Serie

Jahresrückblick November: Lange, aber erfolgreich für den Campus Wattwil gekämpft

Das Linthgebiet wehrte sich gegen einen Kanti-Neubau in Wattwil. Das Toggenburg behielt die Oberhand.

Ruben Schönenberger
Drucken
Teilen
Das Gebäude der Kantonsschule ist in einem schlechten Zustand.

Das Gebäude der Kantonsschule ist in einem schlechten Zustand.

Bild: Urs M. Hemm

Es war ein langer und holpriger Weg, doch im November des zu Ende gehenden Jahres war die Ziellinie erreicht: Das Volk sagte Ja zum Campus Wattwil.

Vorausgegangen war der Abstimmung ein langer Kampf, der insbesondere zwischen dem Linthgebiet und dem Toggenburg ausgefochten wurde und in dessen Prozess auch mal Untersuchungen wegen liegengebliebener Unterlagen der Regierungssitzung durchgeführt wurden.

Vertreterinnen und Vertreter des Linthgebiets erachteten einen Standort in ihrer Region als sinnvoller, weil die Schüler zu einem grossen Teil von «ennet» dem Ricken kommen. Im Toggenburg argumentierte man mit regionalpolitischen Argumenten, aber auch mit einem Kompromiss, der heute noch gelte: Kanti in Wattwil, Hochschule für Technik in Rapperswil.

Vier von fünf Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sagten Ja

Die St.Galler Regierung hatte sich wiederholt für den Standort Wattwil ausgesprochen. Zu Beginn des Jahres schlug sie mit ihrer Botschaft dann den Pflock ein, den die Gegner des Standorts Wattwil nicht mehr rauszuziehen vermochten. Die Botschaft sorgte zwar im Kantonsrat in der Aprilsession noch für Diskussionen, ging in der Abstimmung in der Junisession dann aber problemlos durch. Wie später auch an der Urne. Vier von fünf St.Gallerinnen und St.Gallern befürworteten die Pläne des Kantons, in Wattwil einen gemeinsamen Campus für die Kantonsschule und das Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg (BWZT) zu erstellen.

Die Campus-Lösung erdacht hat der Kanton, weil sowohl die Kantonsschule als auch das BWZT sanierungsbedürftig sind und die Anforderungen an den heutigen Schulbetrieb nicht mehr erfüllen. So weist beispielsweise das Kantonsschulgebäude schwere bauliche Mängel auf: Regenwasser dringt ein, die Erdbebensicherheit und der Brandschutz sind mangelhaft. Zudem sind die Gebäude zu klein geworden. Der Kanton muss deshalb Schulraum an anderen Standorten zumieten, wodurch Kosten entstehen. Das BWZT muss indes nur saniert werden.

Mensa und Aula werden gemeinsam genutzt

Als Campus wird die geplante Lösung bezeichnet, weil Kantonsschule und BWZT näher zusammenrücken. Die Kanti wird am Standort der heutigen Aussensportplätze bei der Rietstein-Turnhalle neu gebaut (siehe Karte). Gewisse Einrichtungen werden gemeinsam genutzt, so zum Beispiel die Mensa oder die Aula.

Beide Bauprojekte sind ohne Provisorien für den Schulbetrieb möglich. Wenn die neue Kanti steht, zügelt das BWZT für kurze Zeit in die ehemalige Kanti, bevor der Kanton für jenes Gebäude dann keine Verwendung mehr hat. Bis alle Teile des Projekts fertig sind, dürfte es 2028 werden. Kosten soll das alles 108 Millionen Franken.

Der November in der Übersicht

  • Lichtensteig Ein 44-jähriger Toggenburger stand vor Gericht, weil er seine Frau vergewaltigt und genötigt haben soll. Das Kreisgericht spricht den Mann schuldig. Er erhält eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, sechs davon sind zu vollziehen.
  • Lütisburg Die evangelischen Kirchbürgerinnen und Kirchbürger entschieden sich gegen den Verkauf einer Kirche.
  • Wattwil/Krinau Die geplanten Windräder oberhalb von Krinau stiessen weiter auf Widerstand. Der Verein Älpli Gegenwind liess eigens ein Gutachten erstellen. Nach diesem wäre der Lärm zu gross und die Wirtschaftlichkeit der Anlagen nicht gegeben.
  • Wattwil Trotz aller Negativschlagzeilen rund um das Spital Wattwil ging dort die Integrierte Notfallpraxis in Betrieb. Diese soll helfen, Bagatellfälle von echten Notfällen zu unterscheiden. Dafür spannen Spital- und Hausärzte zusammen.
  • Toggenburg Die Bilanz der Fussballklubs der Region zur Winterpause fiel durchzogen aus. Vier Teams mischten in ihren Ligen an der Spitze mit, die anderen vier kämpften gegen den Abstieg.
  • Wattwil Pius Sidler hat den schönsten Vollbart der Kategorie «naturale Älpler».
  • Lichtensteig Ein 20-Jähriger wurde wegen pornografischen Materials auf seinem Handy verurteilt. Die Meldung an die Schweizer Behörden kam aus den USA.
  • Kirchberg Die mögliche Inbetriebnahme eines 5G-Netztes förderte Ängste zutage. 375 Personen unterstützten eine Petition, die fordert, den Antennenwildwuchs in der Gemeinde zu verhindern.
  • Toggenburg Die Kreisparteien der Region nominierten ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die Kantonsratswahlen vom 8. März.
  • Bazenheid/Wildhaus Die Armee war mit einer Train-Kolonne mit rund 60 Pferden in der Region zu Gast.
  • Ebnat-Kappel Ein neues Verkehrskonzept bei der Schulanlage Wier soll die Sicherheit erhöhen.
  • Ebnat-Kappel Die Stimmbürgerschaft sagte Ja zur Einführung einer Bildungskommission.
  • Kirchberg Drei Schulräte traten aus der CVP aus. Es war das Resultat von Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit einer geplanten Schulreform.
  • Bazenheid Hausi Leutenegger eröffnete den Winterzauber. Der Anlass findet zum 60. Geburtstag der Dorfkorporation statt.
  • Bütschwil-Ganterschwil Der Geflügelschlachthof im Lerchenfeld kommt nicht. Die Micarna entschied sich gegen den Neubau.
  • Ebnat-Kappel Der Skilift Tanzboden erweiterte sein Angebot mit einem Schlitten, der lifttauglich ist.
  • Mosnang Die Läuferriege wird 60 Jahre alt.

Damit der Neubau im Riet­stein-Areal aber entstehen kann, muss zuerst im Rietwis-Areal Ersatz für die Aussensportplätze geschaffen werden. Das erledigt die Gemeinde Wattwil. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben dem bereits zugestimmt. Der Baubeginn ist für 2020 vorgesehen. Die Ziellinie, die mit der Abstimmung am 17. November überschritten wurde, war also gleichermassen die Startlinie für die Umsetzung.

Was sonst im November noch geschah