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Ein Arzt als Raser: Motorradfahrer brettert mit 144 km/h durchs Toggenburg – beruflich behandelt er Unfallopfer

Der Einzelrichter am Kreisgericht Toggenburg verurteilt einen Motorradfahrer zu zwölf Monaten bedingt. Die Polizei hat den Angeklagten erwischt, als er statt den erlaubten 80 mit 144 Kilometern pro Stunde fährt.
Martin Knoepfel
Einmal beschleunigt, schon war das Motorrad zu schnell unterwegs. (Bild: Maja Hitij/Getty Images)

Einmal beschleunigt, schon war das Motorrad zu schnell unterwegs. (Bild: Maja Hitij/Getty Images)

Er wirkt nicht wie der typische Raser. Einschlägige Vorstrafen fehlen. In der Verhandlung vor dem Kreisgericht Toggenburg in Lichtensteig versichert der Angeklagte mehrfach, dass ihm leid tue, was passiert sei und dass er in Zukunft nicht mehr Motorrad fahren werde. Der Angeklagte ist ein 1990 geborener Jahresaufenthalter aus Bulgarien. Er lebt in der Region St.Gallen, arbeitet als Arzt in einem Spital und behandelt dort unter anderem Unfallopfer. Darüber wundert sich der Einzelrichter denn auch.

Mit einem japanischen Superbike, also der Strassenversion eines Rennmotorrades, wird der Mann an einem Februarabend etwa um 17 Uhr auf der Toggenburgerstrasse bei Krummenau von der Polizei erwischt. Deshalb muss der Arzt sich in Lichtensteig vor Gericht verantworten. Im Ausserortsbereich fährt er mit 144 Kilometern pro Stunde, dies nach Abzug der Toleranzen.

Motorrad war für Probefahrt ausgeliehen

An dieser Stelle sind 80 Kilometer pro Stunde erlaubt. Damit ist die gesetzliche Definition des Rasers erfüllt, knapp zwar, aber eben doch. Qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln heisst es in der Anklageschrift. Das Motorrad hatte der Angeklagte für eine Probefahrt ausgeliehen. Den Führerausweis ist er mindestens für zwei Jahre los.

Der Angeklagte sei mit stark übersetzter Geschwindigkeit gefahren und habe die anderen Verkehrsteilnehmer abstrakt gefährdet. Ein Unfall hätte Schwerverletzte oder Tote zur Folge haben können. Das habe der Angeklagte in Kauf genommen, schreibt die Staatsanwältin.

Verhandlung im abgekürzten Verfahren

Die Verhandlung am Kreisgericht Lichtensteig findet am Mittwochmorgen im abgekürzten Verfahren statt. Das heisst, der Staatsanwalt und der Verteidiger einigen sich über die Anklagepunkte und über die Höhe der Strafe, denn das abgekürzte Verfahren ist nur auf Antrag des Angeklagten möglich.

Abgekürztes Verfahren bedeutet ebenfalls, dass der Angeklagte die Darstellung der Ereignisse in der Anklageschrift akzeptiert. Eigentlich müsste der Angeklagte im abgekürzten Verfahren auch die Zivilforderungen der Geschädigten anerkennen, doch solche gibt es hier nicht. Wenn der Richter findet, dass die Voraussetzungen für das abgekürzte Verfahren erfüllt sind, erhebt er die Anklageschrift zum Urteil. Hier ist das der Fall. Die Staatsanwältin ist vom Erscheinen in der Verhandlung dispensiert und kommt nicht.

Die Strafandrohung von Artikel 90 Absatz 3 des Strassenverkehrsgesetzes, der «Raserparagraf» lautet auf ein bis vier Jahre Gefängnis. Die Staatsanwältin geht von einer Einsatzstrafe von 18 Monaten aus. Diese wird um sechs Monate reduziert, weil der Bulgare geständig ist und aufrichtige Reue zeigt.

Positiv ins Gewicht fällt auch, dass der Angeklagte weder vorbestraft ist noch Einträge im Register für Administrativmassnahmen aufweist. Sodann sei der Führerausweis für den Mann eine besondere Härte, da er als Arzt auch Pikettdienst leisten müsse, schreibt die Staatsanwältin. In der Befragung durch den Richter sagt der Angeklagte allerdings, er habe mit seinem Chef abmachen können, dass er momentan um Pikettdienste herumkomme. Eine Verbindungsbusse erachtet die Staatsanwältin als unnötig.

Richter bestätigt Urteilsvorschlag

Er habe nicht gewusst, dass das Motorrad so stark beschleunige. Im Motorradgeschäft habe ihm das niemand gesagt, erklärt der Angeklagte in der kurzen Befragung durch den Richter. Der Angeklagte beteuert, er besitze wenig Erfahrung mit Motorrädern und sei selber erschrocken, als der auf den Tacho geschaut habe. Das Ganze habe sich in zwei Sekunden abgespielt. Das Motorrad hat der Mann nach eigener Aussage im Hinblick auf einen Kauf ausgeliehen.

Der Richter erhebt den Urteilsvorschlag nach kurzer Beratung zum Urteil. Die Freiheitsstrafe von einem Jahr wird mit zwei Jahren Probezeit bedingt ausgesprochen. Die Probezeit wird also beim gesetzlichen Minimum festgesetzt.

Die Strafe könne nicht wesentlich höher sein als die Mindeststrafe, sagt der Richter in der Kurzbegründung. Da der Angeklagte schuldig ist, muss er die Verfahrenskosten bezahlen. Sie belaufen sich auf 2400 Franken. Dazu kommen die Kosten für den Verteidiger. Da es sich nicht um eine amtliche Verteidigung handelt, bleiben diese ebenfalls am Angeklagten hängen.

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