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«Krabat» in der Dreyschlatt: Magische Momente bei der Mühle

Erstmals ging am Samstagabend im Dreyschlatt bei Wattwil das vom jungen Regisseur Simon Keller inszenierte Freilichtspiel «Krabat» über die Bühne. Das Stück bescherte dem Publikum mehr als einmal eine Gänsehaut.
Anina Rütsche
Krabat (rechts) bemerkt erst mit der Zeit, dass der Meister seine Schüler nicht nur im Müllerhandwerk, sondern auch in schwarzer Magie ausbildet. Bilder: Christian Regg

Krabat (rechts) bemerkt erst mit der Zeit, dass der Meister seine Schüler nicht nur im Müllerhandwerk, sondern auch in schwarzer Magie ausbildet. Bilder: Christian Regg

In Umhänge gehüllt stehen sie da, die Müllerburschen, alle in einer Reihe. Sie sind keine gewöhnlichen Lehrlinge, denn ihr Meister zeigt ihnen nicht nur die Arbeit, sondern auch, wie man zaubert. Ausgerechnet in dem Augenblick, da die Darsteller auf der Freilichtbühne eigenartig anmutende Gesänge anstimmen, um die verborgene Magie heraufzubeschwören, prasseln die ersten Regentropfen vom Himmel.
Garstig ist das Wetter an diesem Samstagabend – wunderbar passend zur düsteren Geschichte von Krabat, welche der in Hemberg aufgewachsene Simon Keller in eine mitreissende Dialekt-Inszenierung verwandelt hat. Der 24-Jährige betätigt sich bei seinem aktuellen Projekt ausserdem als Regisseur, Produzent und Darsteller. Die Premiere beim historischen Bräkerhaus im Dreyschlatt oberhalb von Wattwil ist zugleich die Uraufführung des rund zweistündigen Stücks, das auf dem gleichnamigen Roman von Otfried Preussler basiert.

Erst mit der Zeit durchschaut Krabat das Spiel

Autor, Regisseur, Produzent und Schauspieler zugleich: der Projektverantwortliche Simon Keller in der Rolle des Herrn Gevatter.

Autor, Regisseur, Produzent und Schauspieler zugleich: der Projektverantwortliche Simon Keller in der Rolle des Herrn Gevatter.

Das Spektakel beginnt um 20.30 Uhr mit markanten Paukenschlägen und mystischen Bläserklängen. Die Krabat-Band spielt live in einer Nische des Bräkerhauses, das mittels eines Wasserrads zur Mühle umfunktioniert wurde. Auf die eigens für die Inszenierung im Dreyschlatt komponierte Musik folgt ein Moment der Stille, in dem der Betrachter kaum zu atmen wagt, unvermittelt durchbrochen von einem rauhkehligen Schrei. Ein Rabenschrei ist es – sogleich sieht man den schwarzen Vogel, der gemeinsam mit seinen Artgenossen noch mehrmals auftauchen wird an diesem Abend. Schon findet sich das Publikum auf der gut besetzten Tribüne mitten in der Handlung wieder. Krabats Welt ist «eine surreale Welt, die unseren Alltag auf verzerrte Weise spiegelt», steht im Programmheft. Und genau auf diese Weise wird das Ganze dargeboten.
Im Zentrum des Geschehens steht Krabat (gespielt von Simon Pfiffner), ein umherstreunender Waisenknabe, der sich nach einem Zuhause sehnt. Eines Nachts befiehlt ihm im Traum eine Stimme, er solle zur Mühle im Koselbruch kommen. Das tut Krabat. Kurz darauf steht er seinem künftigen Meister (Michael Hug) gegenüber. Dieser verkündet, dass er Krabat nicht nur das Müllershandwerk, sondern auch alles andere beibringen werde. Was das bedeutet, ahnt Krabat zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sogleich lernt er seine Mitgesellen kennen – unter anderem den dummen Juro (Simon Bruderer), den hinterlistigen Lyschko (Rene Schweizer) und den aufgedrehten Andrusch (Antoine Peres). Der besonnene Altgeselle Tonda (Thomas Strehler, der zudem für die Regieassistenz verantwortlich ist) wird zu Krabats bestem Freund. Doch Krabat fällt bald auf, dass die Mühle, wo sie alle leben, keine gewöhnliche Mühle ist. Es passieren sonderbare Dinge. Nach und nach durchschaut der Bursche das furchtbare Spiel, dessen Teil er geworden ist.

