Komiker Lorenz Keiser servierte in Bazenheid ein Multikulti-Menu

Kabarettist Lorenz Keiser lud mit «Matterhorn Mojito» im Bräägg zu einem Multikulti-Multiallergik-Menu. Manch ein Bissen blieb dem Publikum im Hals stecken – doch er wurde schnell wieder herausgelacht.

Michael Hug
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Lorenz Keiser ist Meister in der Kunst der Satire. (Bild: Michael Hug)

Lorenz Keiser ist Meister in der Kunst der Satire. (Bild: Michael Hug)

Ein treues Publikum ist es, die Fangemeinde des Kulturtreffs Bräägg. Stets kommen sie in Scharen und füllen den Saal der «Traube». Der letzte Stuhl muss aus der Besenkammer geholt und das gesamte Personal zur Bedienung aufgeboten werden. Jedes Mal. Doch diesmal, am Freitagabend, bei der dritten Vorstellung des Jahres und der ersten nach den Sommerferien, ist alles anders. In Zürich, da wo der Kabarettist Lorenz Keiser herkommt: Nail-Studio, Depilations-Klinik, Brasilian-Waxing, Take-Away, Communication-Center, Beauty-Lounge wo früher Tante-Emma-Läden waren und die Stammtische der Quartierbeizen. «Nichts ist mehr wie früher, nein, das ist nicht mehr die Welt, die gestern war.» Was er wohl meint mit gestern, der 59-Jährige?

Die Zauberformel stimmt nicht mehr

Nach Keiser ist heute alles viel komplizierter. Die Politik ist wirr und schwer zu schlucken: «Fünf Erdbeeren und zwei Knoblauchzehen sind doch keine Zauberformel mehr?» Früher konnte man gut gewürzte Erdbeertörtchen ohne Wimpernzucken geniessen, doch heute macht das keinen Sinn mehr. «Keine politischen Witze» gäbe es zu hören an diesem Abend, meinte Keiser, doch daran gehalten hat er sich nicht. Denn genau das wollte das Publikum von ihm hören: Hiebe und Pfeile gegen Bern, unbesehen ob nach links und rechts, nur möglichst giftig sollen sie sein. Den grossen Sinn dahinter soll man nicht suchen, denn der ist fragwürdig: «Wollen sie wirklich wissen, welches der Sinn ist im Leben von Ignazio Cassis?»

Der rote Faden des Kabarettisten war ein Abendessen unter Freunden. Keiser und Gattin Lea hatten zum Dinner geladen. Acht Menschen sitzen am Tisch, alle unterschiedlichster Herkunft und mit aussergewöhnlichen Essgewohnheiten. Es sind Veganer dabei und Gluten-Unverträgliche, Immigranten mit besonderen Ansprüchen und ein etwas schrulliger Jude, der Schweinefleisch isst. Dazu kommt ein Asylbewerber, von der Gattin eingeladen ohne Wissen ihres Gatten. Das wird ein schwieriger Abend, soviel ist vorauszusehen.

In einer solchen Ausgangslage, über selbstauferlegte Schranken und Herkunftsgrenzen hinweg, ein taugliches Menu zusammenzustellen, ist fast eine Sache der Unmöglichkeit und es gibt eigentlich nur eine Lösung: Sojamilchreis. Es wird viel diskutiert am Tisch, doch ohne Politik? Vergiss es! Es gibt unzimperliches Politiker-Bashing, SVP-Exponenten bekommen ihr Fett weg ebenso wie die von der anderen Seite. Das Problem, wenn man über Politik spricht, ist die politische Korrektheit. Am Tisch ist sie Gesetz. Im Saal nicht. Da darf ausgesprochen werden, was sonst hinuntergeschluckt wird. Es ist die Kunst des Kabarettisten, die Dinge direkt anzusprechen und doch so auszudrücken, dass am Montag keine Klage wegen übler Nachrede ins Haus flattert. Es ist die Kunst der Satire und Keiser ist ein Meister darin.

Zuerst hirnen, dann lachen

Bei Keiser muss man erst hirnen, bevor man lachen kann. Grundfalsch sei das ganze Integrationsgeschwätz: «An die Schweizer kann man sich überhaupt nicht anpassen. So wie wir sind, kommt man entweder auf die Welt oder man hat keine Chance.» Nicht viele seien hierzulande als Schweizer geboren, wenige hätten vier Grosseltern mit Schweizer Pass. Doch in Bazenheid hat sich der Zürcher mit dieser Behauptung verspekuliert: Nur rund zehn Personen im Saal haben die Hand hochgestreckt, als er fragte, wer mindestens einen ausländischen Elternteil hat. Denn eins ist klar: Die Kulturellen in Bazenheid sind keine Eingewanderten. Sie hatten trotzdem einen vergnüglichen Abend.