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«Die Schüler fragten, ob sie uns duzen dürfen» – Kirchberger Lehrer erinnert sich an sein abenteuerlichstes Skilager

Während 33 Jahren fuhr Christoph Gerber mit den Kirchberger Oberstufenschülern ins Skilager. Der 60-Jährige erzählt von seiner abenteuerlichsten Lagerwoche und von einer tiefen Verbundenheit, wie sie nur in einem von der Aussenwelt abgeschnittenen Lagerhaus entstehen kann.
Stephanie Martina
Scuols Skigebiet im Winter 1999: Nicht alle Bahnen überstanden den «Lawinenwinter» unbeschadet. Ein Skilift wurde durch einen Lawinenabgang zerstört. (Archivbild: Foto Taisch, Scuol)

Scuols Skigebiet im Winter 1999: Nicht alle Bahnen überstanden den «Lawinenwinter» unbeschadet. Ein Skilift wurde durch einen Lawinenabgang zerstört. (Archivbild: Foto Taisch, Scuol)

In diesen Wochen fahren viele Ostschweizer Schüler ins Skilager – obwohl teils die höchste Lawinenwarnstufe gilt. Aber so gravierend wie vor 20 Jahren ist die Lage momentan nicht. Im Winter 1999, der als «Lawinenwinter» in die Geschichte einging, wurden alleine in der Schweiz 1550 Schadenlawinen gezählt. Eine davon verschüttete Ende Februar einen Skilift in Scuol. Die Auswirkungen reichten weit über das Unterengadin hinaus – bis nach Kirchberg.

Die Vorfreude der Oberstufenschüler war gross – und mindestens ebenso gross war ihre Enttäuschung, als der Schulrat am Freitagnachmittag entschied, in der kommenden Woche aufgrund des Lawinenabgangs und der angespannten Lage nicht ins Lager zu fahren. Christoph Gerber, der damals Lehrer an der Oberstufe Lerchenfeld war, erinnert sich:

«Die Schüler waren etwas geknickt, die meisten Eltern hingegen erleichtert darüber, dass die Lehrer in dieser Ausnahmesituation verantwortungsbewusst handelten.»

Ein Problem gab es allerdings noch: Das Gepäck der Schüler wurde – zusammen mit Fleisch für die Lagerwoche – bereits mit dem Zug nach Scuol gefahren. Nun mussten die beiden Paletten aus dem Unterengadin zurückgeholt werden. «Der Rücktransport nach Kirchberg verlief reibungslos. Wir konnten sogar das Fleisch noch verwenden, da es durch die Kälte die ganze Zeit über gefroren gewesen war», sagt Gerber. Parallel wurde nach freien Lagerhäusern gesucht. Denn – und da war man sich einig – das Lager sollte nicht einfach ausfallen. Statt in den Schnee, ging es für die Jugendlichen aber fürs Erste wieder ins Schulzimmer.

Christoph Gerber, ehemaliger Lehrer an der Kirchberger Oberstufe Lerchenfeld und heutiger Schulleiter. (Bild: zVg)

Christoph Gerber, ehemaliger Lehrer an der Kirchberger Oberstufe Lerchenfeld und heutiger Schulleiter. (Bild: zVg)

Einen Monat später durften die Schüler der Oberstufe dann doch noch ins Skilager nach Scuol. Den späteren Termin haben die Kirchberger bis heute beibehalten. Nicht nur, weil die Schüler zu diesem Zeitpunkt die Aufnahmeprüfungen für die Mittelschulen bereits hinter sich haben, sondern auch, weil Ende März mehr Lagerhäuser frei sind.

Im Schlafsack vor dem Kamin

Christoph Gerber fährt seit 1984 jedes Jahr mit. Und auch wenn jedes Skilager, wie er sagt, einzigartig war, so gibt es doch eines, das ihm besonders in Erinnerung geblieben ist. «Es war im Winter 1995. Ich war mit Oberstufenschülern aus Kirchberg im Skitourenlager auf der Mettmenalp, als wir wegen des vielen Schnees eine Woche lang komplett von der Aussenwelt abgeschnitten waren», erinnert sich der 60-Jährige.

Obwohl sie im Lagerhaus in Sicherheit waren, bekamen es einige Schüler mit der Angst zu tun. Und es kam noch schlimmer: Weil eine umgefallene Tanne die Stromleitung beschädigt hatte, musste die Truppe ohne Elektrizität auskommen. Plötzlich war es dunkel und kalt. Alle hätten eine Weile gebraucht, um sich mit den widrigen Umstände abzufinden, erzählt Gerber und fügt an:

«Ich war aber erstaunt, wie gut sich ein Mensch an eine solche Extremsituation anpassen kann, wenn ihm nichts anderes übrig bleibt.»

Also kochten sie im Esssaal über dem Kaminfeuer und schliefen eng zusammengedrängt vor dem warmen Cheminée. Umstände, die zusammenschweissten und eine grosse Verbundenheit entstehen liessen.

«Die Schüler fragten auch, ob sie uns Lehrer und Bergführer duzen dürfen. Das fühlte sich richtig an. Also erlaubten wir es während diesen Tagen.»

Kompass lesen statt Skitouren

Aus den geplanten Skitouren durch die Glarner Berge wurde nichts. Langweilig wurde es den Schülern aber nicht. Gerber hatte genügend Ausbildungsmaterial dabei. Sie übten das Kompass- und Kartenlesen, machten rund ums Haus Suchübungen mit Lawinenhunden, indem sie Rucksäcke mit einer Wurst darin im Schnee vergruben. Ausserdem seilten sie sich bei der Luftseilbahn, die nur am Wochenende fuhr, in einen zehn Meter tiefen Schacht ab, um das Ab- und Aufsteigen aus einer Gletscherspalte zu simulieren.

«Und abends haben wir jede Menge Gesellschaftsspiele gespielt.»

Seit zwei Jahren ist Christoph Gerber nicht mehr Lehrer an der Kirchberger Oberstufe, sondern deren Schulleiter. Seither fährt er nur noch tageweise zu Besuch ins Skilager. Der Zuzwiler ist überzeugt, dass Klassenlager für die Jugendlichen eine wertvolle Erfahrung sind. «Einzelne Unterrichtsstunden gehen schnell vergessen, aber die Erinnerungen an ein Lager bleiben». So ist es auch bei Gerber selbst. Über das Skitourenlager von 1995 sagt er:

«Diese abenteuerliche Woche werde ich mein Leben lang nicht vergessen.»

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