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Kunstturnen: Weshalb früh beginnen so wichtig ist

Die beiden Ostschweizer Kunstturnasse Giulia Steingruber und Pablo Brägger nehmen ab Freitag an der WM in Stuttgart teil. Marianne Steinemann, erste Trainerin der 25-jährigen Gossauerin und Gründerin des Trainingszentrums Fürstenland Frauen, gewährt Einblicke in die Sportart.
Tim Frei
Starke Rückkehr nach 14-monatiger Verletzungspause: Giulia Steingruber gewann an den Schweizer Meisterschaften ihren achten Titel im Mehrkampf. (Bilder: Freshfocus)

Starke Rückkehr nach 14-monatiger Verletzungspause: Giulia Steingruber gewann an den Schweizer Meisterschaften ihren achten Titel im Mehrkampf. (Bilder: Freshfocus)


Früh beginnen und extrem viel trainieren – so das weitverbreitete Bild der Sportart Kunstturnen in der Öffentlichkeit. Ein Besuch im Gym Resort Mogelsberg, der Heimstätte des Trainingszentrums Fürstenland Frauen (TZFF) zeigt, dass diese Annahmen tatsächlich zutreffen – und was die Gründe dafür sind.

Wenn Marianne Steinemann, Gründerin und Cheftrainerin des Trainingszentrums, Mädchen absagen muss, reagieren Eltern oft so: «Giulia Steingruber hat doch auch mit acht Jahren begonnen?» Steinemann, bei der die Olympia-Dritte von 2016 das Kunstturn-ABC lernte, entgegnet dann:

«Giulia war speziell begabt. Aber es ist auch eine andere Zeit als vor 17 Jahren, mit der Sportart muss man heute viel früher beginnen.»

Marianne Steinemann und Giulia Steingruber im Jahr 2007. (Bild: TZFF)

Marianne Steinemann und Giulia Steingruber im Jahr 2007. (Bild: TZFF)

Eine komplexe Sportart

Drehen, abstossen, wieder drehen, landen – und vieles mehr: Kunstturnen sei einfach eine sehr komplexe Sportart. «Deshalb sind ein früher Beginn und die vielen Trainingsstunden so wichtig», sagt Steinemann.

Sprung*: Sprünge über den Tisch können aus einer Vorwärts- oder Rückwärtsrotation geturnt werden. Landen die Turnerinnen ausserhalb der markierten Zone, werden von der Endnote Zehntel abgezogen. Neben der Landung bestimmen Höhe, Weite und der Schwierigkeitsgrad die Endnote. (*Gehört wie die drei nachfolgenden Disziplinen zum Mehrkampf der Frauen)Sprung*: Sprünge über den Tisch können aus einer Vorwärts- oder Rückwärtsrotation geturnt werden. Landen die Turnerinnen ausserhalb der markierten Zone, werden von der Endnote Zehntel abgezogen. Neben der Landung bestimmen Höhe, Weite und der Schwierigkeitsgrad die Endnote. (*Gehört wie die drei nachfolgenden Disziplinen zum Mehrkampf der Frauen)
Stufenbarren: «Ohne Magnesium, Wasser, Honig oder ein Gemisch davon geht in dieser Disziplin gar nichts», sagt Trainerin Marianne Steinemann. Die meisten Turnerinnen tragen Barrenleder an den Händen und schmieren ihre Mischung auf die Leder für einen idealen Halt. Ein perfekter Griff am Stufenbarren ist das A und O.Stufenbarren: «Ohne Magnesium, Wasser, Honig oder ein Gemisch davon geht in dieser Disziplin gar nichts», sagt Trainerin Marianne Steinemann. Die meisten Turnerinnen tragen Barrenleder an den Händen und schmieren ihre Mischung auf die Leder für einen idealen Halt. Ein perfekter Griff am Stufenbarren ist das A und O.
Schwebebalken: Balance, gute Füsse und viel Training, dann ist der sogenannte Zitterbalken gar nicht mehr so schwierig, sagt Steinemann. Pirouetten, Sprünge und akrobatische Verbindungen bringen Punkte. Ein Sturz vom Gerät wird mit einem Abzug von einem Punkt bestraft.Schwebebalken: Balance, gute Füsse und viel Training, dann ist der sogenannte Zitterbalken gar nicht mehr so schwierig, sagt Steinemann. Pirouetten, Sprünge und akrobatische Verbindungen bringen Punkte. Ein Sturz vom Gerät wird mit einem Abzug von einem Punkt bestraft.
Boden: «Kunst und Turnen», das ist gemäss Steinemann beim Bodenturnen am besten zu sehen. Eleganz und Akrobatik sind gefordert. Die 90 Sekunden, in der die Turnerinnen ihre Übungen vortragen, müssen einen eigenen Charakter haben.Boden: «Kunst und Turnen», das ist gemäss Steinemann beim Bodenturnen am besten zu sehen. Eleganz und Akrobatik sind gefordert. Die 90 Sekunden, in der die Turnerinnen ihre Übungen vortragen, müssen einen eigenen Charakter haben.
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Kunstturnen-Angesagt

