Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Mehrfache vorsätzliche Tierquälerei - Bauer wehrt sich gegen Strafbefehl

Wegen mehrfacher Tierquälerei durch Vernachlässigung soll ein Bauer eine bedingte Geldstrafe von 160 Tagessätzen und eine Busse erhalten. Der Verteidiger beantragt einen weitgehenden Freispruch und kritisiert eine mögliche Doppelbestrafung.
Martin Knoepfel
Ein Bauer steht wegen der Vernachlässigung seiner Kühe vor Gericht. Das Bild stammt nicht von diesem Hof. (Bild: Symbolbild: Keystone / Gian Ehrenzeller)

Ein Bauer steht wegen der Vernachlässigung seiner Kühe vor Gericht. Das Bild stammt nicht von diesem Hof. (Bild: Symbolbild: Keystone / Gian Ehrenzeller)

Zuerst gibt es am Donnerstagnachmittag einen Augenschein im Stall und auf den Weiden des Angeklagten. Dort treffen sich der Richter, der Gerichtsschreiber, der Staatsanwalt, ein Vertreter des Amts für Veterinärwesen, der Angeklagte und der Verteidiger. Dazu kommt der Berichterstatter. Die Kühe – die meisten tragen Hörner – sind an ihren Plätzen im Stall angebunden. Sie lassen sich nicht beeindrucken, schauen kurz zu den Menschen hin und widmen sich wieder dem Fressen oder Wiederkäuen.

Der Bauer, ein Toggenburger, wehrt sich vor Gericht gegen einen Strafbefehl des kantonalen Untersuchungsamts. Es geht um mehrfache vorsätzliche Tierquälerei durch Vernachlässigung.

Das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz hat den Betrieb 2016 und 2017 insgesamt dreimal unangemeldet kontrolliert. Der Bauer hat schon dreimal seit 2010 Strafbefehle erhalten. Gegen eine Verfügung des Amts für Veterinärwesen und Verbraucherschutz – es geht um ein Tierhalteverbot – hat er mit Erfolg beim Gesundheitsdepartement rekurriert.

Viele Tiere haben geschwollene Gelenke

Wegen zweier Vorfälle klagt der Staatsanwalt die mehrfache vorsätzliche Missachtung von Tierhaltevorschriften an. Bei einer Kontrolle 2016 haben drei Tiere Mistrollen im Fell. Das sei durch Anhaften und Eintrocknen von Mist entstanden, sagt der Staatsanwalt. Er schliesst auf einen Mangel an genügend sauberen und trockenen Liegeplätzen.

Der andere Vorfall betrifft drei weitere Tiere. Sie leben im Sommer 2017 drei Monate auf der Weide. Am Rand der Weide spenden ein Baum und Sträucher nachmittags Schatten auf etwa 20 Quadratmetern. Der Bauer entgegnet, ob es den ganzen Tag Schatten brauche. Bei den Kontrollen bei Temperaturen von 25 und 29 Grad haben die Tiere gemäss dem Bericht des Amts für Veterinärwesen keine Anzeichen von Hitzestress gezeigt.

Staatsanwalt wirft dem Bauern mehrfache vorsätzliche Tierquälerei vor

Im Anbindestall leben im August 2017 17 Kühe. Die Kontrolleure stellen bei den Tieren teils starke Schwellungen an den Euter- und an den Sprunggelenken sowie an den Knien fest. Dazu kommen meist leichte Schürfungen und haarlose Stellen. Der Staatsanwalt wirft dem Bauern die mehrfache vorsätzliche Tierquälerei und die Vernachlässigung von Tieren vor. Der Richter zeigt dem Bauern ein Foto einer Kuh, worauf dieser antwortet, dass die Stelle wegen der Sonneneinstrahlung weiss geworden sei. Ein Tier liegt laut Anklage seitlich, um das Sprunggelenk zu entlasten, und hat eine offene Wunde.

Der Staatsanwalt erkennt einen Mangel an geeigneter Einstreuung und zu wenig Auslauf für die Tiere. Mehrmals Auslauf pro Woche sei Vorschrift. Der Bauer sagt, dass die Tiere zwei- bis dreimal in zwei Wochen Auslauf hätten. Mehr Weidegang würde die Heilung verletzter Stellen nicht beschleunigen. Als Einstreuung verwende er Hobelspäne und Sägemehl.

