Kreisgericht Toggenburg verurteilt Einbrecher zu dreieinhalb Jahren

Ein Schweizer hat im Toggenburg und im Raum Wil unter anderem zahlreiche Vermögensdelikte begangen. Er ist geständig.

Martin Knoepfel
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Ein Mann droht mit seinem Taschenmesser. Beim Mann auf dem Foto handelt es sich nicht um den Angeklagten.

Ein Mann droht mit seinem Taschenmesser. Beim Mann auf dem Foto handelt es sich nicht um den Angeklagten.

(Bild: Getty)

Der Angeklagte ist ein 27-jähriger dunkelhaariger und grossgewachsener Schweizer. Er trägt ein weisses Polohemd, eine dunkle Hose und Sneaker. Er muss keine Fussfesseln tragen. Ein Polizist hat ihn am Dienstagmorgen aus dem vorzeitigen Vollzug in der Strafanstalt Saxerriet nach Lichtensteig gebracht

Kein direkter Kontakt mehr mit den Eltern

In der Befragung antwortet der Angeklagte ohne zu zögern auf die Fragen des Richters. Der 27-Jährige ist unter anderem wegen Raufhandels, vorsätzlicher Körperverletzung und zahlreichen Vermögensdelikten mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Er sei seit kurzem im offenen Strafvollzug in Saxerriet, sagt er. Nächste Woche könne er erstmals in den Ausgang. Er wolle sich mit dem Bruder treffen. Mit den Eltern habe er keinen direkten Kontakt mehr. Sie haben ihn aus dem Haus geworfen.

Der Angeklagte gesteht alle Vorwürfe

Die früheren Kollegen aus der Zeit vor der Verhaftung meidet der Angeklagte nach eigener Aussage. Drogentests im Gefängnis seien immer negativ gewesen, betont er. Nach der Verbüssung der Strafe hofft der Angeklagte, eine Stelle im erlernten Beruf des Autospenglers zu finden. Seine Schulden wolle er zurückzahlen, wenn er wieder einen Beruf habe. Wichtig sei, dass er den Führerschein erwerben könne.

Der Fall wird im abgekürzten Verfahren behandelt. Das heisst, dass sich Staatsanwalt und Verteidiger vor dem Prozess auf eine Strafe einigen. Erforderlich ist auch, dass der Angeklagte alle Vorwürfe des Staatsanwalts gesteht und die Forderungen der Zivilkläger anerkennt.

Körperverletzung in Wattwil

48 Seiten umfasst die Anklageschrift. Da findet man Raufhandel und vorsätzliche qualifizierte einfache Körperverletzung wegen eines Vorfalls in Wattwil. Im August 2019 betreten der Angeklagte und eine Frau in einen Wohnblock.

Ein Bekannter lebt dort. Er will die beiden nicht in seine Wohnung lassen. Vor und in der Wohnung des Bekannten kommt es zu einem Handgemenge, bei dem der Angeklagte sein Opfer mit einem Messer leicht verletzt. Als das Opfer um Hilfe ruft, flüchten die beiden.

Diebstähle und Internet-Betrügereien

Weiter werden 30 Einbruch- und Einschleichdiebstähle sowie Diebstähle von Velos oder E-Bikes, vor allem im Raum Wil, aber auch in Bazenheid, aufgeführt. Die Beute hat einen Wert von rund 50'000 Franken. Dazu kommt ein Sachschaden von rund 18'000 Franken. Auch wohltätige Institutionen werden nicht verschont.

Der Angeklagte verkauft auch im Internet Waren gegen Vorkasse, liefert dann aber nicht. Seine Delikte begründet er mit Geldmangel, zurückzuführen unter anderem auf den Kauf von Drogen. Weitere Vorwürfe sind der illegale Besitz von Waffen sowie der Konsum von und der Handel mit Amphetaminen, Kokain und Marihuana.

Kontrollschilder von anderen Autos abmontiert

Schliesslich fährt der Angeklagte mit weder betriebssicheren noch eingelösten Autos. Mit einem Auto baut er einen Unfall mit Blechschaden und macht sich danach aus dem Staub.

Ganz abgesehen davon hat er weder einen Führerausweis noch eine Haftpflichtversicherung. Damit das Fehlen der Kontrollschilder nicht auffällt, montiert er solche an anderen Autos ab und befestigt sie an seinem Fahrzeug.

Beträchtliche kriminelle Energie und guter Führungsbericht

Alle diese Delikte begeht der Mann innerhalb von zehn Monaten und einen Teil davon während einer laufenden Strafuntersuchung. Das wertet der Staatsanwalt als Zeichen für eine beträchtliche kriminelle Energie und als strafverschärfend. Mildernd ins Gewicht fällt, dass der Angeklagte voll geständig ist und dass er bei den Diebstählen vor allem Geschäfte heimgesucht hat.

Der Verteidiger weist auf den guten Führungsbericht aus Saxerriet hin. Sonst schliesst er sich den Ausführungen des Staatsanwalts an und zeigt sich zuversichtlich, dass sein Mandant nach der Verbüssung der Strafe nicht in alte Verhaltensmuster zurückfällt.

Fast sechs Monate Untersuchungshaft

Nach einer rund halbstündigen Beratung erhebt das Gericht den Urteilsvorschlag zum Urteil. Der Angeklagte ist in allen Punkten schuldig und erhält dreieinhalb Jahre Gefängnis, natürlich unbedingt. Die Untersuchungshaft – fast sechs Monate im letzten Jahr – und der vorzeitige Strafvollzug seit dem 2. Januar werden angerechnet.

Dazu kommt eine Busse von 2’500 Franken. Dass sie nicht höher ausfällt – möglich wäre laut Anklageschrift ein Betrag bis 10'000 Franken – liegt daran, dass der Angeklagte wenig Geld hat. Daneben muss er rund 48’000 Franken Verfahrenskosten bezahlen und – wenn er wieder zu Geld kommen sollte – den Pflichtverteidiger, der einstweilen vom Kanton bezahlt wird. Schliesslich anerkennt der Angeklagte die Zivilforderungen dreier Opfer grundsätzlich.

«Es braucht eine Sanktion, die Eindruck macht»

Das abgekürzte Verfahren sei hier rechtmässig und angebracht, sagt der vorsitzende Richter in der mündlichen Kurzbegründung. Es gehe hier zwar um eine Vielzahl unterschiedlich schwerer Straftaten, die beantragte Strafe sei aber angemessen. Es brauche eine Sanktion, die spürbar sei und dem Angeklagten Eindruck mache.

Der Anklageschrift kann man entnehmen, dass der Mann sechs Vorstrafen hat, vor allem wegen Verkehrs- und Drogendelikten. Es handelt sich um Bussen und teils bedingt ausgesprochene Geldstrafen. «Sie haben noch ein langes Leben vor sich. So wie bisher geht es definitiv nicht», ermahnte der vorsitzende Richter den Mann.