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Serie

Leben im Weiler: «Für uns ist Hönenschwil unser kleines Paradies»

Hönenschwil – Der kleine Weiler, eingebettet zwischen Dicken und Bergli.
Urs M. Hemm
Im Vordergrund der Weiler Hönenschwil, dessen Bild von den Tätschhäusern geprägt wird. Links im Hintergrund befindet sich der Büsi-Hof. (Bild: Urs M. Hemm)

Im Vordergrund der Weiler Hönenschwil, dessen Bild von den Tätschhäusern geprägt wird. Links im Hintergrund befindet sich der Büsi-Hof. (Bild: Urs M. Hemm)

Oberhalb von Dicken, in einem kleinen Seitental, liegt der Weiler Hönenschwil. «Hier stehen die ältesten Tätschhäuser der Umgebung», weiss Hans Naef, dessen Familie seit 1905 in Besitz eines dieser Tätschhäuser ist. Das Ortsbildinventar der Gemeinde Neckertal beschreibt die Lage wie folgt: «Es ist das hinterste Haus dieser aus vier ähnlichen Häusern bestehenden, einmalig in den Talkessel eingebetteten Tätschhauskolonie.»

Sie gehören zu den ältesten 
Tätschhäusern im Toggenburg

Hans Naef. (Bild: Urs M. Hemm)

Hans Naef. (Bild: Urs M. Hemm)

Zwei der Häuser lassen sich auf das Jahr 1608 datieren. In dem einen wurde eine entsprechende Inschrift mit der Jahreszahl gefunden. Die Datierung des Hauses Naef war jedoch ein wenig aufwendiger. «Als mein Vater vor 50 oder 60 Jahren einen Kamin einbaute, musste er einen Balken der ursprünglichen Bausubstanz heraus sägen», erinnert sich Hans Naef. Dieses Stück Holz sei danach während Jahrzehnten unbeachtet im Keller gelegen. Weil ihn aber die Geschichte des Hauses schon immer interessierte, schickte er im Jahr 2001 diesen Fichten-Balken der Archäologie der Stadt Zürich und liess ihn dendrochronologisch untersuchen (Dendrochronologie: Die Bestimmung von Holzarten unterschiedlichster Herkunft und Datierung dieser Hölzer anhand der Jahrringe. Anm. d. Red.). Gemäss dieser Untersuchung datiert der letzte Ring auf das Jahr 1607, womit als Baujahr für das Naefsche Haus ebenfalls das Jahr 1608 angenommen werden kann.

Hönenschwil, aufgenommen im Jahr 1934 von Hans Naef Senior. Im Hintergrund ist noch das alte Tätschhaus zu sehen, wo heute der Büsi-Hof steht. (Bild: Archiv Hans Naef)

Hönenschwil, aufgenommen im Jahr 1934 von Hans Naef Senior. Im Hintergrund ist noch das alte Tätschhaus zu sehen, wo heute der Büsi-Hof steht. (Bild: Archiv Hans Naef)

Dadurch, dass das Haus während all der Jahrhunderte kaum baulichen Veränderungen unterworfen war, wurde es zunächst als schützenswertes Kultureinzelobjekt ins Ortsbildinventar der Gemeinde St. Peterzell und danach in jenes der Gemeinde Neckertal aufgenommen. In der Würdigung heisst es dort: «Tätschhaus als Kern einer Hofanlage mit Fassadengestaltung des 18. oder frühen 19. Jahrhunderts. Wichtig für das Orts- und Landschaftsbild von Hönenschwil.»

Um 1940: Höhenschwil und Egg mit dem Gasthaus Bergli. (Bild: Archiv Hans Naef)

Um 1940: Höhenschwil und Egg mit dem Gasthaus Bergli. (Bild: Archiv Hans Naef)

Textilindustrie brachte nur 
kurzfristigen Aufschwung

Lange lebten die Bewohner von Hönenschwil mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft. «Unser Web- und späterer Stickkeller war ursprünglich ein Stall für etwa acht Kühe», sagt Hans Naef. Sein Onkel, damals Kirchenpräsident von St. Peterzell und Oberschätzer hatte ihm einmal gesagt: «Hans, mit acht Kühen konnte man auch damals nicht überleben.» Mit der Web- und Stickindustrie habe sich die Lage der Menschen in Hönenschwil zwar verbessert, dennoch sei nach dem Einbruch der Textilindustrie nichts übrig geblieben.

Wie schwierig die Zeiten damals waren, zeigt die Liste der Besitzer des Hauses Naef, welche Hans Naef bis ins Jahr 1842 zurückverfolgen konnte. Oft wechselte das Haus alle zwei, drei vielleicht einmal nach vier Jahren den Besitzer. «Hier sieht man, wie schnell damals den Besitzern das Geld ausging und sie das Haus wieder verkaufen mussten, um überleben zu können», sagt Hans Naef.

Das Haus von Hans Naef ist Teil des Ortsbildinventars. (Bild: Urs M. Hemm)

Das Haus von Hans Naef ist Teil des Ortsbildinventars. (Bild: Urs M. Hemm)

Zeitweise standen die meisten Häuser im Weiler leer oder wurden gar wie jenes, an dessen Ort heute der Büsi-Hof steht, abgerissen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere ab den 1950er-Jahren, wurden die meisten Häuser nur noch als Ferienwohnungen genutzt. «Das brachte mit sich, dass die damaligen Besitzer Umbauten an ihren Häusern vornahmen, zum Teil Wände herausbrachen, um es den Anforderungen als Ferienwohnung anzupassen. Eines der Häuser wurde gar von der Stadt Zürich als Ferienheim für sozial benachteiligte Kinder genutzt», erzählt Hans Naef.

Auf der Siegfried-Karte von 1879 ist der Weiler als Hünenswil verzeichnet. (Bild: PD)

Auf der Siegfried-Karte von 1879 ist der Weiler als Hünenswil verzeichnet. (Bild: PD)

Heute sind alle Häuser im Weiler Hönenschwil wieder ganzjährig bewohnt. «Speziell im Winter ist es nicht einfach hier oben. Doch alle, die hier leben, haben sich mit den Widrigkeiten arrangiert. Für mich und meine Frau Mara ist Hönenschwil jedenfalls unser kleines Paradies.»

Tätschhäuser

Das Tätschhaus ist die traditionelle bäuerliche Hausform im Toggenburg. Sie zeichnet sich aus durch ein flach geneigtes Dach, weil als Bedachung nur Brettschindeln mit Steinen zur Beschwerung in Frage kamen. Denn bis etwa im Jahr 1670 waren Eisennägel nicht oder nur in ganz geringen Mengen zu beschaffen.

Mit dem Aufkommen erster Schmieden im Toggenburg und der Entwicklung eines neuen Verfahrens, Nageleisen zu spalten, statt mit dem Hammer zu schmieden, kam es zu einem Preissturz für Eisennägel. Trotz des niedrigeren Preises blieben Eisennägel den wohlhabenden Kaufleuten vorbehalten, die sich fortan als Zeichen ihres Wohlstandes Häuser mit genagelten, steilen Dächern bauen konnten. (pd/uh)

Schauen Sie sich hier die weiteren Weiler und Quartiere der Sommerserie an

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