Kultur und Denkmäler pflegen: Wohin im Toggenburg und Fürstenland die Gelder aus dem Lotteriefonds fliessen

Die Region Wil-Toggenburg soll eine Dreiviertelmillion für kulturelle und denkmalpflegerische Projekte aus dem Lotteriefonds erhalten.

Ruben Schönenberger
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Gelder aus dem Lotteriefonds werden ganz unterschiedlich eingesetzt. So zum Beispiel für die Denkmalpflege wie beim Haus Vogelsang in Wattwil.

Gelder aus dem Lotteriefonds werden ganz unterschiedlich eingesetzt. So zum Beispiel für die Denkmalpflege wie beim Haus Vogelsang in Wattwil.

Bilder: Urs M. Hemm

Wenn der St.Galler Kantonsrat heute zum ersten Mal seit Februar wieder tagt, muss er Pendenzen abbauen. Geplant war diese Aufräumsession schon vor der coronabedingten Absage des April-Termins. Nun dauert sie aber länger. Bis Mittwoch tagen die Kantonspolitikerinnen und Kantonspolitiker im Behelfskantonsratssaal in den Olma- Hallen.

Nur wenige Tage später, am 2. Juni, trifft sich der Kantonsrat erneut, dannzumal in neuer Zusammensetzung. An dieser ersten Session der neuen Amtsdauer wird auch die erste Tranche der Lotteriefondsbeiträge vergeben. Folgt der Kantonsrat dabei den Anträgen der Regierung, fliessen rund 720000 Franken ins Toggenburg und Fürstenland oder in Projekte mit Bezug dazu. Insgesamt 16 Einzelvorhaben in Kategorien wie Musik, Literatur, Geschichte und Denkmalpflege sollen unterstützt werden.

Haus wieder in ursprünglichen Zustand versetzen

Der Löwenanteil der Gelder fliesst in ein einzelnes Projekt: Die Gesamtrenovation des Hauses Vogelsang an der Wattwiler Krinauerstrasse soll mit 326000 Franken unterstützt werden. Es sei «eines der wenigen herrschaftlichen Fachwerkhäuser des Toggenburgs», schreibt die Regierung im Bericht zur Lotteriefondsbotschaft.

Der Betrag berechnet sich nach einem Schlüssel, insgesamt kostet die Renovation über 3,5 Millionen Franken, unter anderem wegen massiver Schäden, «die zu umfangreichen Reparaturen führten». Aber auch, weil Eingriffe der 1970er-Jahre rückgebaut werden müssten. So wurden unlängst zwei Lukarnen an jene Stellen gesetzt, an denen ursprünglich solche vorhanden waren, wie Bauherr Peter Koller dieser Zeitung im März sagte.

Die Saniereung Haus Vogelsang zwischen Wattwil und Krinau.

Die Saniereung Haus Vogelsang zwischen Wattwil und Krinau. 

Bild: Urs M. Hemm

Drei weitere Projekte aus der Region finden sich im Bereich der Denkmalpflege. In Lichtensteig soll die Fassadenrenovation eines Mehrfamilienhauses an der Hauptgasse mit 28400 Franken unterstützt werden. Dieses wurde nach einem Brand 1984 wiederhergestellt und gelte «als Musterbeispiel des Kulturgüterschutzes». Die Fassadenrenovation soll diesen Zustand wieder auffrischen. Mit 30600 Franken soll eine weitere Lichtensteiger Fassadenrenovation gefördert werden, jene der Alten Krone.

In Wil sollen 35900 Franken dazu beitragen, dass die Liegenschaft an der Kirchgasse 23, das Haus Harmonie, rekonstruiert und umgenutzt werden kann. Aktuell weise das Gebäude eine äusserst heterogene Struktur auf. Eine Umnutzung und Rekonstruktion der wichtigsten tektonischen Elemente an der Fassade geben dem Gebäude wieder eine angemessene Bedeutung am Platz.

