlich immer, auch abseits der angeschlagenen Öffnungszeiten. «Wir orientieren uns da an der Gemeinde», so Simona Eggenberger: wenn ein Anlass am Wochenende stattfindet, hätten sie natürlich auch sonntags geöffnet. Auch lokal baut die Familie ihr Netzwerk aus, im Geschäft liegen Flyer und hängen Plakate benachbarter Kleinunternehmer und Restaurants. Kooperation ohne Konkurrenzgedanken mit anderen Geschäften, auch Metzgereien, ist Simona Eggenberger wichtig. «Man muss zusammenhalten.»