EBNAT-KAPPEL
Das gab es noch nie: Privates Kulturgut ist unter Schutz gestellt worden

Am Freitagabend wurden im Ackerhus zu Ebnat-Kappel die Bestände der Albert-Edelmann-Stiftung mit einem Kulturerbe-Label ausgezeichnet. Noch nie zuvor war im Kanton St.Gallen privates Kulturgut unter Schutz gestellt worden.

Elia Fagetti
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Das Kulturerbe-Label wird übergeben (von links): Christopher Rühle (Leiter Fachstelle Kulturerbe), Jost Kirchgraber, Markus Baumann (beide Stiftungsräte der Albert Edelmann-Stiftung) und die zuständige Regierungsrätin Laura Bucher.

Das Kulturerbe-Label wird übergeben (von links): Christopher Rühle (Leiter Fachstelle Kulturerbe), Jost Kirchgraber, Markus Baumann (beide Stiftungsräte der Albert Edelmann-Stiftung) und die zuständige Regierungsrätin Laura Bucher.

Bild: Elia Fagetti

Seit drei Jahren gibt es ein neues Kulturschutzgesetz im Kanton. Deshalb ist es nun möglich, dass die Albert-Edelmann-Stiftung in Ebnat-Kappel, die historische Toggenburger Instrumente, handschriftliche Notenmanuskripte und bemalte Möbel aus dem 17. bis 19. Jahrhundert bewahrt, das Kulturerbe-Label erhält.

Rückblende: 2018 war die Unterschutzstellung an einem Anlass diskutiert worden, wie Manuela Reissmann von der Fachstelle Kulturschutz des Amts für Kultur erläutert. Daraufhin reichte die Stiftung ein Gesuch ein. Deswegen werden diese Bestände neu als bewegliches Kulturerbe des Kantons unter Schutz gestellt. Auf die Frage, ob es weitere Gesuche gibt, sagt sie:

«Zurzeit gibt es noch ein weiteres Gesuch für ein bewegliches Kulturgut, das sich im Privatbesitz befindet.»

Die Verleihung ist für die Umsetzung des 2018 in Kraft getretenen Kulturerbegesetzes aussergewöhnlich, denn die Sammlung ist nicht im Eigentum des Kantons. Am Freitagabend unterzeichneten im Ackerhus Ebnat-Kappel Vertreter des Departements des Innern und der Albert-Edelmann-Stiftung eine entsprechende Vereinbarung. Anschliessend übergab Regierungsrätin Laura Bucher den Stiftungsräten Markus Baumann und Jost Kirchgraber das Kulturerbe-Label in Form einer Urkunde und einer Plakette.

Eine Hilfe für die Zöllner

Christopher Rühle, Leiter Recht und Fachstelle Kulturerbe, war beteiligt an der Erarbeitung des neuen Gesetzes von 2018. Er erklärt, dass es zuvor keine rechtlichen Grundlagen für den Schutz von beweglichem Kulturgut gab. Mit dem neuen Gesetz sei eine Lücke geschlossen worden.

Eine Hausorgel, die künftig unter Schutz steht.

Eine Hausorgel, die künftig unter Schutz steht.

Bild: PD

Hinzu komme ein neues Kulturerbeverzeichnis des Kantons St.Gallen. Der Bund habe schon eines, doch die Kantone noch nicht. In der Ostschweiz seien sie damit Vorreiter. Es gebe ähnliche Projekte im Wallis und in Waadt. Dieses Verzeichnis solle unter anderem dem Zoll helfen, bewegliches Kulturgut zu erkennen.

Möbel, Hauskultur und Musik

Was genau in den Bestand des Kulturerbes aufgenommen wird, beurteilen die Fachstelle Kulturerbe und ein Fachbeirat. Diese stuften den Sammlungsbereich «Musik» und den Bestand zur «Toggenburger Möbelmalerei» als Kulturerbe ein. Ebenfalls wurde das ab 1644 handschriftlich geführte Wirtschaftsbuch des Bannerherrn Hans Heinrich Bösch (1611–1663) aufgrund der darin enthaltenen, ausführlichen Dokumentation des grossbäuerlichen Lebens als Kulturerbe beurteilt.

Anhand der im Ackerhus verwahrten bemalten Möbel des 17. bis 19. Jahrhunderts lässt sich die Kulturgeschichte der Möbelmalerei im Toggenburg und ihre Stellung innerhalb der Geschichte der Bauernmalerei nachzeichnen. Aufgrund des Umfangs und der zeitlichen Spannweite geben die Bestände «Toggenburger Möbelmalerei» Einblick in die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen im Toggenburg dieser Zeit.

Zum Sammlungsbereich Musik gehören Toggenburger Hausorgeln, Halszithern und andere Instrumente sowie zahlreiche handschriftliche Notenmanuskripte. Sie geben Zeugnis von der Toggenburger Hausmusik und Hauskultur des 18. und 19. Jahrhunderts. Erschlossen wurde dieses Kulturgut vom Lehrer, Maler und Förderer von lokalem Volks- und Kulturgut Albert Edelmann (1886–1963).

Für den Anlass vom Freitag hat Musiker Markus Meier eines der nun unter Schutz gestellten Notenmanuskripte neu bearbeitet. Er und die beiden Musikerinnen Heidi Preisig und Elisabeth Aebischer spielten auf der Hausorgel, Halszither und Flöten Auszüge aus einer Notenschrift der Toggenburgerin Rosina Feurer von 1836.

Kulturerbe-Label für die Schätze des Kantons

Das kantonale Kulturerbe-Label wurde als Schutzsymbol von dem in St.Gallen ansässigen Grafikbüro TGG Hafen Senn Stieger entwickelt. Es symbolisiert ein aus dem Liktorenbündel im Wappen des Kantons St.Gallen abgeleitetes Band, das für Zusammenhalt, Schutz und Auszeichnung steht. Das symbolisierte Band verweist aber auch auf die durch Kulturerbe ermöglichte Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie auf die Verbundenheit des Kantons mit seinem kulturellen Erbe.

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