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Kultur am Säntis: Wenn Häusern ein Wesen innewohnt

Auf dem Säntis fand das zwölfte Kulturfenster des Vereins Kultur am Säntis statt. Dabei standen Toggenburger und Appenzeller Häuser sowie deren Bauarten und Eigenheiten im Fokus.
Cecilia Hess-Lombriser
Ein typisches Toggenburger Haus mit weissem Sockel, seitlichen Überhängern, einer braungebrannten Fassade und Fensterwagen an der Hauptfassade. (Bild: PD)

Ein typisches Toggenburger Haus mit weissem Sockel, seitlichen Überhängern, einer braungebrannten Fassade und Fensterwagen an der Hauptfassade. (Bild: PD)

Sie gehören in die Landschaft, prägen sie und schaffen Identität: die charaktervollen Häuser der Streusiedlungen im Toggenburg und in den beiden Appenzell. Fünf Fachleute beleuchteten am Samstag beim zwölften Kulturfenster auf dem Säntis entweder die Geschichte der Baukultur oder informierten über typische Merkmale. Sie zeigten die Veränderung der Bauweisen auf und plädierten für den sorgfältigen Umgang mit der alten Bausubstanz. Es war die Rede von «schön bauen» und vom «Wesen eines Hauses». Paul Knill, Architekt und Bauberater für den Heimatschutz beider Appenzell, sagte es noch deutlicher: «Das Haus ist ein Wesen».

Geschichte der Baukultur im Toggenburg

Vizepräsident Hans Höhener moderierte den Anlass über dem Nebel, wobei der Präsident Daniel Bösch 120 Mitglieder begrüssen konnte. Armin Eberle aus Kirchberg, Historiker und Mitautor der beiden demnächst erscheinenden Publikationen «Die Bauernhäuser des Kantons St. Gallen», stellte verschiedene Haustypen im Toggenburg vor. Die vorherrschende Getrenntbauweise im oberen Teil des Toggenburgs gegenüber den Vielzweckbauten oder Kreuzfirstbauten im Untertoggenburg. Er erklärte die Eigenheiten verschiedener Epochen und wie die Menschen eine Einheit mit ihren Häusern und ihrer Arbeit bildeten. Änderungen, Aufbauten oder Fassadengestaltungen waren Ausdruck von Wohlstand. Eberle erinnerte an die Webkeller. Sticklokale wurden meistens angebaut. Die Baukultur geht einher mit der Lebensweise der Menschen und verändert sich mit dieser.

Benno Furrer, Zug, Leiter Schweizerische Bauernhofforschung, schaute noch weiter zurück und machte bewusst, dass einst fast überall in der Schweiz einfache Holzhäuser gebaut worden waren und sich die typischen regionalen Bauweisen nach und nach entwickelten. «Die grösste Vielfalt gab es um 1800», weiss er. Remo Furrer nahm sich auch die Appenzeller Häuser vor, die teilweise einen Einfluss aus dem Osten aufweisen. Einfache Blockbauten bekamen Verkleidungen und Dekorationsflächen.

«Mitte des 19. Jahrhunderts war plötzlich die Farbigkeit da. Niemand weiss warum die Häuser nacheinander gelb, grün und blau gestrichen wurden», sprach er das Phänomen des Appenzells an. Auch er brachte Arbeit, die Lebensweise und die Bauweise in einen Zusammenhang. Mit seinen Visionen, seinem Erfindungsgeist und unerschütterlichem Glauben an die Machbarkeit von immensen und schönen Holzkonstruktionen, fesselte der 75-jährige Hermann Blumer, Bauingenieur und Vielgefragter von Waldstatt, die Gäste. Zudem sorgte sein Humor für manchen Lacher. Er sieht im Holz, dem Werkstoff der Region, die Zukunft. «Ab einem Meter vom Boden sollte nur noch mit Holz gebaut werden.»

Bezug zur Landschaft ist Voraussetzung

Bruno Bossart, St. Gallen, Architekt und Bauberater für Gemeinden und Heimatschutz, will schönere und bessere Bauten. «Was wir heute bauen, ist die Heimat von morgen». Viel charaktervolle Bausubstanz sei in Gefahr. Architekten müssten aufgrund der Baukultur und mit Kenntnissen und der Geschichte der Architektur bauen. «Eine gute Bauberatung sollte ein Gewinn für die Bauherren und die Umgebung bedeuten. Die gebaute Umwelt geht uns alle an.» Es brauche den Bezug zur Landschaft und zu den bestehenden Bauten. Paul Knill kritisierte die heutige Bauweise ebenfalls. «Den Fachleuten stehen die Haare zu Berge.» Ein Haus sei Lesestoff. Der innere Zusammenhang und der äussere Eindruck müssten erhalten werden. Viel zu viele alte Häuser würden abgerissen werden. Es gelinge kaum, das Bewusstsein zu fördern, dass ein Wiederaufbau nicht das gleiche sei, wie das Alte bewahren und gut und schön zu erneuern. «Es braucht Menschen, die ihre Häuser lieben.»

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