Leben fast ohne Abfall: Die Ennetbühlerin Elly Brufani füllt pro Jahr nur einen Kehrichtsack

Seit drei Jahren versucht die Ennetbühlerin Elly Brufani möglichst keinen Abfall zu produzieren. Sie will auch andere davon überzeugen.

Adi Lippuner
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Elly Brufani benötigt pro Jahr einen einzigen Kehrichtsack für ihren Abfall.

Elly Brufani benötigt pro Jahr einen einzigen Kehrichtsack für ihren Abfall.

Bild: Adi Lippuner

Vor drei Jahren begann Elly Brufani, ihr Leben umzustellen. Auslöser war einerseits das Buch «Zero Waste Home» von Bea Johnson, andererseits die Begegnung mit irischen Musikern, die alle vegan leben. Doch eigentlich war das Vermeiden von Abfall schon während ihrer Kindheit in Persien präsent. «Meine Erinnerung an das damalige Leben ist mit dem ‹Null-Verschwender-Prinzip› verbunden. Ich wusste nur nicht, dass diese Lebensform einen Namen hat.»

Die studierte Informatikerin wohnt heute mit ihrem Ehemann in Ennetbühl. Als Ostschweizer Botschafterin von Zero Waste Switzerland (siehe Kasten) ist Elly Brufani auch in der Region aktiv. Jeweils jeden zweiten Montagnachmittag im Monat ist sie im Restaurant Gemsli in Neu St.Johann anzutreffen und jeden zweiten Dienstagvormittag des Monats steht in der Trefferei in Unterwasser das «Zero Waste Café» auf dem Programm. Bei diesen monatlichen Treffen geht es um den persönlichen Austausch in einem ungezwungenen Rahmen und das Vermitteln neuer Ideen.

1000 Mitglieder in fünf Jahren

Nathalie Bino und Julie Thomas gründeten 2015 den Verein Zero Waste Switzerland. Nach der Entdeckung dieses Lebensstils hätten sie ihr alltägliches Leben diesem angepasst und mit ihrem Umfeld darüber gesprochen, ist der Website des Vereins zu entnehmen. Die Reaktionen und das Interesse am Thema hätten die Idee der Vereinsgründung befeuert.

Der Verein setzt sich zum Ziel die Abfallproblematik bekannt zu machen, die Menschen zu nachhaltigen Verhaltensänderungen zu motivieren und eine aktive Mitwirkung der Interessengruppen zu unterstützen sowie die Einführung einer Gesetzgebung zur Reduzierung der Abfallproduktion in der Schweiz zu fördern. Diese Absicht wird in einer Vision zusammengefasst: «Zero Waste Switzerland möchte die Bürger, Institutionen und Wirtschaftsakteure zu einem abfallfreien Konsumverhalten motivieren und erneuerbare Produktionsmethoden der zirkularen Wirtschaft fördern.»

Dabei will man auch in Zusammenarbeit mit Unternehmen nachhaltige und umweltfreundliche Alternativen zu bestehenden Verpackungen finden. «Seit Jahren stellen wir die Methoden unserer Konsumgesellschaft in Frage und suchen nach einem Weg, die Schweizer Bevölkerung für das globale Abfallproblem zu sensibilisieren», werden die beiden Gründerinnen auf der Website zitiert.

Der Verein zählt nach eigenen Angaben rund 1000 Mitglieder. Er bietet Workshops an und will Diskussionsräume schaffen. (pd/rus)

Hinweis
Termine für monatliche Treffen sind unter www.zerowasteswitzerland.ch/events zu finden.

Gleich vermeiden, ist besser als recyceln

Vor drei Jahren näherte sich Elly Brufani Schritt für Schritt ihrem neuen Lebensstil. Dank vieler Gespräche mit ihrer Mutter und deren Erinnerungen, wie Essen von Grund auf selbst hergestellt werden kann, und Kleidern, Putz- und Hausmitteln aus Eigenproduktion. Ihre Erfahrungen gibt sie gerne weiter, zeigt auf, wie sich Abfall vermeiden lässt und betont: «Niemand muss sein Leben auf den Kopf stellen, auch kleine Schritte können Erfolg bringen.»

Wer keinen Abfall produzieren will, muss sein Verhalten entsprechend ändern. Möglichkeiten bieten der Einkauf am Wochenmarkt oder Läden, in denen man Produkte in eigene Gefässe abfüllen kann.

Wer keinen Abfall produzieren will, muss sein Verhalten entsprechend ändern. Möglichkeiten bieten der Einkauf am Wochenmarkt oder Läden, in denen man Produkte in eigene Gefässe abfüllen kann.

Bild: Getty

Ganz klar vertritt die Zero-Waste-Botschafterin die Ansicht, dass Vermeiden besser ist als Recyceln. Im Alltag bedeutet dies für Elly Brufani, dass sie sich haltbare Lebensmittel konsequent im Offenverkauf besorgt. «Gläser mit Bügelverschluss sind ideale Gefässe für Linsen, Bohnen und Getreide», so ihre Erfahrung. Früchte und Gemüse besorgt sich die Zero-Waste-Botschafterin auf dem Wochenmarkt oder beim Gemüsehändler. Putzmittel werden aus im Haushalt vorhandenen Artikeln wie Essig, Salz, Natron und Zitronenschale selbst hergestellt. Auch für Kosmetika gibt es einfache Rezepte, von der Zahnpasta über Seife bis hin zur Haar- und Gesichtspflege stammt bei der Ennetbühlerin alles aus eigener Produktion.

Täglich investiert sie rund zwei Stunden

Wer nun glaubt, Elly Brufani sei den ganzen Tag mit der Eigenproduktion und dem Kochen beschäftigt, wird im Gespräch eines Besseren belehrt. «Ich habe diesen Lebensstil bereits gepflegt, als ich noch zu 80 Prozent berufstätig war. Heute widme ich mich pro Tag rund zwei Stunden der Herstellung von Eigenkreationen und dem Kochen.» Seife produziere sie nur zweimal pro Jahr, Reinigungsmittel nach Bedarf, aber weil alles natürliche Zutaten sind, geht dies sozusagen nebenbei.»

Als Botschafterin ist Elly Brufani regelmässig in der Ostschweiz unterwegs und organisiert ihre Einkäufe so, dass sie diese auf dem Hin- oder Rückweg erledigt. «Die positive Auswirkung unseres Lebensstils ist, dass wir sehr viel weniger Geld ausgeben. Gekauft wird nur, was wir wirklich benötigen, zudem achten wir auf Langlebigkeit und Qualität.» Kleider habe sie seit drei Jahren keine mehr gekauft, «demnächst steht die Anschaffung von Wanderschuhen auf dem Programm», ist zu erfahren.

Elly Brufani und ihr Mann Claudio haben bereits neue Pläne: «Ein Gemeinschaftsgarten in Nesslau, damit möglichst viele Familien eigenes Gemüse anbauen können, und – sozusagen als grosses Ziel – der Bau eines Mini-Hauses, damit wir mit noch weniger Ressourcen auskommen.» Einziger Wermutstropfen im Zero-Waste-Leben des Ehepaares Brufani: «Ohne Auto geht es nicht. Und wer etwas abgelegen wohnt, kann noch nicht auf ein Elektrofahrzeug setzen.»