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Interview

Korrespondentin Henriette Engbersen hält Referat in Wattwil: «Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, als Journalistin die Brexit-Krise einzuschätzen»

Die 39-jährige Grossbritannien-Korrespondentin des Schweizer Radio und Fernsehens hat ihr Necessaire, einen Ersatzakku und ein Mikrofon immer dabei. Bei Breaking News muss sie sofort ins Livestudio. Auf Einladung der Vortrags- und Lesegesellschaft Toggenburg wird sie darüber, über den Brexit und weiteren Themen ab 20 Uhr im Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZT) erzählen.
Beat Lanzendorfer
Viele Menschen kennen das Gesicht von Henriette Engbersen als London-Korrespondentin des Schweizer Fernsehens. Am 11. Juni kann ihr in Wattwil direkt vor Ort zugehört werden. (Bild: Donato Caspari)

Viele Menschen kennen das Gesicht von Henriette Engbersen als London-Korrespondentin des Schweizer Fernsehens. Am 11. Juni kann ihr in Wattwil direkt vor Ort zugehört werden. (Bild: Donato Caspari)

Wie wird man Auslandkorrespondentin des Schweizer Fernsehens?

Henriette Engbersen: Die ersten wichtige Schritte auf dem Weg nach London habe ich in der Ostschweiz im Lokaljournalismus gemacht. Beim «St.Galler Tagblatt», danach bei TeleOstschweiz. Ohne die Chancen, die man mir damals ermöglichte, wäre ich heute nicht hier in London. Schritt für Schritt ging’s weiter: Ostschweizer Korrespondentin für SRF, danach «Tagesschau» und dann London.

Wie sieht bei Ihnen ein normaler Tagesablauf aus?

Kein Tag ist wie der andere. Das ist es, was ich an diesem Job sehr schätze. An manchen Tagen gehe ich mit einem Kameramann auf Dreh, treffe Menschen, führe Interviews und schneide anschliessend einen Beitrag daraus. An manchen Tagen schreibe ich Artikel für die Website und anschliessend geht es ins Livestudio für Schaltungen mit der «Tagesschau» oder «10vor10». An manchen Tagen gehe ich an Pressekonferenzen oder Referate und vertiefe mich in die Brexit-Materie, um die nächsten Schritte zu analysieren. Was immer gleich bleibt: Ich habe im Rucksack immer Haarbürste, Schminke, Zusatzakku und Mikrofon dabei, denn jederzeit könnten Breaking News passieren und das heisst, ab ins Livestudio für eine Schaltung.

Ist Ihr Einsatz in London zeitlich begrenzt?

Ja, die Auslandstellen von SRF sind meist auf vier bis sechs Jahre begrenzt.

Am 23. Juni 2016 haben die britischen Stimmbürger für einen Austritt aus der EU gestimmt. Der Brexit war für Sie vermutlich ein Glücksfall? Oder gehen andere Themen unter wegen der EU-/Brexit-Diskussionen?

Der Brexit ist für die Briten die grösste Herausforderung für die britische Politik, die Regierung und die Verfassung seit dem Zweiten Weltkrieg. Es ist eine intensive und verantwortungsvolle Aufgabe, als Journalistin die Krise zu erklären und einzuschätzen. Ich sehe es als spannende Herausforderung an, über die historischen Ereignisse zu berichten.

Ich leide manchmal aber auch mit dem Land und den Leuten mit, denn die Menschen sind frustriert über die Politik und den Brexit.

In welcher Form bekommt der einfache Bürger die Auswirkungen im Alltag schon jetzt zu spüren?

Die Auswirkungen sind für viele Bürger im Alltag noch nicht stark zu spüren. Der Austritt aus der EU hat ja de facto auch noch nicht stattgefunden. Die Arbeitslosigkeit ist beispielsweise so tief wie seit 40 Jahren nicht mehr. Spürbar ist aber, dass seit dem Referendum das Pfund gesunken ist, das verteuert gewisse Produkte. Einige grosse Unternehmen haben angekündigt, künftig ihre Produktion unter anderem wegen des Brexit zu minimieren oder ins Ausland zu verlegen. Es muss damit gerechnet werden, dass viele Auswirkungen erst künftig spürbar werden.

