Kolumne
Engadiner Berge statt Churfirsten, Tessiner See statt Bettenauer Weiher: Öfter mal was Neues

Ferien sind die perfekte Zeit für einen kurzfristigen Perspektivenwechsel. Aber manchmal muss sich langfristig etwas ändern, und ein Umzug wird nötig. Wo man sich aber schliesslich wohlfühlt, ist im Vorfeld schwierig abzuschätzen.

Larissa Flammer
Larissa Flammer
Drucken
Teilen
Wo man sich zu Hause fühlt, kann man im Vorfeld nicht immer abschätzen.

Wo man sich zu Hause fühlt, kann man im Vorfeld nicht immer abschätzen.

Bild: Reto Martin

Drei Nächte im Hotel, eine Woche auf dem Campingplatz, zwei Tage bei Freunden auf dem Sofa. Die Ferienzeit bietet vielen Menschen die Möglichkeit eines Perspektivenwechsels. Berner Altstadt statt Ebnat-Kappler Dorfkern. Tessiner Seeufer statt Bettenauer Weiher. Engadiner Alpen statt Churfirsten. Und eben: für einmal andere vier Wände als die des heimischen Schlaf- und Wohnzimmers.

Sind die Ferien vorbei, schätzt man wieder von Neuem, was man zu Hause hat. Die gewohnte Härte der Matratze. Der vertraute Ausblick aus dem Fenster. Die bekannten Gesichter im Hausflur oder in Nachbars Garten. Oder: Man merkt erst recht, dass es einem zu Hause nicht mehr gefällt. Wenn die Heimkehr nicht nur wegen des Ferienendes schlechte Laune bringt, ist es vielleicht Zeit, die Perspektive längerfristig zu verändern.

Leichter gesagt als getan. Neben der teilweise sehr schwierigen Suche nach einem Objekt in der richtigen Preisklasse und Grösse, soll sich am neuen Ort ja auch ein heimeliges Gefühl einstellen. Die Faktoren dafür zu erkennen und vor dem Einzug zu bewerten, ist manchmal unmöglich. Vielleicht quaken im neuen Zuhause ja des Nachts Frösche im versteckten Teich nebenan, die während der Besichtigung tagsüber geschlafen haben. Oder der neue Vermieter wirkte zwar zuverlässig, ist nach dem Einzug aber kaum noch zu erreichen.

Ein Umzug kann deshalb auch einem Sprung ins kalte Wasser gleichkommen. Wie gut schläft man die erste Nacht? Wie ist der Verkehr am Morgen zu Stosszeiten? Wie die Stimmung am Wochenende in der Umgebung?

Passt es nicht, bleibt die Flucht. Kurzfristig in die Ferien, längerfristig ins nächste Zuhause. Dann geht das ganze Spiel von vorne los: Eine passende Wohnung, ein passendes Haus suchen, Umzugshelfer organisieren, alles zusammenpacken, auseinandernehmen, wieder aufbauen und auspacken, das alte Zuhause putzen und abgeben, überall Adressänderungen angeben. Es gibt Menschen, denen gefallen diese ständigen Veränderungen. Andere geniessen in den Ferien häufig den kurzfristigen Perspektivenwechsel. Wieder andere sind glücklich, wo sie sind. Und manche getrauen sich nicht weg.

Aktuelle Nachrichten