Kredite ermöglichen Innovation

Gertrud Schmucki steht als Bankfachfrau an der Spitze der Clientis Bank Toggenburg AG in Kirchberg. Obwohl die Bankenwelt männerdominiert ist, fühlt sie sich wohl und begegnet Kunden jeden Alters auf Augenhöhe.

Adi Lippuner
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Gertrud Schmucki, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Clientis Bank AG Toggenburg, an ihrem Arbeitsplatz in Kirchberg. (Bild: Adi Lippuner)

Gertrud Schmucki, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Clientis Bank AG Toggenburg, an ihrem Arbeitsplatz in Kirchberg. (Bild: Adi Lippuner)

Frau Schmucki, Sie sind schweizweit die einzige Frau im Direktorium von Clientis. Wie fühlen Sie sich in dieser Rolle?

Gertrud Schmucki: Auch wenn ich bei 15 selbständigen Clientis-Banken die einzige Frau an der Spitze bin, fühle ich mich wohl in dieser von Männern dominierten Welt. Sicher wäre es angenehm, wenn noch eine zweite Frau dabei wäre. Wichtiger als die Frage Mann oder Frau ist, dass ich mich mit meiner Aufgabe identifizieren kann und immer versuche, mein Bestes zu geben. Unserem Team in Kirchberg ist es ein grosses Anliegen, der Kundschaft auf Augenhöhe zu begegnen und dies ganz unabhängig von Alter und Geschlecht.

Das Bankwesen ist ganz allgemein männlich dominiert, man sagt den Männern nach, dass sie das bessere Faible für Zahlen haben. Wie war das bei Ihnen in der Schule, gehörte Mathematik zu den Lieblingsfächern?

Schmucki: Ja, Mathematik, Rechnen und Buchhaltung zählten schon in der Schule zu meinen Favoriten. Ich bin ein Zahlenmensch, dafür liegen mir Sprachen weniger.

Was fasziniert Sie am Bankwesen?

Schmucki: Als typische Kreditlerin, war ich schon immer in diesem Bereich tätig. Mich fasziniert immer wieder, dass wir mittels Kreditgewährung einer Familie den Traum vom Eigenheim erfüllen können, dass es möglich ist, Menschen mit Mut und guten Ideen den Start für ein eigenes Unternehmen zu finanzieren oder bei bestehenden Firmen Innovationen zu ermöglichen und damit auch Arbeitsplätze zu erhalten oder neue zu schaffen.

Ganz unabhängig von der Geschlechterrolle, welche Herausforderungen hat eine regional verankerte Bank wie die Clientis Bank Toggenburg im immer schwieriger werdenden Umfeld zu bewältigen?

Schmucki: Wir stehen vor den gleichen Herausforderungen wie andere Banken, dass wir Geschäfte generieren, die genügend Margen erzielen. Zudem ist es wichtig, rechtzeitig auf Kundenbedürfnisse zu reagieren, um die richtigen Produkte anbieten zu können. Wie in anderen Branchen auch, werden die Vorschriften und Regulatorien für Banken immer umfassender und das verlangt ständige Anpassung.

Gibt es ein konkretes Beispiel?

Schmucki: Bei jedem Neukunden sind vor der Kontoeröffnung sehr viele Dokumente auszufüllen, es gilt, Risikoabklärungen bei Anlagegeschäften zu treffen. Dies erfordert ständige Weiterbildung der Mitarbeitenden sowie umfassende Informationen gegenüber den Kunden. Zurückzuführen sind die Neuerungen auf die Finanzkrise und dies spüren nun auch die regional tätigen Banken.

Beeinflusst die aktuelle Geldpolitik, der starke Franken und die Unsicherheit der Anleger die Tätigkeit?

Schmucki: Spürbar ist dies sicher bei der Zinsgestaltung. Im aktuellen Umfeld ist es schwierig, den Anlegern attraktive Produkte mit überschaubarem Risiko anzubieten.

Sind Negativzinsen bei der Clientis Bank Toggenburg ein Thema?

Schmucki: Zum Glück nicht, wir sind froh, dass die Nationalbank die Freigrenzen nicht aufgehoben hat und wir uns im zwar tiefen, aber wenigstens nicht negativen Zinsbereich bewegen können.

Wo sehen Sie die Stärken der Regionalbank?

Schmucki: Das Betonen unserer Stärken fliesst ständig in unsere Überlegungen und unser Handeln ein. Wichtig ist es, die Kunden und die Region zu kennen. Wir haben kurze Entscheidungswege, dies bedeutet, dass wir über Kreditzusagen und andere Fragen im Haus entscheiden können. Es ist unser Bestreben, eine Bank mit Kundennähe zu sein, sozusagen bodenständig und mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehend.

Wo sehen Sie allenfalls Schwächen?

Schmucki: Vielleicht, dass wir in der ganzen Schweiz nicht überall bekannt sind. Mit 15 Standorten können wir nicht das ganze Land abdecken, sind aber in der Ostschweiz gut vertreten.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten für die Clientis Bank Toggenburg?

Schmucki: Die sehe ich sehr positiv, ich bin überzeugt, dass wir auch weiterhin erfolgreich am Markt tätig sein können. Wichtig sind rasche Reaktionen auf Veränderungen sowie Investitionen in moderne Medien, aber auch in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden. Wir wollen Ansprechpartner für alle Generationen sein und dies bedingt, dass wir auch als regional tätige Bank am Puls der Zeit bleiben.

Und zu guter Letzt: Können Sie der Leserschaft erklären, was Geld eigentlich ist?

Schmucki: Da müssen wir zwischen dem physisch vorhanden Geld, also den Noten und Münzen und dem Buchgeld unterscheiden. Ersteres ist das, was wir alle brauchen, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten und Investitionen zu tätigen. Buchgeld ist elektronisch vorhanden, also eher abstrakt, beeinflusst aber die ganze Welt.