Kultur im Toggenburg: Der Aufwand endet nicht mit der Absage eines Stücks

Für viele Veranstaltungen in der Region bedeuten die Verschärfungen im Kampf gegen das Coronavirus das Aus. Aber was heisst das konkret? Bei Christian Heeb, Produzent des Theaterstücks «Der Bettelmann», wurde nachgefragt.

Sascha Erni
Merken
Drucken
Teilen
Viele Veranstaltungen wie «Der Bettelmann» müssen wegen der Coronapandemie das Handtuch werfen, womit aber noch nicht Schluss mit den Aufwendungen ist.

Viele Veranstaltungen wie «Der Bettelmann» müssen wegen der Coronapandemie das Handtuch werfen, womit aber noch nicht Schluss mit den Aufwendungen ist.

Bild: Sascha Erni

Der Theaterverein Toggenburg hatte am 26. Oktober seine aktuelle Produktion «Der Bettelmann» auf Eis gelegt – nur fünf Tage vor der geplanten Premiere im Dömli Ebnat-Kappel, aber zwei Tage bevor der Bundesrat die erlaubte Zuschauerzahl für Veranstaltungen weiter begrenzte. Es habe im Vorfeld Anzeichen gegeben, dass der Bund so reagieren würde, sagt Christian Heeb, Produktionsleiter und Regisseur des Stücks.

Christian Heeb, Produzent und Regisseur.

Christian Heeb, Produzent und Regisseur.

Bild: Sascha Erni
«Wir merkten, das macht so schlichtweg keinen Sinn.»

Die Gefahren für die Darsteller und fürs Publikum seien nicht kalkulierbar gewesen. Weitere Einschränkungen von Bund oder dem Kanton St.Gallen waren entsprechend absehbar, also handelte der Theaterverein vorausschauend. Als Aussenstehender könnte man jetzt meinen, damit sei es gegessen – Medienmitteilung verschickt, fertig?

Administrativer Aufwand ist beträchtlich

Weit gefehlt. Der administrative Aufwand, der auf eine Absage folgt, ist beträchtlich. Zuerst kontaktierte Christian Heeb die Sponsoren der Theaterproduktion, dann die Verwaltung des Dömli, wo das Stück hätte aufgeführt werden sollen. Aber die Technik für das aufwendige Lichtbild des «Der Bettelmanns» war wie der Bühnenbildnerin grosse Vorleistungen getreten, auch die Kostüme hängen fixfertig im Dömli bereit.

«Wir haben Glück. Alle Beteiligten, vom Dömli über den Lichtbildner bis zum Kostümlieferanten, kommen uns gewaltig entgegen.»

Selbst einige der Gäste verzichten auf eine Erstattung der bereits beglichenen Eintrittskosten, der Rest des Vorverkaufs wird – für den Verein kostenpflichtig – von der Ticketingplattform abgewickelt. Wie viele Kosten schlussendlich offen bleiben werden, weiss Christian Heeb noch nicht. Eine genaue Kostenanalyse wird erst möglich, wenn sämtliche Zahlen und Rechnungen offenliegen.

Komplexer Weg zur Ausfallentschädigung

Entsprechend handelte der Produktionsleiter verlängerte Zahlungsfristen aus, um die Liquidität des Theatervereins Toggenburg sicherzustellen. Übernehmen da nicht Bund und Kantone einen grossen Teil der Kosten?

Ja, aber der Theaterverein kann nicht direkt eine Ausfallentschädigung beantragen, erklärt der Produktionsleiter. Die Kostenanalyse muss über Formulare an den Zentralverband Schweizer Volkstheater kommuniziert werden, der alle Anträge sammelt und an das Bundesamt für Kultur einreicht, dass abschliessend entscheidet, wie viel ausbezahlt wird. «Wir hoffen am Schluss auf eine rote Null», so Heeb.

Vorteil, wenn der Bund Massnahmen festlegt

Dem «Der Bettelmann» komme es entgegen, dass der Bund die Aufführungen faktisch verunmöglicht hat, dass das vorausschauende Handeln der Produktionsleitung also nicht am Verein hängenbleibt. Nun greife die Härtefallregelung unkomplizierter.

«Unser Budget war auf die Zuschauer ausgelegt, die Eintritte sind dabei der wichtigste Faktor gewesen», erklärt Christian Heeb. Nötig gewesen wären um die 100 Eintritte pro Aufführung, was die neuen Regeln nicht zulassen. Alles ist allerdings nicht verloren für das Theaterstück.

Denn alle Darstellenden, die Lichttechnik sowie die Musikschule Toggenburg und das Jodelchörli Alpenrösli, die beide in der Produktion ebenfalls hätten mitwirken sollen, seien der Meinung:

«Wir müssen das Stück aufführen!»

Die umfangreichen Vorarbeiten waren also nicht umsonst. Einen genauen Zeitpunkt für die Auferstehung des «Der Bettelmanns» zu nennen, sei natürlich Kaffeesatzlesen, sagt Christian Heeb und lacht.

September oder Oktober in einem Jahr

Als erstes Gedankenspiel stünde die Zeit um September, Oktober 2021 auf dem Zettel – falls denn im März oder April normale Probearbeiten möglich seien. Und auch persönlich zeigt sich Christian Heeb zuversichtlich.

«Es war mit allen Beteiligten eine extrem angenehme Zusammenarbeit. Das ist nicht selbstverständlich, das hat mich sehr gefreut und motiviert mich weiter.»