Konzert im Kraftwerk: Als wäre es der letzte Tag vor der grossen Evakuation 

Rocken gegen die Virus-Hysterie – im Kraftwerk in Krummenau taten
es am Freitag zwei einheimische Bands: Dr. Gnom und die Bollocks. 

Michael Hug
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Die Front Line von Dr. Gnom: Dr. RenéO, Dr. Nöge und Dr. Hägar.

Die Front Line von Dr. Gnom: Dr. RenéO, Dr. Nöge und Dr. Hägar. 

Bild: Michael Hug

Einmal Rock – immer Rock. Seit mehr als vierzig Jahren verinnerlicht das die Band Bollocks aus Wattwil. Nur ein paar Jährchen weniger lang tun es die Ebnat-Kappler Musiker von Dr.Gnom. Ab und zu tun sie es auch öffentlich und am Freitag taten sie es gar gemeinsam. Im Kraftwerk. In Krummenau. Im Trempel. Über drei Stunden lang.

Hier ist nur ein Virus zugelassen 

Dr. Gnom, die Schweizer Dr. Feelgood-Kopie, musste oder durfte beginnen. Abrocken mit Rock’n’Roll erster Güte. Als wär es der letzte Tag vor der grossen Evakuation. «Wir lassen uns nicht unterkriegen», hätte den unverständlich gekrächzten Worten des neuen und promovierten Sängers «Dr. Nöge» – der Mann gibt seinen Namen nur gegen eine Mindestmenge an Bier bekannt – entnommen werden können. «Wir lassen hier nur einen Virus zu – den Rock-Virus.» Ansteckungsgefahr und ein Sänger mit «Dreck» 

Interprationen von Dr. Feelgood

Ansteckungsgefahr sei gegeben, so der Toggenburger Doktor, doch diesen Weisskitteln kann man getrost vertrauen: «Dr. Reno» am Bass, Sänger und Mundharmoniker «Dr. Nöge», «Dr. Hägar» an der Gitarre sowie «Dr. Demi» am Schlagzeug. Gitarre, Bass, Schlagzeug, einen Sänger mit «Dreck», mehr braucht es wirklich nicht. Ältere Herren durchaus, aber umso Erfahrenere. Mit allen Wassern und Viren gewaschene, interpretierten sie mit Lust und Leidenschaft Songs des englischen Dr. Feelgood. Auch deren Name ist ja Programm: «Down At The Docters», «Back In The Night», es fehlte eigentlich nur der absolute Burner «Milk And Alcohol». Zugegeben eine etwas seltsame Mischung, hilft aber eventuell gegen Viren. Doch die Toggenburger Hobbydoktoren trösteten mit Kopien von weiteren Bands der 80er- und 90er-Jahren.

Vor fünf Jahren waren ein paar mehr da

Ebensolchen eigenwilligen Interpretationen sowie Selbsteingemachtem widmeten sich auch die Bollocks. Andreas «Riff» Herger (Gesang), Peter «Mur» Mauerhofer (Leadgitarre) und Ueli «Jagger» Weber (Rhythmusgitarre), Luz Liebich (Bass) und Urs «Hälä» Diethelm (seit 2019 am Schlagzeug). Man sei ja schon vor fünf Jahren hier im Kraftwerk gewesen, erinnerte sich Riff Herger, «damals sind ein paar mehr da gewesen». Womit Herger recht hatte, aber damals gab es noch kein gefürchtetes Virus.

Die Frontlinie der Bollocks: Ueli Weber, Andreas Herger und Peter Mauerhofer (von links).

Die Frontlinie der Bollocks: Ueli Weber, Andreas Herger und Peter Mauerhofer (von links). 

Bild: Michael Hug

Trotzdem fanden rund hundert Fans den Weg nach Krummenau, meist ältere Herren und Damen, eben die, die die Anfangsjahre der Bollocks und den Rock’n’Roll des ausgehenden Jahrtausends noch aktiv miterlebt hatten. Immer schön zwei Meter Abstand halten Die Wattwiler Altherrenband blieb ihnen denn auch nichts schuldig und servierten ihnen einen Mix von Coverstücken und Eigengebräu. In zwei abwechslungsreichen Power-Sets, ziemlich laut, und einem Akustik-Set dazwischen, ziemlich verträumt. Und immer schön zwei Meter Abstand halten sowie in die Körperbiegungen niesen. Rock’n’Roll ist das Virus.