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Damit andere sehen können: Ulrich Bräker werden die Augen verbunden

Der Bräkerplatz wird zum Schauplatz einer Guerilla-Aktion. Die Mitwirkenden wollen Aufmerksamkeit erregen und auf Missstände hinweisen.
Flurina Lüchinger
Der Fotograf und die vier Repräsentanten Branka Miljanovic, Marcel Koch, Sabine Keller und Samuel Schoeb (von links nach rechts) mit der eingehüllten Statue von Ulrich Bräker. (Bild: Flurina Lüchinger)

Der Fotograf und die vier Repräsentanten Branka Miljanovic, Marcel Koch, Sabine Keller und Samuel Schoeb (von links nach rechts) mit der eingehüllten Statue von Ulrich Bräker. (Bild: Flurina Lüchinger)

Ein nebliger Morgen in Wattwil. Neben dem Bräkerplatz steht ein Mietauto einer Umzugsfirma. Drei Personen steigen aus, laden drei Plastikkisten aus und beginnen mit schnellen und geübten Bewegungen zwei grosse Blitzlichter neben der Büste vom Toggenburger Schriftsteller Ulrich Bräker aufzubauen.

Es handelt sich um Vertreter des gemeinnützigen Vereins Licht für die Welt. Sie machen einen motivierten Eindruck und reissen Witzchen miteinander. Ein zweites Auto fährt heran. Aussteigen tun ebenfalls drei Leute: Marcel Koch, der CEO der Optrel AG, Samuel Schoeb und Branka Miljanovic, beide tätig im Marketing. Die beiden Gruppen begrüssen sich, stellen sich einander vor und besprechen die weiteren Vorgänge.

Sammelaktion zu Gunsten blinder Menschen

Den von der WHO ausgerufenen Welttag des Augenlichts am 11. Oktober nimmt Licht für die Welt zum Anlass, um die Öffentlichkeit auf wesentliche Erblindungsursachen hinzuweisen und über Präventionsmassnahmen aufzuklären. Er tut dies anhand kleiner Guerilla-Aktionen, bei denen er in 14 Orten berühmten historischen Statuen mit Tüchern das Augenlicht verwehrt, dies dann fotografisch festhält und in den sozialen Netzwerken veröffentlicht.

So wird auch Ulrich Bräker zum «Opfer» dieser Aktion. Eine Ausgabe des limitierten Schutzhelms wird auf dem Kopf von Bräker platziert. Es werden ihm mit Tüchern, die das Logo der Organisation tragen, die Augen verbunden. Bräker erblindet symbolisch für die zwanzig Minuten, in denen die vier Posierenden verschiedene Haltungen einnehmen und verschiedene Requisiten in die Kamera halten.

Passanten bleiben keine stehen, doch dies sei nicht tragisch und auch nicht das Hauptziel der Aktion, meint Sabine Keller, die Zuständige für Kommunikation im Schweizer Büro der Organisation. Wichtig sei, dass man mit dieser Aktion die Leute mithilfe der verschiedenen Medien auf die Missstände in vielen Ländern aufmerksam macht.

200 Helme für die Organisation

Wie in einem Artikel in der Ausgabe vom 11. Mai dieses Jahres zu lesen ist, hat die Firma Optrel AG eine Projektzusammenarbeit mit Licht für die Welt aufgebaut. Die Optrel AG ist ein Anbieter von Blendschutzprodukten, die vor allem in der Schweissbranche und in der Medizin genutzt werden.

Sie hat eine Aktion lanciert, in der sie eine auf 200 Stück limitierte Auflage eines Schutzhelmes mit dem Logo der gemeinnützigen Organisation in ihr Verkaufssortiment aufgenommen hat. Der ganze Erlös dieses Verkaufs wird der Organisation gespendet und ermöglicht Augenoperationen für 3000 erblindete Menschen.

Grossteil der Blinden lebt in Drittweltländern

Weltweit leben rund 36 Millionen blinde Menschen. 90 Prozent davon in Drittweltländern, wo ein signifikanter Mangel an augenmedizinischem Gesundheitspersonal, Medikamenten und medizintechnisch ausgestatteten Krankenhäusern besteht. Zudem erhöht die Kinderblindheit die Sterblichkeitsrate der Kleinen dramatisch. Jeder zweite weltweit blinde Mensch leidet am Grauen Star und könnte durch eine Operation, die nur 15 Minuten dauert und 40 Franken kostet, geheilt werden. Im Allgemeinen sind 80 Prozent aller Fälle von Blindheit oder Sehbehinderung behandelbar oder wären vermeidbar gewesen.

Licht für die Welt wirkt in 15 Ländern der Erde. Vor allem in Afrika, aber auch in Osteuropa, Südamerika und Asien. Das Hilfswerk finanziert Operationen, Ausbildungen für neue Fachkräfte, Rehabilitation für behinderte Menschen und kämpfen für die Rechte derer, die mit einer Behinderung leben müssen. In Drittweltländern ist es ein grosses Problem, wenn man selber blind ist oder eine blinde Person pflegt, da man selber im Broterwerb ausfällt und zu einer Last für die Familie wird.

Bräker kann wieder sehen

Möglich wurde die aktuelle Kampagne, die der Bevölkerung das Problem bewusst machen möchte, durch Unterstützung der Stiftung Perspektiven von Swiss Life. Diese Stiftung fördert gemeinnützige Initiativen in den Bereichen Gesundheit, Wissenschaft, Bildung, Kultur und Sport. Sie wurde zum 150. Jubiläum von Swiss Life gegründet.

Auch nach dem Fotoshooting herrscht auf dem Bräkerplatz eine entspannte Stimmung. Die beiden zusammenarbeitenden Grüppchen freuen sich, dass alles geklappt hat und sprechen angeregt über die in anderen Städten schon abgeschlossenen Fotoprojekte. Sie beschliessen das Ganze mit einem Kaffee abzurunden, geben Ulrich Bräker das Augenlicht zurück und im Nu ist alles wieder abgebaut und verstaut.

Nur Bräker steht noch da, im Nebel von Wattwil, und das Zitat von ihm, welches die Mauer des Platzes schmückt, passt sehr gut zum Projekt, das eben stattgefunden hat. « Wer kann ietzt all die Schönheiten genug beschauen und bewundern, ieden Morgen –ieden Abend sieht man neüe Wunder.»

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