Kolumne
Eine Pizza, die vereint

Redaktor Beat Lanzendorfer verpflegt sich im Moment fast ausschliesslich von Pizza – das hat viel mit den Italienern und der zurzeit stattfindenden Europameisterschaft der Fussballer zu tun.

Beat Lanzendorfer
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Das Essen und der Fussball aus Italien werden auch hierzulande geschätzt.

Das Essen und der Fussball aus Italien werden auch hierzulande geschätzt.

Bild: Claudio De Capitani / freshfocus

Wer kann sich noch daran erinnern, was er oder sie am 11. Juni, am 16. Juni oder am 20. Juni zu Abend gegessen hat. «Keine Ahnung!» Diese Antwort habe ich erwartet, denn die meisten Menschen wissen in der Regel nicht einmal mehr, was sie am Vortag zu sich genommen haben.

Bei mir wäre die Antwort gleich ausgefallen. Doch an diesen Daten fanden spezielle Ereignisse statt: Es waren die Tage, an denen Italien an der Europameisterschaft eines seiner Gruppenspiele bestritt. Und an einem solchen Tag steht bei uns zu Hause immer nur ein Gericht auf der Menükarte: Pizza Prosciutto e Funghi, also Pizza mit Schinken und Pilzen.

Die Geschichte begann vor etwa 20 Jahren

Die Geschichte ist mittlerweile so alt, ich mag mich nicht mehr daran erinnern, wann sie begonnen hat. Er wird wohl etwa 20 Jahre her sein, als meine Frau – eine Halbitalienerin – beschloss, vor einem WM- oder EM-Spiel der Italiener eine Pizza zu backen. Nichts Ungewöhnliches, eigentlich. Weil die Italiener danach gewonnen haben und meine Frau ein bisschen abergläubisch ist, hat sie dieses Ritual beibehalten.

Seither wiederholt sich die Geschichte alle zwei Jahre immer im Juni und erstreckt sich manchmal sogar bis in den Juli hinein. Der Höhepunkt war vor 15 Jahren, als die Italiener am 7. Juli 2006 in Berlin gegen Frankreich den Weltmeistertitel feierten. Damals gab es innerhalb von vier Wochen bei uns zu Hause siebenmal Pizza.

Auch Tiefpunkte erlebt

Selbstverständlich erlebten wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch Tiefpunkte in Form einer Pizza-Abstinenz. Einer war vor drei Jahren, als unsere südlichen Nachbarn die Teilnahme für die Endrunde in Russland verpassten.

Und nun wird also wieder Pizza gebacken und gegessen. Ginge es nach meiner Frau und nach meinen mittlerweile zwei erwachsenen Kindern (und ein wenig auch nach mir), gäbe es bis zum 11. Juli noch viermal Pizza. Dann würde Italien im Final der Euro stehen.

Ganz so weit denken wir noch nicht. Nächstes Etappenziel ist am Samstag, wenn es im Achtelfinal zum Duell Österreich – Italien kommt. Es gibt zum vierten Mal Pizza – die Vorfreude darauf ist gross. Auch deshalb, weil sich das Pizzaessen keines unserer Familienmitglieder entgehen lässt.