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Kreisgericht will zuerst klären, wo überhaupt überholt wurde

Eine Frau überholte auf der Strasse zwischen Gams und Wildhaus mit ihrem Personenwagen ein Postauto. Das Manöver sei zu gefährlich gewesen, fand der Postautochauffeur und erstattete Anzeige. Die Autofahrerin wehrte sich gegen den Strafbefehl.
Sabine Camedda
Beim Überholen des Postautos zwischen Gams und Wildhaus war es der Automobilistin plötzlich nicht mehr wohl. Auf welchem Streckenabschnitt das Manöver stattgefunden hat, ist jedoch noch nicht geklärt. (Bild: Sabine Camedda)

Beim Überholen des Postautos zwischen Gams und Wildhaus war es der Automobilistin plötzlich nicht mehr wohl. Auf welchem Streckenabschnitt das Manöver stattgefunden hat, ist jedoch noch nicht geklärt. (Bild: Sabine Camedda)

Mit rund 50 Kilometern pro Stunde war das Postauto auf der Strasse zwischen Gams und Wildhaus unterwegs. Hinter ihm bildete sich eine Kolonne, zuvorderst fuhr eine 30-jährige Frau, die im Aussendienst tätig ist. An einer Stelle, die ihr geeignet schien, leitete sie ein Überholmanöver ein. Als sie sich auf Höhe des Postautos befand, sei dieses über die Mittellinie gefahren. Sie bekam ein ungutes Gefühl, legte den Sportgang ein und scherte knapp vor dem Postauto auf die rechte Spur zurück. Das Postauto hupte und dann kam eine Kurve.

So schilderte die Autofahrerin den Vorfall, der für sie zu einer Busse geführt hat. Der Postautofahrer hat Anzeige gegen sie erstattet. Sie habe den Bus im Bereich von einer unübersichtlichen Linkskurve überholt, obwohl sie nicht sicher sein konnte, dass sie mit ihrem Überholmanöver niemanden gefährde.

Gegenüber der Polizei sagte der Postautochauffeur, er habe eine Vollbremsung machen müssen, bei der Gegenstände im Postauto umgeworfen und Personen gegen die Sitze geschleudert worden seien. Die Staatsanwaltschaft sah eine vorsätzliche grobe Verletzung der Verkehrsregeln als gegeben und sprach einen Strafbefehl über eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 100 Franken sowie eine Busse von 600 Franken gegen die Autofahrerin aus.

Geänderte Situation führte zu ungutem Gefühl

In der Befragung durch den Einzelrichter am Kreisgericht Toggenburg stellte die Autofahrerin klar, dass sie niemanden gefährdet habe, als sie zum Überholen angesetzt hatte. Der Postautochauffeur sei aber nicht vom Gas und sei auch über die Mittellinie gefahren.

Weil sich die Situation so verändert habe, habe sie sich nicht mehr wohl gefühlt. Sie sei aber deutlich vor der Kurve wieder auf die rechte Spur gefahren, auch wenn sie dafür eher knapp vor das Postauto gefahren sei. Weil die Autos, die hinter ihr in der Kolonne gefahren sind, zum Postauto aufgeschlossen haben, habe sie das Überholmanöver nicht abgebrochen.

Unklar, wo das Postauto überholt wurde

Der Verteidiger stützte die Aussage der Autofahrerin und verlangte einen Freispruch. Er begründete dies unter anderem damit, dass unklar sei, wo das Überholmanöver stattgefunden habe. Dies sei aber zentral. Zeugen, die im Postauto mitgefahren sind, konnten dies nicht zweifelsfrei sagen. Erst als die Staatsanwaltschaft ihnen Luftbilder gezeigt habe, hätten sie eine Stelle bezeichnet.

Für den Verteidiger ist jedoch klar, dass die Zeugen beeinflusst gewesen waren, denn die Bilder zeigten nur die vom Postautochauffeur genannte Stelle und nicht die gesamte Strecke. Der Verteidiger glaubt, dass der Postautochauffeur bezüglich des Bremsmanövers die Grenze zur Fiktion überschritten habe. Die Zeugen hätten die Vollbremsung nicht bestätigt und auch auf dem Fahrtenschreiber war keine solche ersichtlich.

Er führte zudem ins Feld, dass der Postautochauffeur die Kolonne hinter seinem Fahrzeug nicht bemerkt haben will. Daher sei er wohl erschrocken, als das Auto seiner Mandantin plötzlich neben dem Postauto gefahren sei. Er hätte vom Gas gehen und das Überholen erleichtern können.

Der Postautochauffeur echauffierte sich so sehr, dass er nachher, als die angeschuldigte Autofahrerin vor einer Baustellenampel halten musste, ausgestiegen sei, und an ihr Auto geklopft und eine Entschuldigung verlangt hätte. Später habe er gesagt, dass die Sache erledigt gewesen wäre, wenn sich die Autofahrerin entschuldigt hätte. Aber so könne er es nicht tolerieren.

Verfahren ist noch nicht spruchreif

Der Einzelrichter fällte nach der Hauptverhandlung noch kein Urteil. Er befand, dass es vonnöten sei zu klären, wo sich der Vorfall zugetragen habe. Zu diesem Zweck wird mit den Beteiligten und den Zeugen die Strecke zwischen Gams und Wildhaus abgefahren. Bis dies gemacht wird, liegt das Verfahren auf Eis.

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