Ideales Einstiegsalter sei vier bis fünf Jahre. In Mogelsberg werden die Mädchen ab diesem Alter im sogenannten Kids Gym spielerisch und kindgerecht an die Sportart herangeführt. In dieser Phase entscheide sich, ob ein Kind überhaupt geeignet sei. Ein definitiver Entscheid fällt aber erst im Einführungsprogramm (EP), das die Mädchen zwischen sechs bis sieben Jahren absolvieren.

In 31 Jahren erst eine Giulia

Im Kids Gym wird ein- bis zweimal wöchentlich zwei Stunden trainiert, im EP sind es zwei bis drei Trainings von je zweieinhalb Stunden. Erst im Programm 1–6, das für die Mädchen im Alter von rund sieben Jahren beginnt, steigt der Trainingsaufwand stark an: vier Trainings à dreieinhalb Stunden. Maximal wird je nach Stufe bis zu 15 Stunden trainiert. Turnerinnen aus dem Nationalteam trainieren bis zu 30 Stunden pro Woche.

Zum Schluss stellt sich noch die Frage: Hat Steinemann bereits eine neue «Giulia» ausgemacht? «Wir hatten und haben viele Talente. In den 31 Jahren habe ich aber nur eine Giulia gesehen.» Es brauche so viel mehr als Talent, zum Beispiel einen starken Willen und ein gutes Umfeld. «Bei Giulia sind die Eltern sehr wichtig, sie holen ihre Tochter immer wieder auf den Boden der Realität zurück.»

Geräteturnen und Kunstturnen sind zwei verschiedene Sportarten

Viele Leute sind der Ansicht, Geräteturnen und Kunstturnen sei die gleiche Sportart. Doch das trifft bei uns nicht zu – im Gegensatz zum Ausland, wo die beiden Begriffe gleichgesetzt werden. Hierzulande gibt es zwischen den beiden Sportarten eindeutige Unterschiede, wie der Website des Schweizerischen Turnverbands zu entnehmen ist. Nur Kunstturnen ist olympisch. Beim Kunstturnen, bei dem artistische Höchstleistungen gezeigt werden, handelt es sich um Spitzensport. Geräteturnen dagegen ist dem Breitensport angeschlossen – die Schwierigkeitsgrade sind tiefer. Eine saubere Haltung und die korrekte technische Ausführung der Elemente werden stärker gewichtet als der Schwierigkeitsgrad. Auch die messbaren Geräte unterscheiden sich. Im Kunstturnen der Frauen sind es die Disziplinen Sprung, Stufenbarren, Schwebebalken und Boden. Im Geräteturnen: Sprung mit Minitramp, Reck statt Stufenbarren, Ringe, Bodenturnen auf einer Bahn und nicht im 12x12m-Quadrat. (tm)

gymresortmogelsberg.ch/tzff/

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