KOLUMNE
Speerspitz: Macht Corona vergesslich oder bloss schreibfaul?

Die Coronapandemie wirkt sich ebenfalls in Bereichen aus, in denen man es nicht erwartet hätte.

Martin Knoepfel
Martin Knoepfel
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Ein Stapel Banknoten. Die Coronapandemie wirkt sich auf die Möglichkeit aus, leicht zu viel Geld zu kommen.

Ein Stapel Banknoten. Die Coronapandemie wirkt sich auf die Möglichkeit aus, leicht zu viel Geld zu kommen.

Bild: Fotolia

Ich habe offenbar massiv unterschätzt, wie bekannt ich bin. Zumindest in Afrika und in Asien, wo mehr Menschen leben als in allen anderen Kontinenten zusammengenommen. Wie anders liesse sich denn erklären, dass ich immer wieder Mails aus diesen beiden Kontinenten erhalte von Absendern, die ich nicht persönlich kenne?

Sogar aus den höchsten Kreisen wird mir geschrieben, zum Beispiel von der Witwe eines ehemaligen, viel zu spät verstorbenen Diktators von Südkorea. Auch krebskranke Geschäftsleute und offenbar in ihren letzten Wochen von Gewissensbissen geplagte korrupte Politiker aus Afrika oder aus den Erdölstaaten am Persischen respektive Arabischen Golf denken an mich.

Aus Europa und aus Nordamerika sind solche Mitteilungen dagegen viel seltener. So selten, dass ihr Eintreffen das Highlight des Tages ist. Kennen mich die Europäer und die Nordamerikaner - und auch die Australier und die Südamerikaner - nicht oder sind sie einfach schreibfaul oder wollen sie nicht teilen? Ich weiss es nicht.

In der jüngeren Vergangenheit sind solche Mails allerdings sehr selten geworden. Man kann sogar sagen, diese Angebote gibt es nicht mehr. Angefangen hat der Rückgang, als die Coronapandemie das gesellschaftliche Leben und die Wirtschaft in vielen Ländern massiv einzuschränken begann. Macht vielleicht dieser Virus die Menschen egoistisch? Oder sind sie bloss vergesslich geworden? Ich weiss es nicht.

Seit kurzem erhalten ich wieder solche Angebote. Verdanke ich das der Covid-Impfung? Ich weiss es nicht.

Etwas weiss ich allerdings. Ich bin weiterhin an grosszügigen Spenden interessiert, zumal ich schon solche Angebote in Millionenhöhe habe verfallen lassen. Das weiss ich, ohne dass ich Buch über diese Mails geführt hätte.

Und noch etwas anderes weiss ich. Die Daten meines Bankkontos behalte ich doch lieber für mich. Wenn es den edlen Spendern ernst ist mit der milden Gabe, finden sie sicher einen Weg, mir das Geld auch so zukommen zu lassen. Oder mit anderen Worten: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Hat ein Strassenbauer das Sprichwort kreiert? Ich weiss es nicht.

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