«Lediglich die Kuhschwänze direkt vor dem zugeteilten Sektor wären zu sehen» – Viehschau in Nesslau findet nicht statt

Nach Wattwil und Oberbüren gibt nun auch Nesslau die Absage der traditionellen Viehschau bekannt. Gemeindepräsident Kilian Looser bedauert den Entscheid und erklärt, wie es dazu gekommen ist.

Janine Bollhalder
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Die Auflagen zum Schutz vor Infektionen mit Covid-19 machen es unmöglich die Viehschau in Nesslau so umzusetzen, dass es ein geselliger Anlass ist.

Die Auflagen zum Schutz vor Infektionen mit Covid-19 machen es unmöglich die Viehschau in Nesslau so umzusetzen, dass es ein geselliger Anlass ist.

Hansruedi Rohrer
Kilian Looser, Gemeindepräsident von Nesslau

Kilian Looser, Gemeindepräsident von Nesslau

Sabine Camedda

Am 7. Oktober hätten sich in der Gemeinde Nesslau rund 40 Landwirte, ihre Helfer und etwa 1200 Tiere für die traditionelle Viehschau eingefunden. Es ist traditionell die grösste Viehschau der Schweiz. In diesem Jahr findet sie aber nicht statt: «Die notwendigen Schutzauflagen machen es unmöglich, die Veranstaltung so umzusetzen, dass es ein geselliger Schauanlass ist», sagt Kilian Looser, Gemeindepräsident von Nesslau.

Das grösste Problem ist, zu vermeiden, dass sich die Besucher vermischen. Kilian Looser rechnet erfahrungsgemäss mit 1500 bis 2000 Besuchern. Gemäss Bestimmungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) wäre eine Grossveranstaltung wie diese ab dem 1. Oktober wieder durchführbar. Allerdings müssten Sicherheitsmassnahmen zum Schutz vor Infizierungen ergriffen werden – wie etwa nummerierte Sitze, Sektoren oder Maskenpflicht.

Eingeschränkte Bewegungsfreiheit

Nach den Vorschriften des Bundes gilt eine personalisierte Sitzplatzpflicht. Das bedeutet, jeder muss an seinem zugewiesenen Platz sitzen bleiben und darf nur diesen belegen. Ähnliches würde gelten, wenn der Kanton Stehplätze erlaubt: Besucher dürften den ihnen zugewiesenen Sektor nicht verlassen und sich nicht mit Personen aus anderen Sektoren vermischen. Pro Sektor dürften sich maximal 300 Personen aufhalten und zwischen den Abteilen müsste für Abstand gesorgt werden.

Problematisch ist diese Aufteilung der Besucher in Sektoren, da die Vorführungen der Tiere am Ring jeweils nur von einem Sektor besucht werden könnten. Looser sagt:

«Es wäre auf diese Weise gar nicht möglich, dass man die ganze Viehschau sehen kann. Lediglich die Kuhschwänze direkt vor dem zugeteilten Sektor.»

Wichtiger Anlass für Bauern und Touristen

Unabhängig davon, ob die Viehschau mit Sitz- oder mit Stehplätzen durchgeführt wird, müssten die Personalien sämtlicher Besucherinnen und Besucher mit Adresse und Telefonnummer bei der Eingangskontrolle genau erfasst werden und die Identitätskarten müssten geprüft werden.

Die Viehschau in Nesslau ist sowohl für die bäuerliche als auch die nichtbäuerliche Bevölkerung sowie für Touristinnen und Touristen ein wichtiger Anlass. Stattfinden wird sie dieses Jahr nun also nicht, auch wenn der Nesslauer Gemeindepräsident entschieden sagt:

«Wir hätten keinen Aufwand gescheut, wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, die Viehschau durchzuführen.»

Aber so, wie die Lage derzeit ist, mit den erforderlichen Massnahmen, könne eine gesellige Viehschau nicht durchgeführt werden.

Zunehmende Anzahl Absagen der Gemeinden

Schon etwas früher in der aktuellen Woche haben die Gemeinden Wattwil und Oberbüren bekanntgegeben, dass ihre Viehschauen nicht stattfinden werden. Auch sie haben diese Entscheidung aufgrund der Coronavorschriften getroffen.

Andreas Wittenwiler, Präsident des St. Gallern Braunviehverbandes

Andreas Wittenwiler, Präsident des St. Gallern Braunviehverbandes

PD

Den Präsidenten des St. Galler Braunviehverband, Andreas Wittenwiler, überraschen diese Neuigkeiten. «Nach dem Informationsanlass für die Schauverantwortlichen in der vergangenen Woche haben wir gehofft, dass mehr Viehschauen stattfinden werden.» Wittenwiler weiss nun aber, dass es auch an anderen Orten düster aussieht.

«Ich befürchte nun, dass sehr, sehr wenige Viehschauen tatsächlich durchgeführt werden.»

Weitere Entscheidungen sind für die kommende Woche angekündigt.

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