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Wie künstliche Intelligenz den Arbeitsmarkt aufmischt

Die Clientis Bank Toggenburg hat im «Hirschen» in Bütschwil zu ihrem jährlichen KMU-Anlass geladen. Der Internet-Unternehmer Daniel Niklaus regte sein Publikum an, sich aktiv auf künstliche Intelligenz einzulassen.
Sascha Erni
Digitale Assistenten werden die Smartphone- und Computernutzung auf den Kopf stellen, so der Experte Daniel Niklaus am Vortrag über künstliche Intelligenz. (Bild: Sascha Erni)

Digitale Assistenten werden die Smartphone- und Computernutzung auf den Kopf stellen, so der Experte Daniel Niklaus am Vortrag über künstliche Intelligenz. (Bild: Sascha Erni)

«Wer hatte vor zehn Jahren bereits ein Handy?», wollte Daniel Niklaus von den zwei Dutzend Männern und Frauen im Saal wissen. Die Hände schnellten in die Höhe. «Gut», sagte er daraufhin, «das werden sie in Zukunft immer seltener benutzen, bis es ganz verschwindet.» Geraune und Lachen, bereits mit seiner ersten Pointe hatte Niklaus das Publikum in der Tasche. Es sollten im Verlauf des gewitzten und informativen Vortrags noch viele weitere Aha-Erlebnisse folgen.

Wie schnell entwickelt sich die digitale Welt?

Letzten Montag hatte die Clientis Bank Toggenburg ihre Kunden zu einem KMU-Anlass eingeladen. Er stand im Zeichen der künstlichen Intelligenz (KI) und stellte die Frage: Welche Jobs wird es in Zukunft noch für Menschen geben? Als Redner konnte die Clientis den Teufener Internet-Unternehmer Daniel Niklaus gewinnen.

Mit seiner Firma Netlive IT AG gilt er als ein Pionier im Schweizer Internet, brachte bereits Mitte der 90er-Jahre Sendungen des Schweizer Fernsehens ins Netz. «Briefmarken-TV» wird er es später in seinem Vortrag nennen. Um im Kontrast mit modernen Streaming-Angeboten zu zeigen – Menschen sind unheimlich schlecht darin, kommende technologische Entwicklungen zeitlich korrekt einzuordnen.

Ein Grund für diese schlechte Einordnung sei, dass wir Menschen linear denken: Vor zwanzig Jahren standen wir hier, heute hier, also wird es in zwanzig Jahren bis dahin gehen. Der technologische Fortschritt geschehe aber exponentiell. In Sachen KI käme hinzu, dass Systeme wie Amazons Alexa, IBMs Watson oder Apples Siri selbstlernend gebaut sind. «Digitale Assistenten vor fünf Jahren waren ziemlich doof. Heute sind sie nicht viel besser. Aber in fünf Jahren werden sie kaum noch zu erkennen sein», sagte Niklaus.

Er zeigte sich überzeugt, dass die sich selbständig verbessernden KI-Systeme eine wahre Produktivitätsexplosion auslösen werden. «In einem ersten Schritt wird uns KI nicht ersetzen, sondern bei der Arbeit assistieren», erklärte er. In einem nächsten Schritt jedoch würden Jobs wegfallen.

Nicht nur einfache Arbeit betroffen

Zur Illustration schlüsselte er auf, welche Berufe durch den Einsatz selbstlenkender Autos gefährdet sind. Wenn Autos selbst fahren, weshalb sollte man noch eines besitzen wollen, statt bei Bedarf anzufordern? Das Auto als Dienstleistung – Modelle, bei denen Nutzer Fahrkilometer im Abonnement buchen, werden bereits heute von verschiedenen Unternehmen getestet. Taxifahrer und Fahrschullehrer wären entsprechend naheliegende «Opfer» der künstlichen Intelligenz, war sich der Saal schnell einig.

Aber Daniel Niklaus ging weiter. Wenn Autos als Dienstleistung verfügbar sind, weshalb bräuchte es dann noch Autoverkäufer oder Bankkauffrauen, die ein Leasing ermöglichen? Was geschieht mit Versicherungsmitarbeitern, wenn keine Privatperson eine Autoversicherung benötigt? Was mit der Marketingabteilung in diesen Versicherungen? Falls solche Autos tatsächlich seltener Unfälle verursachen als Menschen, wie viele Angestellte bräuchte es noch in den Notaufnahmen? «Und das ist nur ein Feld, in dem die KI massiv vorangetrieben wird», gab Niklaus zu bedenken.

Schlimm sei diese Entwicklung für die Arbeitnehmenden aber nicht, sagte er. Mit ein Grund dafür sei der demografische Wandel. Bis 2035 würden in der Schweiz über eine halbe Million mehr Menschen in Pension gehen als nachrücken könnten. In den meisten westlichen Ländern sähe die Entwicklung ähnlich aus. «Wir brauchen also die KI-Entwicklung, um die Arbeit überhaupt noch erledigen zu können», argumentierte Niklaus.

Eine Zukunft für menschliche Arbeit sah er unter anderem in sozialen Berufen. Und beruhigte auch die vereinzelten Autohändler im Saal: Selbst wenn keiner mehr Autos kaufen sollte, gingen die Fähigkeiten, die sie fürs Kundengespräch mitbringen müssen, ja nicht verloren. «Ich bin da ein furchtbarer Optimist», lachte Daniel Niklaus.

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