Das Haus Harmonie befindet sich links neben der Stadtkirche

Das Haus Harmonie befindet sich links neben der Stadtkirche

Bild: Gianni Amstutz

Im Ackerhus lagert mutmasslich bewegliches Kulturgut

Eine herausragende Bedeutung für den Kanton St.Gallen haben gemäss dem Bericht die historischen Musikinstrumente des Museums Ackerhus in Ebnat-Kappel. Dazu kämen «weitere kulturgeschichtlich relevante Objekte und Zeugnisse von mindestens regionaler Bedeutung, unter denen bewegliches Kulturerbe des Kantons in massgeblichem Umfang vermutet wird». Um das genauer in Erfahrung bringen zu können, soll die von Albert Edelmann angelegte Sammlung inventarisiert werden. Der Kanton will mit 40000 Franken einen Drittel der Kosten dafür tragen.

Mit 15000 beziehungsweise 16000 Franken will der Kanton zur Ermöglichung zweier Ausstellungen im Thur- und Neckertal beitragen. In der Propstei St.Peterzell widmet sich «Sonne, Mond und Sterne» dem Abhauen und Ankommen, dem Verlorengehen und der Selbstfindung. Ausgegangen werde dabei unter anderem vom Toggenburg der 70er-Jahre «als Zufluchtsort für Aussteigerinnen und Aussteiger von Reformbewegungen».

Die Kunsthallen Toggenburg, die immer wieder an neuen Orten Kunst in Szene setzen, erhalten einen Zustupf für die Ausstellung «Freie Republik Bad Hemberg» im Hotel und Restaurant Bad Hemberg.

230000 Franken für Musik, Theater und Tanz

Am meisten Projekte in der Region unterstützt der Kanton St.Gallen im Bereich Musik, Theater, Tanz und Literatur. Insgesamt sind es neun Projekte, die mit einem Gesamtbetrag von 230000 Franken gefördert werden. Die grössten Brocken dabei sind jeweils 60000 Franken für das Musiktheater Wil und das Wattwiler Rigolo Tanztheater.

Ersteres will im Frühjahr 2021 die Komische Oper «Zar und Zimmermann» aufführen. Trägervereine sind das Sinfonische Orchester Wil, der Chor zu St.Nikolaus Wil und der Männerchor Concordia Wil. Die künstlerische Leitung hat mit Pius Koller ebenfalls ein Wiler inne. Insgesamt belaufen sich die Kosten der Aufführung auf 650000 Franken, 400000 davon sollen aus Ticketeinnahmen beglichen werden können.

2018 führte das Musiktheater Wil «Die Regimentstochter» auf.

2018 führte das Musiktheater Wil «Die Regimentstochter» auf.

Caro Nadler

«Rigolo» erhält den Betrag für die Tanz- und Performanceproduktion Sospiri. Diese zeige «in dreizehn getanzten, gespielten und zum Teil auch artistischen Szenen die Suche dreier junger Frauen nach ihrer Bestimmung». Inhaltlich knüpfe das an früherere «Rigolo»-Produktionen an, auch die legendäre Sanddorn-Balance wird integriert. Die Gesamtleitung hat Marula Eugster, die jüngste Tochter des Gründers Mädir Eugster, übernommen.

In eine weitere Tanztheaterperformance fliessen 15000 Franken. «La Ultima» des Vereins Basis 56 nimmt unter anderem einen Text der Wilerin Bettina Schleifinger auf.

Mehrere Musikprojekte profitieren von Beiträgen

Mit Beträgen zwischen 10000 und 25000 Franken werden nach dem Willen der Regierung mehrere Musikprojekte gefördert. So soll der Verein Popsanto 25000 Franken für «Popsanto III» erhalten. Damit wird eine Konzertreihe unterstützt, die «für ein raumfüllendes, einmaliges Erlebnis in verschiedenen Kirchen der Ostschweiz» besorgt sein soll. Die Aufführungen des Sinfonieorchesters finden unter anderem in der katholischen Kirche St.Peter in Wil statt. Das Orchester besteht aus dem Jugendorchester Wil, der Jugendmusik Frauenfeld, einer Profiband, weiteren Profimusikern und Chorsängerinnen und Chorsängern. Die musikalische Leitung hat Andreas Signer aus Wuppenau inne.

