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Von Deutschland ins Toggenburg: «Solino»-Bewohnerin bringt ihr bewegtes Leben zu Papier

Maria Christine Schramke, Bewohnerin des Bütschwiler Seniorenzentrums Solino, möchte ihre Lebensgeschichte für ihre Nachkommen zugänglich machen. Die pensionierte Lehrerin Monika Rösinger unterstützt sie dabei.
Anina Rütsche
Maria Christine Schramke (rechts) und Monika Rösinger haben in den vergangenen Monaten viele Gespräche geführt. (Bild: Anina Rütsche)

Maria Christine Schramke (rechts) und Monika Rösinger haben in den vergangenen Monaten viele Gespräche geführt. (Bild: Anina Rütsche)

Die zwei Frauen scheinen einander ewig zu kennen. Doch die erste Begegnung von Maria Christine Schramke, Bewohnerin des Bütschwiler Seniorenzentrums Solino, und Monika Rösinger, Oberstufenlehrerin im Ruhestand, ist erst ein halbes Jahr her. Dass die beiden überhaupt zueinander gefunden haben, hat mit der Aktion «Zeit schenken» zu tun, welche das Heim 2017 in Zusammenhang mit seinem Jahresmotto «Gelebte Herzlichkeit – Geschenkte Zeit» ins Leben gerufen hatte.

Ein lange gehegter Wunsch erfüllt

Damals wurden Leute gesucht, die bereit waren, einen Teil ihrer Freizeit den Bewohnerinnen und Bewohnern des «Solino» zu widmen. Monika Rösinger hatte sich daraufhin auf den Aufruf gemeldet, dies mit einem Angebot der besonderen Art: Die Bütschwilerin, die gerne schreibt und auch Kurzgeschichten verfasst, bot an, jemanden beim Schreiben des eigenen Lebenslaufes zu unterstützen. Zufälligerweise stimmte dieser Vorschlag mit einem seit langem gehegten Wunsch von Maria Christine Schramke überein, die seit fünf Jahren im Solino daheim ist. «Und so kam es, dass wir einander vorgestellt wurden», sagt diese. «Ein echter Glücksfall.»

«Manchmal sind auch Tränen geflossen»

Maria Christine Schramke, Jahrgang 1944, blickt auf ein bewegtes und nicht immer einfaches Leben zurück. Umso wichtiger ist es ihr, die Erlebnisse aufzuarbeiten und für die Nachwelt zugänglich zu machen. Zu diesem Zweck hat Monika Rösinger in den vergangenen Monaten regelmässig bei ihr vorbeigeschaut.

Ungefähr alle zwei Wochen sind die beiden Frauen eineinhalb Stunden lang zusammengesessen, und Maria Christine Schramke hat ihrem Gegenüber viel über sich preisgegeben. Sie sagt: «Es war nicht immer einfach, und manchmal sind auch Tränen geflossen.» Monika Rösinger wiederum findet, dass die Solino-Bewohnerin eine gekonnte Erzählerin sei, was vieles vereinfacht habe. «Ich habe stets aufmerksam zugehört, von Hand Notizen gemacht und ab und zu nachgefragt», sagt sie. Daheim stand dann die Reinschrift am Computer an.

Monika Rösinger findet: «Für mich ist dieses Projekt bereichernd, weil ich viel Neues erfahre, und es freut mich, meine Begeisterung fürs Schreiben mit einem anderen Menschen zu teilen.» Um das gegenseitige Vertrauen zu stärken, habe sie Maria Christine Schramke von Anfang an das «Du» angeboten. «Ja, und das, obwohl du die Jüngere von uns beiden bist», neckt diese, und beide lachen. «Mir war es sehr wichtig, dass trotz des ernsten Themas auch fröhliche Momente zu unseren Treffen gehören», fügt Monika Rösinger an. So hätten sie nicht nur über die Vergangenheit, sondern auch über anderes gesprochen, beispielsweise über das gemeinsame Interesse an Büchern und Musik.

Von Hagen über Zürich ins Toggenburg

Während Monika Rösingers Wurzeln im Toggenburg liegen, ist Maria Christine Schramke in Hagen im Bundesland Nordrhein-Westfalen am Rande des Ruhrgebiets aufgewachsen. Dies in der Nachkriegszeit, «das war gravierend und ist bis heute prägend, da ich früh selbstständig werden musste», erinnert sich die heute 74-Jährige.

Nach einer Handelsschule und einer Ausbildung zur Zahnarztassistentin kam sie mit 18 Jahren nach Zürich, wo sie als Hausmädchen arbeitete. Mit 21 wurde sie Mutter, sie gebar eine geistig beeinträchtigte Tochter und später einen Sohn. Nach sieben Jahren sei es aber zur Scheidung gekommen. Der zweite Ehemann, ein Landwirt, sei schliesslich der Grund gewesen, warum es die junge Frau mit ihren Kindern von der Stadt weggezogen hatte. In Müselbach führte die Familie jahrzehntelang einen kleinen Hof, bevor es auch hier zum Zerwürfnis kam.

Keine Veröffentlichung geplant

«Der niedergeschriebene Lebenslauf ist natürlich um einiges detaillierter», hebt die Erzählerin hervor, die früher gerne selbst Texte verfasst hat, das nun aber nicht mehr machen mag. Bisher umfasst das von Monika Rösinger getippte Dokument 20 Seiten, deren 30 sollen es am Schluss sein. Schramke legt Wert darauf, dass sie keine Veröffentlichung ihrer Geschichte anstrebt. «Das ist mir zu privat», sagt sie. Viel wichtiger sei es ihr, dass ihre Nachkommen – Tochter, Sohn und Enkel – das Ganze später lesen könnten. Ihr habe es gut getan, alles in Worte zu fassen und zu verarbeiten. «Nun kann ich die Geschichte besser ruhen lassen als zuvor, und dafür bin ich Monika dankbar.» Zu einigen Lebensepisoden hat die Schreiberin zusätzlich Kurzgeschichten verfasst. Diese vermitteln der Seniorin wohltuenden Abstand und zusätzliche Blickwinkel auf ihr bewegtes Leben.

Noch ist offen, wie es mit den Treffen der zwei Frauen im «Solino» weitergeht, wenn das Lebenslauf-Projekt abgeschlossen ist. Sowohl Maria Christine Schramke als auch Monika Rösinger haben aber vor, weiterhin in Kontakt zu bleiben.

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