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KREISGERICHT: 22 Monate bedingt für Sexualdelikte

Wegen verschiedener Sexualdelikte erhält ein Schweizer aus dem Toggenburg eine Strafe von 22 Monaten bedingt. Die Probezeit wird aufs gesetzliche Maximum festgelegt.
Martin Knoepfel
Die Opfer fallen auf falsche Profile minderjähriger Mädchen herein, die der Täter auf Facebook erstellt hat. (Symbolbild: Jane Williams/Alamy)

Die Opfer fallen auf falsche Profile minderjähriger Mädchen herein, die der Täter auf Facebook erstellt hat. (Symbolbild: Jane Williams/Alamy)

Der Angeklagte ist ein 27-jähriger Schweizer, ein IV-Rentner. Er lebt im Toggenburg und wird durch die Psychiatrie-Spitex und durch eine Beiständin betreut. Er geht momentan halbtags in eine Beschäftigungsstätte und hofft, in etwa zwei Jahren in den Arbeitsmarkt zurückkehren zu können. In psychiatrischer Behandlung ist er nicht, obwohl er laut eigener Angabe an der Borderline-Krankheit leidet. Er erklärt das damit, dass er in einer Behandlung nach einiger Zeit abblocke.

In der vielen freien Zeit, die er hat, schreibt er an einem Buch. Das solle ihm helfen, vom Alkohol und von den Drogen loszukommen, sagt der Angeklagte. Seit dem Sommer 2016 lebe er abstinent von Drogen und quasi-abstinent von Alkohol.

Sachverhalt wird vom Angeklagten bestätigt

Das ist allerdings nicht der Grund für die Verhandlung gestern Vormittag im Kreisgericht in Lichtensteig. Vielmehr geht es um sexuelle Handlungen mit einem Kind und um das seltenere Delikt des Verleitens eines Kindes zu sexuellen Handlungen. Dazu kommen sexuelle Nötigung, die Anstiftung zur Herstellung von Kinderpornografie, der Erwerb von Kinderpornografie und Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Alle Delikte, mit Ausnahme der Nötigung, sind mehrfach begangen worden. Die Taten und die juristische Einstufung werden auch vom Verteidiger nicht bestritten.

Im Juni 2014 bewegt der Angeklagte mindestens vier männliche Jugendliche im Schutzalter, sich via Facebook bei einem «job-adventure» anzumelden. Belohnungen von tausenden von Franken winken, wenn die Aufgaben erfüllt werden. Andererseits drohen der Ausschluss oder Geldstrafen bei Versagen. Der Angeklagte sagt, dass er alle Charaktere im «job-adventure» gespielt hat. Er habe sich eine Traumwelt erschaffen, in der er eine wichtige Person gewesen sei.

Spezielle Aufgaben für die Jugendlichen

Die Aufgaben sind speziell. So müssen die Jugendlichen etwa Nacktfotos von sich oder Videos, in denen sie sich selber befriedigen, senden. Ein Jugendlicher erhält eine Postomat-Karte, mit der er aber die Belohnung nicht abheben kann, da kein Geld auf dem Konto ist. Der Angeklagte gibt zu, dass er nie die Absicht hatte, Geld auf dieses Konto zu überweisen. Er spiegelt den Jugendlichen durch gefälschte Profile vor, er sei ein minderjähriges Mädchen. Als Belohnung für Sex-Fotos und Videos winken Sex-Videos oder Nackt-Fotos des «Mädchens». Die Anklageschrift zitiert Nachrichten mit detaillierten Anweisungen. Einmal ist von «versauten» Bildern die Rede.

Einen Jugendlichen befriedigt der Angeklagte gegen dessen Willen manuell. Damit ist die sexuelle Nötigung gegeben. Der Jugendliche kommt immer wieder zum Angeklagten, da er von ihm Cannabis erhält. Das Ganze fliegt auf, als der Mann sich 2014 selbst anzeigt.

Der Angeklagte trägt einen grünen Kapuzenpulli und sitzt zeitweise lässig im Stuhl, die Beine gekreuzt. Er schaut auf den Boden und ringt die Hände. Auf viele Fragen antwortet er, dass er sich nicht mehr an Details erinnere. Er bereue die Handlungen tief und wolle sie vergessen.

Fünf Jahre Probezeit beantragt

Der Staatsanwalt wirft dem Angeklagten perfides Verhalten vor, da dieser die mangelnde Reife der Opfer ausgenutzt habe. Der Angeklagte leide an einer Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und dissozialen Komponenten, sagt der Staatsanwalt. Er attestiert dem Mann eine verminderte Zurechnungsfähigkeit, da dieser die ersten beiden Lebensjahre in einem dunklen Container verbracht habe. Psychische Schäden aus dieser Situation könne man später nicht durch eine Therapie heilen. Immerhin habe der Angeklagte seit 2014 keine Delikte begangen. Der Staatsanwalt beantragt 20 Monate Gefängnis, bedingt erlassen auf fünf Jahre, und spricht vom «Damokles-Schwert». Der Verteidiger argumentiert, sein Mandant habe davon ausgehen können, dass die Opfer mit den Annäherungen einverstanden gewesen seien. Das Leben seines Mandanten sei wie ein Drama ohne Ende. Zudem habe sein Mandant sich selber der Polizei gestellt, argumentierte der Anwalt. Wer das tue, der wolle einen Schlussstrich unter das bisherige Leben ziehen, sagte der Verteidiger und beantragte 15 Monate bedingt mit fünf Jahren Probezeit.

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