10 Bilder

"Krabat" in der Dreyschlatt

Ein starkes Ensemble aus Profis und Laien

Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto dunkler wird nicht nur die Handlung, sondern auch der inmitten von Hügeln gelegene Schauplatz. Der Tag weicht allmählich der Nacht. Die lebhaft dargebotenen Szenen – manchmal ganz nah auf dem Platz bei den Zuschauerrängen gespielt, manchmal aus der Ferne zu beobachten – berichten von der Macht und deren Missbrauch. Für feinfühlig gestreute Lichtblicke bleibt in Simon Kellers Fassung trotz allem Platz. Und manchmal wird gemeinsam gelacht, beispielsweise dann, wenn die auf der Bühne vorgeführten Zaubertricks absurde Formen annehmen. Ideal ist, dass sich die Charaktere auffällig oft mit ihren Namen ansprechen. Dieser Kniff des Autors hilft dem Publikum, den Überblick zu behalten, und er vermittelt den Figuren markante Konturen.
Zweimal gönnt sich Simon Keller selbst einen kurzen, kraftvollen Auftritt in der Rolle des Herrn Gevatter, dem der Meister regelmässig einen Schüler opfern muss. Hierbei überzeugt der Projektverantwortliche ein weiteres Mal mit seinem darstellerischen Geschick. Beeindruckend sind zudem sein gruselig anmutendes Kleid und das aufwendig geschminkte Gesicht – nur eines von vielen Beispielen, das für die sorgfältige Ausstattung mit Kostümen und Requisiten steht.
Das Krabat-Ensemble setzt sich sowohl aus ausgebildeten Schauspielerinnen und Schauspielern als auch aus Laien zusammen. Die Mehrzahl gehört zur Generation des Mittzwanzigers Simon Kellers, es handelt sich also um eine auffallend junge Produktion. Ingesamt sind vor und hinter der Bühne rund 60 Leute ins qualitativ hochstehende Projekt involviert. Eigens hierfür wurde zudem ein Chor gegründet, und auch zwei Pferde kommen zu einem Auftritt.

Der Regen hat aufgehört die Erinnerungen bleiben

Nicht nur die für den Hochsommer ungewohnt frischen Temperaturen sind am Samstagabend schuld daran, dass die Zuschauer bei «Krabat» mehr als einmal eine Gänsehaut bekommen. Das Geschehen rund um das dunkle Bräkerhaus lässt einen mithoffen und mitbangen. Manch ein Gast auf der Tribüne wischt sich eine Träne der Rührung aus dem Gesicht, wenn Krabat sich Schritt für Schritt seiner innig geliebten Kantorka (Ladina von Frisching) annähert.
Für das gelungene Feuerwerk der Gefühle wird das Ensemble um kurz vor 23 Uhr mit Standing Ovations belohnt. Der Regen hat unterdessen aufgehört, die Erinnerungen werden bleiben.

Aufführung und Tickets

Weitere Aufführungen von «Krabat»: Samstag, 28. Juli (20.30 Uhr); Sonntag, 29. Juli (17 Uhr); Dienstag, 31. Juli (20.30 Uhr); Sonntag, 5. August (17 Uhr) sowie am Samstag, 11. August (20.30 Uhr). Am gleichen Spielort zeigt die Bühne Thurtal bis 10. August ihr Freilichtspiel «Ueli Bräker – der Arme Mann im Tockenburg». Tickets unter www.buehnethurtal.ch oder an der Abendkasse.

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