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Läutet dem Spital Wattwil die Totenglocke?

In der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg sollen stationäre Leistungen nur noch in Wil erbracht werden. Für das Spital Wattwil wären andere Nutzungen zu suchen. Das schlägt der Verwaltungsrat der Spitalverbunde vor.
Martin Knoepfel
Der neue Trakt im Spital Wattwil wurde vor kurzem fertiggestellt. Wie lange er in seiner heutigen Funktion benötigt wird, ist noch offen. (Bild: Martin Knoepfel)

Der neue Trakt im Spital Wattwil wurde vor kurzem fertiggestellt. Wie lange er in seiner heutigen Funktion benötigt wird, ist noch offen. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Hiobsbotschaft kam am Donnerstagmorgen in Form von Medienmitteilungen. Die Spitalverbunde des Kantons und der Kanton teilten mit, dass sie die stationären Leistungen künftig nur noch an einem Ort pro Spitalregion erbringen wollen. In der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg wäre das Wil. Mit anderen Worten: Das Spital Wattwil würde es in seiner heutigen Funktion nicht mehr brauchen.

Die Spitalverbunde würden ohne Gegenmassnahmen auf ein Defizit von 70 Millionen Franken pro Jahr zusteuern. Das nennt der Verwaltungsrat als Begründung für die angedachte Schliessung von fünf Spitälern. Es sind neben Wattwil die Häuser in Altstätten, Flawil, Rorschach und Walenstadt. Die fünf Standorte könnten «nach Möglichkeit die ambulante Gesundheitsversorgung in Kooperation mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten anbieten oder teilweise einer anderen Nutzung zugeführt werden». Das schreibt der Verwaltungsrat der Spitalverbunde in der Mitteilung. Sie enthält allerdings keine Details zu Neunutzungen. Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde hat diese Vorschläge dem Regierungsrat unterbreitet. Die Entscheidungshoheit liege bei der Politik, heisst es dazu.

Verweis auf das Detailkonzept

Es handle sich um ein Grobkonzept. Erst das Detailkonzept könne klären, wie weit das Spital Wattwil anders genutzt werden könnte, antwortete René Fiechter, CEO der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg (SRFT), dem «Toggenburger Tagblatt». Das Grobkonzept sieht laut René Fiechter vor, dass es in Wattwil kein stationäres Angebot in der heutigen Art mehr gibt, wenn das Spital Wil neu gebaut ist. «Es ist davon auszugehen, dass das nach dem politischen Entscheid noch zehn Jahre in Anspruch nehmen wird», sagt der CEO der SRFT.

Die psychosomatische Abteilung (PSA) im Spital Wattwil, die für Alkohol-Kurzzeittherapien bekannt ist, zählt laut René Fiechter nicht zum stationären Angebot im Akutspital. Wie die PSA weiterentwickelt werde, müsse das Detailkonzept zeigen.

Keine klare Antwort gab es auf die Frage, wie viele Personen, die im Spital Wattwil tätig sind, von der Schliessung betroffen wären. René Fiechter betonte, dass viele Mitarbeiter der SRFT standortübergreifend tätig seien. Ob alle Arbeitsplätze nach Wil verlegt oder ob Stellen abgebaut würden, könne man noch nicht sagen. Das Grobkonzept gehe davon aus, dass man die Personalreduktion meist über natürliche Fluktuation abwickeln könne. Das bestätigt nicht nur die Befürchtung, dass Arbeitsplätze verschwinden werden. Es bedeutet auch, dass es weniger Stellen für den Nachwuchs gibt.

«Bauprojekt wird wie vorgesehen weitergeführt»

Was geschieht mit dem Altbau des Spitals, der renoviert werden soll? Und wie viel Geld wurde mit dem Neubau in den Sand gesetzt? Das Bauprojekt werde wie vorgesehen weitergeführt, sagte René Fiechter. Der Neubau werde vorläufig wie geplant genutzt. In rund zehn Jahren seien die Gebäude etwa um die Hälfte abgeschrieben. Welchen Wert sie dann noch hätten, hänge von der weiteren Nutzung ab.

Josef Sennhauser, Verwaltungsrats-Präsident der Spitalverbunde, sagte gegenüber «FM1today»: «Es wird mindestens noch zehn Jahre ein stationäres Angebot in Wattwil geben, ab dem Zeitpunkt, in der die Politik grünes Licht gibt für unser Konzept». Bei den anderen Standorten, etwa Flawil, würden die Stationen noch ein Jahr bis drei Jahre betrieben werden.

Der Wattwiler Dermatologe Uwe Hauswirth ist Präsident des Ärztevereins Toggenburg. Es handle sich erst um einen Vorschlag des Verwaltungsrats des Spitalverbundes. Das letzte Wort sei noch lange nicht gesprochen, da die Regierung entscheiden werde, sagte er. Die kantonale Ärztegesellschaft werde das Thema bei der nächsten Vorstandssitzung ausführlich behandeln und bei den regelmässig stattfindenden Gesprächen mit Regierungsrätin Heidi Hanselmann vorbringen. Er könne sich für Wattwil eine ausschliesslich ambulante Versorgung nicht vorstellen, zumal Wattwil mit dem Spitalneubau über eine hervorragende stationäre Spitalinfrastruktur verfüge, schrieb er zum Schluss.

Gemeindepräsident fordert: «Man muss Volksentscheide respektieren.»

«Absurder geht es fast nicht mehr», sagte der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner am Donnerstag dem «Toggenburger Tagblatt». «Heute wird die Absicht einer Schliessung des Spitals Wattwil kommuniziert. Am Samstag ist ein Tag der offenen Tür im Neubau», sagt er. Er stösst sich auch daran, dass in den Medienmitteilungen konkrete Aussagen zur Neukonzeption des medizinischen Leistungsangebots an den fünf bedrohten Standorten fehlen.

Für den Wattwiler Gemeindepräsidenten wiederholt sich die Geschichte. «Man kommuniziert einen möglichst grossen Abbau. In der politischen Diskussion kann man dann eine Lösung finden.» Er erinnert daran, dass nach dem 15-jährigen Moratorium und der damit verbundenen Ungewissheit das Volk mit sehr klarem Mehr über eine Milliarde Franken für die Spitäler bewilligt hat. Dass sich gewisse Parameter der Spitalfinanzierung geändert hätten, müsse man akzeptieren. Man müsse aber auch Volksentscheide respektieren.

Das Spital Wattwil sei aus regionalpolitischer Sicht wichtig, nicht nur als Betrieb, sondern auch als Standortfaktor. «Das Spital signalisiert, dass man im Toggenburg leben und arbeiten kann. Man kann eine Region nicht in wesentlichen Infrastrukturfragen im Ungewissen lassen».

Der «Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil» lädt seine Mitglieder ein, sich am Samstag, um 10.30 Uhr nach dem offiziellen Festakt beim Spital Wattwil einzufinden, um sich selbst ein Bild vom Neubau zu machen und der Solidarität mit dem Spital Wattwil Ausdruck zu geben. Der Gemeinderat von Wattwil begrüsst und unterstützt diesen Aufruf ausdrücklich. Das teilte er heute mit. (mkn)

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