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Angeklagter vor dem Kreisgericht Toggenburg zeigt Reue: «Ich wollte nicht, dass es so weit kommt»

Ein 40-jähriger Mann hat zuviel getrunken und im Streit seine Partnerin geschlagen. Sie hat ihm verziehen, dennoch stand er vor Gericht.
Sabine Camedda
Unter Alkoholeinfluss wird der Mann gewalttätig. In einer solchen Situation schlug er zu. (Bild: Trix Niederau)

Unter Alkoholeinfluss wird der Mann gewalttätig. In einer solchen Situation schlug er zu. (Bild: Trix Niederau)

Es sei eine stressige Zeit gewesen. So umschreibt ein 40-jähriger, in der Region wohnhafter Serbe die Situation im Jahr 2017. Er habe Probleme gehabt und zu viel Alkohol getrunken. Dies, obwohl er wusste, dass er die Kontrolle über sein Verhalten verliert, wenn er betrunken ist.

Alkoholismus als Auslöser

Die Alkoholsucht des Mannes war dann auch der Auslöser eines heftigen Streits mit seiner Lebensgefährtin. Er hatte einige Bier getrunken und die Situation zu Hause eskalierte. «Ich bringe dich um», schrie der Mann seine Partnerin an und holte in der Küche ein Messer. Das solle er tun, wenn er den Mut habe, sagte sie, und er rammte das Messer in den Esstisch.

Danach wollte er die Wohnung verlassen, doch die Frau hatte den Schlüssel der Wohnungstür und des Autos bei sich. An der Türe stehend, schlug der Mann unvermittelt mit der Faust gegen die linke Kieferseite der Frau.

Tochter alarmierte die Polizei

Dabei brach er ihr den Kiefer. Er sei dann zu Sinnen gekommen und habe gesehen, was er angerichtet habe, sagte er vor Gericht. Er habe sich um seine Lebenspartnerin gekümmert, ihr das Blut aus dem Gesicht gewischt und sie aufs Bett gelegt, bis die Polizei gekommen sei.

Gerufen wurde die Polizei von der Tochter der Frau. Der Angeschuldigte habe sie zwar bedroht, er bringe sie um, wenn sie die Polizei avisiere. Die junge Frau rannte aber aus der Wohnung, versteckte sich und rief die Polizei.

Das Schlimmste, was passieren konnte

Der Streit schien ein Wendepunkt im Leben des Mannes gewesen zu sein. Noch am selben Abend wurde er festgenommen und verbrachte anschliessend 74 Tage in Untersuchungshaft. Bei der Freilassung erhielt er ein Kontaktverbot zu seiner Lebenspartnerin und zu deren Tochter. Den gemeinsamen Sohn durfte er weiterhin sehen.

Zusätzlich gab es die Auflage, dass er seine Alkoholsucht therapieren muss. Dies scheint erfolgreich zu sein. Seitdem, was er als «das Schlimmste, was passieren konnte», bezeichnet, habe er keinen Alkohol mehr getrunken. «Wenn ich Bier sehe, erinnere ich mich an das, was passiert ist und ich bin froh, dass ich nicht mehr trinke», sagte er gegenüber den Richtern am Kreisgericht.

Der Mann ist sich bewusst, was er gemacht habe und er entschuldigte sich mehrfach dafür. Auch bei seiner Lebenspartnerin, mit welcher er mittlerweile wieder zusammenwohnt und die ihn ins Gericht begleitet hat.

Umstritten ist die Schwere der Körperverletzung

Der Staatsanwalt plädierte darauf, den Angeschuldigten der versuchten schweren Körperverletzung, der mehrfachen Drohung und der mehrfachen versuchten Nötigung schuldig zu sprechen und sei zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten zu verurteilen.

Der Staatsanwalt führte ins Feld, dass der Angeschuldigte sich bewusst gewesen sei, dass er seine Lebenspartnerin geschlagen habe. Dieser habe die Verletzung vielleicht nicht gewollt, wohl aber in Kauf genommen. «Nur mit Glück ist nicht mehr passiert als der Kieferbruch», sagte der Staatsanwalt.

Dies erfülle den Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung. Bei der Strafzumessung werte er strafmildernd, dass der Angeklagte geständig sei, keine entsprechenden Vorstrafen habe und seither ein klagloses Verhalten an den Tag gelegt habe. Die Strafe sei aber zu Gunsten einer ambulanten Massnahme mit einer Suchtberatung aufzuschieben. Ein sofortiger Vollzug würde die Therapie gefährden.

Partnerin will weiter mit dem Angeklagten zusammenleben

Zudem sei der Wunsch der Lebenspartnerin nach einem Zusammenleben mit dem Angeschuldigten grösser als deren Wunsch nach einer Bestrafung. Der Verteidiger nannte den Streit ein «unglückliches Kapitel einer sonst glücklichen Beziehung».

Entgegen den Ausführungen des Staatsanwalts würde ein Schlag gegen den Kiefer nicht per se lebensgefährlich sein. Darum sei der Angeschuldigte nicht der schweren Körperverletzung zu beschuldigen, allenfalls der leichten.

Relevant wegen eines allfälligen Landesverweises

Relevant ist dies insofern, als dass eine schwere Körperverletzung einen Landesverweis nach sich ziehen würde. Für den Staatsanwalt ist das Delikt keine Bagatelle und spricht für den Landesverweis. Der Verteidiger hingegen sähe eine Möglichkeit, die Härtefallklausel anzuwenden, denn ein Landesverweis des Angeschuldigten würde vor allem seine Lebenspartnerin und die Kinder treffen.

In seinem Schlusswort entschuldigte sich der Angeschuldigte einmal mehr. Er gebe sich Mühe, dass es in seinem Leben nie mehr so weit komme und wolle nie mehr Alkohol trinken. Das Urteil des Gerichts steht noch aus, es wird schriftlich eröffnet.

Führerausweis bis auf Weiteres weg

Der Angeklagte hatte drei Vorstrafen, alle wegen Fahren in fahrunfähigem Zustand. Auch am Abend des Streits war der Angeschuldigte mit dem Geschäftswagen seines damaligen Arbeitgebers unterwegs. Er verliess seine Wohnung, um in eine Kontaktbar zu gehen.

Dort habe er mit dem Inhaber, seinem Freund, reden wollen, und er habe zwei weitere Biere getrunken. In der Gerichtsverhandlung anerkannte der Angeschuldigte diesen Tatbestand.

Nach dem Vorfall musste er den Führerausweis abgeben. Dies sei mit Nachteilen bei seiner Arbeit verbunden, sagte der Angeschuldigte, er habe seine Arbeitsstelle deswegen sogar verloren. Er habe im Rahmen der Bewährungsauflagen den Nachweis erbracht, dass er seit bald zwei Jahren keinen Alkohol mehr getrunken habe. Nach Abschluss dieses Verfahrens werde man wohl die nötigen Vorkehrungen treffen, um die Fahrerlaubnis wieder zu erhalten, sagte der Verteidiger.

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