Sie leben zur Hauptsache in London. Die Londoner selber haben vor drei Jahren mehrheitlich gegen den Brexit gestimmt. Spüren Sie den Unmut in der Hauptstadt?

Ja, der Unmut ist in London genauso spürbar wie auf dem Land, wo die Menschen für den Brexit gestimmt haben. Sowohl jene die für, als auch jene, die gegen den Brexit gestimmt haben, sind gleichermassen frustriert. In Interviews erzählen mir die Menschen, dass sie enttäuscht sind von den Politikern.

Den Austritt aus der EU haben sich alle anders vorgestellt.

Es war vorgesehen, dass Grossbritannien am 29. März aus der EU austritt. Nachdem das Parlament das Austrittsabkommen dreimal abgelehnt hat, soll der Austritt nun bis Ende Oktober erfolgen. Können Sie einschätzen, was passiert, sollte es bis dann weiterhin zu keiner Einigung kommen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Eine Variante ist, dass es zu einer weiteren Verlängerung kommen könnte. Es könnte aber auch zu einem No-Deal-Brexit kommen, also einem Austritt ohne Abkommen. Dagegen spricht allerdings, dass das Parlament alles tun wird, um dies zu verhindern. Vieles hängt davon ab, wie es in den nächsten Monaten weitergeht.

Sie sind am 11. Juni Gast der Vortrags- und Lesegesellschaft Toggenburg. Kennen Sie das Toggenburg?

Als Ostschweizer Korrespondentin für SRF hatte ich immer mal wieder die Chance Beiträge im schönen Toggenburg zu drehen. Beispielsweise über die rollstuhlgängigen Wanderwege. Früher war ich mit Freunden jedes Jahr in Wildhaus in den Skiferien. In einer Hütte oberhalb von Oberdorf, ohne fliessendes Wasser und wenig Strom. Das war immer eine besondere Zeit.

Also ich kenne das Toggenburg und habe es in bester Erinnerung. Deshalb freue ich mich sehr auf das Wiedersehen.

Was dürfen die Besucher Ihres Vortrags erwarten?

Ich erzähle von meiner täglichen Arbeit und meinen Begegnungen und versuche so zu erklären, wie die Briten ticken und warum der Brexit zu einer Verfassungskrise geführt hat.

Wie oft haben Sie als Auslandkorrespondentin die Möglichkeit, in die Schweiz zurückzukehren?

Ich reise an Weihnachten und in den Sommerferien in die Schweiz, um Freunde und die Familie zu besuchen.

Was vermissen Sie in England aus der Schweiz?

In erster Linie vermisse ich die Familie und die Freunde. Kulinarisch kann ich nur schlecht auf Schweizer Schokolade und die St. Galler Bratwurst verzichten.

Wie sehen die Briten die Schweiz?

Viele Briten verbinden mit der Schweiz ihre Ferienerlebnisse. Seit dem Brexit-Referendum wissen viele Briten, dass die Schweiz nicht in der EU ist und Volksabstimmungen durchführt. Die meisten Briten sind dann aber sehr erstaunt, wenn ich ihnen erzähle, wie oft die Schweizer Bürger abstimmen. Einer sagte mal: «Viermal pro Jahr klingt ganz schön anstrengend.»

Am 11. Juni in Wattwil

Henriette Engbersen berichtet als ausgewiesene Kennerin der britischen Politik in ihrem Vortrag über die aktuelle Lage in Grossbritannien. Der Brexit dürfte dabei das vorherrschende Thema sein.

Was sie im Weiteren zu berichten hat, ist aus nahe liegenden Gründen noch nicht klar. Der Vortrag der SRF-Korrespondentin zum Thema «Brexit und die Briten» findet am 11. Juni in der Aula des Berufs- und Weiterbildungszentrums BWZ in Wattwil statt. Beginn ist um 20 Uhr. (bl)

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