Kolumne
Speerspitz: Jeder nach seiner Façon

Redaktor Urs M. Hemm macht sich Gedanken über Christbaumschmuck und über schlanke oder breite Tannen.

Urs Hemm
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Egal, wie der Christbaum aussieht – er soll Freude machen.

Egal, wie der Christbaum aussieht – er soll Freude machen.

Bild: Rudolf Hirtl

Weihnachtszeit ist Christbaumzeit. Ich habe gelesen, «dass der Weihnachtsbaum gar keine christliche Erfindung gewesen sei. Aber die Christen hätten den eigentlich heidnischen Brauch in ihre religiöse Symbolik aufgenommen. Denn wie anderes Immergrün würden Tanne oder Fichte für ewiges Leben, Ausdauer und Überleben stehen.»

Mit Symbolik mag ich mich gar nicht aufhalten, da die Bedeutung des Christbaumes jedem selbst überlassen sein sollte. Ebenso, wie es Unterschiede in der Symbolik des Weihnachtsbaumes gibt, gibt es unterschiedliche Auffassungen, wie der Weihnachtsbaum aussehen und geschmückt werden soll. Beim Kauf des Christbaumes kommt es darauf an, ob er schlank und hoch oder eher breit gewachsen und kleiner ist.

Ich kann mich noch an eine Diskussion zwischen meinen Eltern erinnern, bei der mein Vater ziemlich schlecht wegkam – der Weihnachtsbaum war wirklich eher als Brennholz, denn als Mittelpunkt für eine Weihnachtsfeier gedacht. Ich weiss nicht woher, aber er konnte noch am 24. Dezember einen Weihnachtsbaum besorgen, der unseren Ansprüchen genügte. In unserem Fall war er schlank und hoch. Diskussionen gab es auch immer um den Christbaumschmuck. Mein Vater mochte es bunt – rote, grüne, gelbe, silberne und goldene Kugeln schmückten den Baum.

Die Accessoires in Bezug auf Engel und andere Heilige waren bei ihm sehr stark untervertreten bis nicht vorhanden. Meine Mama hingegen beschränkte sich auf zwei Farben die Kugeln betreffend. Da sah man nur goldene und silberne oder nur goldene und rote Kugeln. Dazu kamen aber Engel mit lockigem Haar, kleine Krippen, der Stern, der die drei Heiligen zum Jesuskind geleitet hat und natürlich die drei Heiligen selbst. Ganz früher prangte noch Weihnachtsschmuck am Baum, den mein Bruder und ich im Kindergarten aus Salzgebäck gemacht hatten. Was diese «Kunstwerke» jedoch darstellten, weiss bis heute niemand.

Meine Frau und ich haben keine Diskussionen um den Christbaum. Der steht bereits im Garten und wächst, wie es ihm passt. Ob wir ihn in diesem Jahr dekorieren, weiss ich jetzt noch nicht. Es passt, wie es passt – jeder nach seiner Façon.

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