Der Richter wundert sich, dass sich die Tiere auf einem Video beim Verlassen des Stalls vorsichtig vorantasten, als ob sie Auslauf nicht gewohnt wären. Er fragt, ob es immer so ein «Theater» gebe, wenn die Kühe aus dem Stall kommen. Es gebe bei Anbindehaltung immer wieder Sprunggelenksschäden. Hier seien sie gravierend, sagt der Vertreter des Amts für Veterinärwesen und Verbraucherschutz. Bei der Kontrolle habe man drei Stunden und zwei Polizeipatrouillen benötigt, um die Kühe aus dem Stall zu bringen.

«Schon früher Direktzahlungen gekürzt»

Der Staatsanwalt sagt, dass man dem Angeklagten schon früher die Direktzahlungen wegen ungenügender Fellpflege gekürzt habe. Der Tierhalter müsse dafür sorgen, dass seine Tiere gesund blieben. Das habe der Angeklagte versäumt. Als Einstreuung hätte man Stroh verwenden müssen. Anbindehaltung sei nur in Kombination mit der richtigen Einstreuung erlaubt.

Der Bericht des Experten des landwirtschaftlichen Zentrums stütze die Anklage, sagt der Staatsanwalt. Gegen den Bauern spreche, dass dieser mehrfach Tierschutzvorschriften verletzt habe. Der Staatsanwalt beantragt eine Geldstrafe von 160 Tagessätzen à 150 Franken. Sie soll mit drei Jahren Probezeit bedingt ausgesprochen werden. Sie liegt an der oberen Grenze des Strafrahmens von drei bis 180 Tagessätzen. Daneben beantragt der Staatsanwalt eine Busse von 1500 Franken.

Verteidiger sieht nur einen Vorwurf als erwiesen an

Der Verteidiger liest den Expertenbericht anders als der Staatsanwalt. Die Kühe seien zutraulich sowie gut genährt und gepflegt, heisse es dort. Anbindehaltung auf Gummimatten sei nicht verboten, sagt er. Man dürfe die Landwirtschaft nicht kriminalisieren. Die Mistrollen seien nicht Teil der Anzeige gewesen, kritisiert der Verteidiger. Vielmehr sei vereinbart worden, dass der Bauer das sofort in Ordnung bringe.

Bei den Kontrollen nach Februar 2016 habe es keine Beanstandungen wegen Mistrollen gegeben. Auf der Weide sei ab Mittag genug Schatten für drei Tiere vorhanden. Am Morgen sei es weniger warm, und es gebe keine Grenzwerte für die Temperatur, betonte der Anwalt. Der Vorwurf der Tierquälerei sei seiner Ansicht nach nicht erwiesen. Deshalb beantragt der Verteidiger in diesen Punkten einen Freispruch.

Erwiesen sei nur, dass Rinder und Kühe ohne Ohrmarken gehalten wurden, sagt der Anwalt. Von einer Bestrafung solle man absehen. Die Streichung oder Kürzung der Direktzahlungen sei Strafe genug. Die beantragte Strafe wäre eine Doppelbestrafung, findet der Verteidiger. «Direktzahlungen sind kein reguläres Einkommen, sondern ein Bonus bei guter Tierhaltung», entgegnet der Staatsanwalt. Der Verteidiger repliziert, dass die Direktzahlungen nur von der bewirtschafteten Fläche abhängig seien. Das Urteil folgt später.

«Tierquälerei vermeiden»

Der Angeklagte hat laut Staatsanwalt Tierhaltevorschriften mehrfach und vorsätzlich verletzt, da neun Tiere bei Kontrollen ohne die Ohrmarken angetroffen wurden, die sie tragen müssen. Der Bauer bestellt 2017 elf Monaten lang keine Ohrmarken. Der Richter fragt, ob es normal sei, dass diese bei so vielen Tieren fehlen. Der Bauer sagt, er bestelle jeweils mehrere Stück aufs Mal. Es habe im Schlachthof nie eine Beanstandung gegeben. Der Verteidiger zeigt im Stall eine Kuh, die ein aufgeschlitztes Ohr hat. Die Kuh habe die Ohrmarke abstreifen wollen, sagt er. Er argumentiert später, sein Mandant habe Tierquälerei vermeiden wollen, da viele Tiere die Ohrmarken als Fremdkörper empfänden und abstreifen wollten. Ersatz für verlorene Ohrmarken muss innert dreier Arbeitstage bestellt werden. (mkn)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.