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Im Museum digital durchs historische Poesiealbum blättern

Am Samstag, 26. Mai, 14.15 Uhr, beginnt die neue Sonderausstellung des Toggenburger Museums. Im Fokus stehen die beiden berühmten Toggenburgerinnen Babeli Giezendanner und Susanna Müller.
Sascha Erni
Christelle Wick zeigt die digitale Version von Babelis Poesiealben. (Bild: Sascha Erni)

Christelle Wick zeigt die digitale Version von Babelis Poesiealben. (Bild: Sascha Erni)

Die Kuratorin Christelle Wick hat die Ausstellung «Kunst und Küche» inhaltlich dreigeteilt. Zusammen mit Kurt Zwingli, der für den Aufbau zuständig war, schuf sie dennoch eine Sonderschau wie aus einem Guss. Haus- und Heimarbeit im Toggenburg des 19. Jahrhunderts bildet als Einstiegsthema den nötigen Mantel für die Präsentation zweier doch recht unterschiedlicher Frauen. Denn Anna Barbara «Babeli» Aemisegger-Giezendanners Malerei entstand in Heimarbeit, als nötiges Auskommen der früh verwitweten Frau. Und Susanna Müllers Buch «Das fleissige Hausmütterchen» hat als veritabler Bestseller über Jahrzehnte das Kochen und die Hausarbeit in der Schweiz geprägt. Kunst und Küche gewähren so gemeinsam einen Einblick, nicht nur in die Toggenburger Gesellschaft des vorletzten Jahrhunderts.

Digital zur Ansicht

Der Auslöser für die Sonderausstellung sei der letztjährige Kauf eines Babeli-Poesiealbums gewesen, sagt Christelle Wick. Das Toggenburger Museum besitzt nun zwei Alben der Auftragsmalerin aus Ebnat und Kappel – bekannt sind weltweit lediglich drei Alben. Die beiden verfügbaren Poesiealben der Öffentlichkeit zu präsentieren habe sich dann als schwierig herausgestellt, denn Babeli arbeitete mit Aquarellfarben. Die Alben sind also sehr empfindlich.

So entschied sich die Kuratorin für einen digitalen Ansatz; Werner Kaiser und Zoé Kugler erstellten dann am Computer Reproduktionen der Malereien. Die Besucher blättern auf einem grossen Touch-Bildschirm durch die beiden Werke, umgeben von robusteren Lithografien und Bildern der Künstlerin. «Uns geht es auch darum, zu zeigen, was wir für Schätze erhalten haben, die wir nicht in der Dauerausstellung vorstellen können», erklärt Wick. Deshalb lanciert das Museum demnächst eine Postkartenreihe mit zehn Motiven aus Babelis Poesiealben.

Schongaren im 19. Jahrhundert

Handfesteres zu sehen gibt es beim Ausstellungsteil zur Wattwiler Erfinderin Susanna Müller. Neben ihrem Hausarbeits-Buch in verschiedenen Auflagen sei da besonders der Selbstkocher genannt: 1885 erfand Müller diese Vorrichtung, die Arbeitszeit und Energie sparen sollte. Eine Idee, die auch heute noch überzeugt. Die Sonderausstellung zeigt auf, dass sich Müllers Konzept in Militär-Kochkisten der Schweizer Armee findet, aber auch bei Produkten wie dem südafrikanischen «Wonderbag», der seit 2008 die «Slow Cooking»-Szene erobert.

«Der Selbstkocher wurde ab 1914, praktisch dem Vorabend der Weltkriege, vor allem mit der Energieersparnis beworben», erklärt Wick. Müller selbst hingegen sei es viel mehr um die gesundheitlichen Aspekte gegangen, denn mit ihrem Gerät kamen Fabrikarbeiterinnen leichter zu gesundem Essen: Morgens kurz vorgekocht garte das Essen während der Arbeit schonend fertig.

Die Ausstellung ehrt als gelungenes Gesamtes nicht einfach nur das Werk dieser beiden Toggenburger Persönlichkeiten. Viel mehr gewährt sie einen Einblick in die bürgerlichen Wertvorstellungen des 19. Jahrhunderts. Und zeigt damit auch, was es bedeutet, wenn man die «Haus-Frau» als Ideal emporhebt – während bereits in der damaligen Lebensrealität viele Frauen ihren Unterhalt selbst bestreiten mussten.

Hinweis

Kunst und Küche: Babeli Giezendanner und Susanna Müller. Toggenburger Museum, 26. Mai bis 28. Oktober 2018 jeweils Samstag und Sonntag 13-17 Uhr. www.toggenburgermuseum.ch.

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