Künstler rufen mitten im Toggenburg eine Republik aus

Im Herbst entsteht in Hemberg ein Projekt der Kunsthallen Toggenburg. 50 Künstlerinnen und Künstler beteiligen sich daran. Dabei wollte der dahinter stehende Verein eigentlich mal etwas Kleineres machen.

Sascha Erni
Drucken
Teilen
Kontrastprogramm: Während «Arthur» im Jahr 2019 in den Lichtensteiger Untergrund ging, sucht die Wanderausstellung als nächstes die Hemberger Natur auf.

Kontrastprogramm: Während «Arthur» im Jahr 2019 in den Lichtensteiger Untergrund ging, sucht die Wanderausstellung als nächstes die Hemberger Natur auf.

Bild: Sascha Erni

Vom 5. bis 26. September erhält das Toggenburg eine neue Gemeinschaft: Die Kunsthallen Toggenburg inszenieren mit «arthur#14» einen Kunstevent in Hemberg. An die 50 Kunstschaffende werden unter dem Motto «Freie Republik Bad Hemberg» 25 Projekte vorstellen. Vereinspräsident Leo Morger sagt:

Leo Morger, Präsident Kunsthallen Toggenburg.

Leo Morger, Präsident Kunsthallen Toggenburg.

Bild: Sascha Erni
«Wir wollten eigentlich einmal etwas Ruhigeres, Kleineres machen, nach den letzten grossen Ausstellungen in Krinau und Lichtensteig. Und jetzt ist es noch grösser geworden.»

Und auch länger, ergänzt der Wattwiler. Denn statt wie bisher üblich an 14 Tagen findet das Kunstprojekt auf dem Gelände des alten Bäder-Gasthauses am Rohrbach volle drei Wochen statt.

Das ist dem Konzept geschuldet. Denn die Künstlerinnen und Künstler möchten nicht einfach Werke zeigen, sondern mit der «Freien Republik Bad Hemberg» eine in sich geschlossene Welt schaffen – eine Welt, in der die Kunstschaffenden auch wohnen und leben.

Gesamtkunstwerk mit historischem Rahmen

Zu verdanken sei dieses einmalige Projekt besonders dem Besitzer des Areals, Wilhelm Bruggmann, erklärt Morger. Der weit gereiste Mann kaufte die Häusergruppe des Bads südlich von Hemberg vor vielen Jahren, seit einem Jahrzehnt lebt er dort.

«Es war schon länger unser Wunsch, mit ‹Arthur› mal so richtig raus zu gehen, auf Wanderschaft eben», erzählt Morger. Als Toggenburger kenne er die Senke am Rohrbach gut, also sei er auf Bruggmann zugegangen – und der habe sofort eingewilligt und stellt nun das gesamte Areal zur Verfügung.

Auch aus dem Ausland kommen Kunstschaffende nach Hemberg

Die rund 50 Künstlerinnen und Künstler aus dem Toggenburg, aus St.Gallen, Basel, Bern, Graubünden, Zürich, aber auch Wien und Berlin, sollen laut Leo Morger im September nicht einfach eine Ausstellung, sondern ein Gesamtkunstwerk erschaffen. So, wie man im späten 19. Jahrhundert versucht hatte, in Hemberg einen eigenständigen Bäderort zu etablieren, werden die Kreativen im Umfeld der Kunsthallen Toggenburg eine temporäre Republik ausrufen.

Dabei soll das gesamte Areal inklusive Sägerei und Seeli spartenübergreifend bespielt werden. Besonders das Gasthaus wird wieder aufleben, denn neben bildender Kunst spielen dieses Jahr auch Theater und Musik eine zentrale Rolle. «Bisher hatten wir die Ausstellung und ein begleitendes Rahmenprogramm. Dieses Jahr gibt es nur ein Gesamtprogramm», so Leo Morger.

Bedarfsnachweise statt Projektkonzepte

Freiheit sei dabei ein zentrales Thema, betont er. Die Republik versuche, so wenige Vorschriften wie möglich zu machen. Aber selbstverständlich sei die Auswahl, wer denn in Hemberg seine Kunst zeigen darf, mit Hilfe einer Ausschreibung geschehen. Passend zum Motto mussten die Kunstschaffenden allerdings nicht einfach einen Projektbeschrieb einreichen, sondern einen Bedarfsnachweis erbringen. Aufgrund dessen stellte der Verein Kunsthallen Toggenburg Aufenthaltsbewilligungen aus.

Einige der Bewerbungen seien sehr skurril gewesen, aber ein bisschen Risiko gehöre bei solchen Experimenten mit dazu, sagt Leo Morger und lacht. So hat sich etwa eine Berner Künstlerin mit kryptischen Comic-Skizzen um eine der Aufenthaltsbewilligungen in der Freien Republik beworben. Und das Berliner Kollektiv «Studio Huette» reist gleich mit der eigenen Gartenlaube zur Wanderausstellung an – um anschliessend damit selbst auf Wanderschaft zu gehen.

«Freie Republik Bad Hemberg» vom 5. bis 26. September. Weitere Informationen, Programm und virtueller Rundgang: www.kunsthallen-toggenburg.ch

Mehr zum Thema