Der Toggenburger Komponist Peter Roth erhält 18000 Franken Unterstützung für ein Chorprojekt, das er zum 80. Geburtstag des St.Galler Niklaus Meienberg durchführen will. Die Komposition beruht auf Texten des Journalisten. Ebenfalls zu einem Geburtstag, zum 30., plant der Konzertchor Cantores Corde eine spezielle Aufführung. Das Oratorium Saul wird in voller Länge aufgeführt, unter anderem in Wil. Das ist der St.Galler Regierung 10000 Franken wert.

Entscheid in der Juni-Session

Auch in Wil, darüber hinaus aber zudem in der ganzen Region, soll die Kulturbühne 2021 stattfinden, die von Thurkultur organisiert wird. Alle Kunstschaffenden der Region können daran teilnehmen und ihre Lokalitäten zum Austragungsort machen. Geplant sind rund 100 Veranstaltungen. Der Kanton will 20000 Franken beisteuern.

Die Brass Band Ostschweiz und der 60voices-Chor aus Zuzwil spannten am letzten Tag der Kulturbühne in der Zuzwiler Turnhalle zusammen.

Die Brass Band Ostschweiz und der 60voices-Chor aus Zuzwil spannten am letzten Tag der Kulturbühne in der Zuzwiler Turnhalle zusammen.

Bild: PD

12000 Franken soll nach den Wünschen der Regierung das Ring Theater erhalten, das seit 2014 in Mosnang zuhause ist. Das von Volker Ranisch geleitete Theater bringt eine Adaption der Novelle «Des Lebens Überfluss» auf die Bühne. Premiere feiert das Stück in Mosnang, tourt dann aber durch die Schweiz. 10000 Franken fliessen schliesslich an im Baeschlin-Verlag erscheinende Detektivgeschichten, die neuesten Bücher des Toggenburger Kinderbuchautors Frank Kaufmann.

Ob der Kantonsrat den Anträgen der Regierung folgt, entscheidet sich in der Juni-Session. Insgesamt würde die Legislative dann knapp 6 Millionen Franken sprechen. Über eine zweite Lotteriefondsbotschaft entscheidet der Kantonsrat jeweils im Herbst.

Gewinn der Landeslotterie

Jeweils im Juni und im November entscheidet der Kantonsrat darüber, welche Projekte mit Geldern aus dem Lotteriefonds unterstützt werden sollen. Er tut dies auf der Grundlage eines Berichts der Regierung.

Die Gesuche um Unterstützung müssen dabei gewisse Kriterien erfüllen. So muss beispielsweise ein angemessener Bezug zum Kanton St. Gallen vorhanden sein. Im Schnitt gehen pro Jahr rund 230 Gesuche ein, genehmigt werden rund 130. Die Summe der bewilligten Gelder schwankte in den letzten drei Jahren zwischen neuneinhalb und elf Millionen Franken. Etwa ein Viertel davon fliesst in die Denkmalpflege.

Die Gelder im Lotteriefonds stammen aus dem Gewinn der schweizerischen Landeslotterie. Jährlich erzielte diese in den letzten fünf Jahren im Schnitt einen Gewinn von 345,4 Millionen Franken. Davon erhält der Kanton St. Gallen 26 Millionen Franken und davon werden wiederum 80 Prozent dem Lotteriefonds zugewiesen.

Weitere Gelder fliessen als Jahresbeiträge an Kulturinstitutionen. Hier hat das kantonale Amt für Kultur dreijährige Leistungsvereinbarungen abgeschlossen. In der Region Wil sind das zum Beispiel die Tonhalle, das Rock am Weier oder die Kunsthalle. Im Toggenburg sind das unter anderem die Klangwelt, das Chössi-Theater und Kultur in Mogelsberg. (rus)