LICHTENSTEIG
Auch hinter geschlossenen Türen lief die grösste Hobby-Modelleisenbahn Europas fast jede Woche

Dank vielen Freiwilligen kam die Erlebniswelt Toggenburg relativ gut durch das Coronajahr 2020. Dass viele von ihnen zur Risikogruppe gehören, stellte den Betrieb im Museum aber auch vor Herausforderungen. Für den Sommer hofft Leiter Andreas Hinterberger auf grossen Besucherandrang.

Pablo Rohner
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Museumsleiter Andreas Hinterberger am Meccano-Kugelspiel in aktueller Sonderausstellung der Erlebniswelt Toggenburg.

Museumsleiter Andreas Hinterberger am Meccano-Kugelspiel in aktueller Sonderausstellung der Erlebniswelt Toggenburg.

Bild: Pablo Rohner, Lichtensteig, 24. März 2021

Anders als die meisten anderen Freizeiteinrichtungen dürfen Museen seit dem 1. März wieder geöffnet haben. So auch die Erlebniswelt Toggenburg in Lichtensteig, in der unter anderem die grösste Hobby-Modelleisenbahn Europas und eine Puppe stehen, welche die amtierende Queen Elizabeth als dreijähriges Kind darstellt. Nach gut drei Wochen Betrieb zieht Museumsleiter Andreas Hinterberger eine gute Bilanz. Langsam aber sicher kämen die Besucher zurück: «Letzten Sonntag hatten wir schon wieder über 60.»

Das sind ungefähr so viele wie an einem durchschnittlichen Tag vor Corona. Hinterberger führt an alten Zugsitzen, selbstgebauten Lokomotiven und Riesenrädern vorbei zum Raum mit der aktuellen Sonderausstellung. Er erinnert sich an den Tag der Wiedereröffnung: «Ein Bub und sein Vater standen schon eine Viertelstunde bevor wir aufmachten vor der Tür. Das war ein schöner Anfang.»

Mit dem Know-how der Rentner durch die Krise

10'000 Menschen besuchen im Schnitt jährlich in die Erlebniswelt Toggenburg, 2019, im Jahr mit der Lego-Ausstellung, kamen sogar 15'000. 2020 verkaufte das Museum gemäss Hinterberger zwischen 6000 und 7000 Eintritte. Mit diesen Einnahmen müssen Miete und Betriebskosten gedeckt werden. Auch dank des Entgegenkommens ihres Vermieters und der Ausfallentschädigungen von Bund und Kanton sei die Erlebniswelt «mit einem blauen Auge davongekommen», wie Hinterberger sagt.

Entscheidend sei aber der Einsatz von 45 zumeist über 65-Jährigen, die sich freiwillig in der Erlebniswelt engagieren. «Wir mussten fast keine Löhne zahlen», so Hinterberger. Ob Reparaturen, Bau der Kulissen, Instandhaltung der Anlagen oder Vorführungen: Wo immer möglich wird im Museum auf das spezifische Wissen der Rentner gesetzt. «Wir haben unter anderem Architekten, ehemalige SBB-Techniker und Elektriker», erzählt Andreas Hinterberger und fügt an:

«Es ist unglaublich, welches breite Wissen bei 45 Pensionären zusammenkommt.»

Pensionäre wie Sepp Schlumpf, dessen Sammlungen von Oldtimer-Motorrädern, alten landwirtschaftlichen Maschinen und Widderpumpen viele Spezialisten nach Lichtensteig ins Museum locken. Oder wie Fredi Vögel aus Krummenau, einer von mehreren Vorführern, welche die grösste Modelleisenbahn Europas bedienen. Gerade hat er nicht viel zu tun. Es ist Mittwochnachmittag und schönes Wetter.

«Laufen lassen, schmieren, schauen, ob es rein regnet»

Auch als die Erlebniswelt geschlossen war, gingen Fredi Vögel und die Kollegen vom «Reparaturtrupp» jeden Montag in die Halle der früheren Textilfabrik, um nach dem Rechten zu sehen. In einem Raum mit starken Temperaturschwankungen könne man eine Modelleisenbahn nicht einfach monatelang stehen lassen: «Wir mussten die Anlage regelmässig laufen lassen, schmieren, nachschauen, ob es irgendwo rein regnet.»

Vorführer Fredi Vögel hatte auch jede Woche zu tun, als das Museum geschlossen war.

Vorführer Fredi Vögel hatte auch jede Woche zu tun, als das Museum geschlossen war.

Bild: Pablo Rohner, Lichtensteig, 24. März 2021

Nach dem Lockdown im Frühling 2020 durften die Museen in der Schweiz am 11. Mai wieder öffnen. Weil das Personal der Erlebniswelt fast ohne Ausnahme zur Risikogruppe gehörte, dauerte es nochmals drei Wochen, bis klar war, unter welchen Bedingungen auch an der Thur die Türen wieder aufgehen durften. Andreas Hinterberger erinnert sich:

«Die Vorführer mussten wir quasi einhegen.»

Sonderausstellung mit Werken von Technikfreaks

Inzwischen steht der Museumsleiter an einem Kugelspiel aus Meccano, einer Art Lego Technic aus Metall. Die Sonderausstellung «Kreatives aus Metall» zeigt Modelle aus Meccano und dem Schweizer Pendant Stokys. Ein meterhoher Baukran, ein blinkendes Modell der Skyline von Hongkong, das Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller, die Cabrio-Seilbahn am Stanserhorn: Die Objekte, gleichzeitig detailgetreu und auf liebenswerte Weise klobig, sind unverkennbar die Werke hingebungsvoller Technikfreaks.

Draussen auf dem Parkplatz vor der Erlebniswelt blickt Andreas Hinterberger in die Sonne. Zwar würden die Leute immer noch anrufen und fragen, ob die Erlebniswelt überhaupt offen ist. Aber schon zu Ostern rechnet der Museumsleiter mit mehr Besuchern. Für den Sommer hofft er, dass noch mehr Leute kommen: «Sobald sie nicht mehr so Angst haben oder geimpft sind.» In Reichweite dürfte Letzteres gerade bei einer der wichtigsten Zielgruppen der Erlebniswelt Toggenburg sein: «Grosseltern, die ihren Enkel nahebringen möchten, womit sie sich früher beschäftigt haben.»