Kolumne
Die Wirtschaft trägt Bart

An der Herbstversammlung der Toggenburger Arbeitgebervereinigung sass gerade einmal eine Frau in den Zuschauerreihen. Dies brachte die Redaktorin Sabine Camedda ins Grübeln.

Sabine Camedda
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Esther Friedli (Bildmitte) ist eine von vier Frauen, die das Toggenburg bisher im Nationalrat vertreten haben.

Esther Friedli (Bildmitte) ist eine von vier Frauen, die das Toggenburg bisher im Nationalrat vertreten haben.

Bild: Alessandro Della Valle/Keystone

Ende Oktober ist schon fast vergessen gegangen: Die Schweizerinnen haben in diesem Jahr einen Grund zu jubilieren. 50 Jahre ist es her, dass die Männer ihnen den Gang zur Urne gewährt haben. Und 1971 sind bereits die ersten Frauen ins nationale Parlament gewählt worden. Vor 40 Jahren ist ausserdem die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in der Bundesverfassung festgeschrieben worden.

Das ist gut so und dieses Begegnen auf Augenhöhe mit dem gegenseitigen Respekt funktioniert bestens. Zumindest sehe ich es so. Frauen in Polizei- oder Militäruniformen haben sich ebenso in unseren Alltag gerückt wie Männer, die Aufgaben in der Erziehung und Betreuung übernehmen.

Das Toggenburg, so hinterwäldlerisch es von manchen gesehen wird, schwimmt schon lange auf der Gleichberechtigungswelle mit. Schon 1979 zog mit Susi Eppenberger die erste Toggenburgerin in den Nationalrat ein. Und sie war bei weitem nicht die einzige: Milli Wittenwiler, Lucrezia Meier-Schatz und die noch amtierende Esther Friedli folgten ihr nach Bern.

In Politik und Wirtschaft gibt es noch Potenzial

Trotzdem, so scheint mir, hat das Toggenburg noch Potenzial, wenn es um die Gleichberechtigung geht. Das zeigt sich beispielsweise in der Politik. Gerade einmal zwei Frauen stehen an der Spitze einer Gemeinde im Wahlkreis. Ebenso viele vertreten die Region im Kantonsrat.

Mangel an Frauen gibt es anscheinend auch in Wirtschaftskreisen. Gerade einmal eine Frau – und die Berichterstatterin – war unter den mehrheitlich barttragenden Teilnehmern der Herbstversammlung der Arbeitgebervereinigung Toggenburg. Und: Zwei Männer waren als Referenten geladen.

Diese Beispiele mögen Momentaufnahmen sein und nicht das tatsächliche Bild spiegeln. Denn die Frauen im Toggenburg packen an, übernehmen Verantwortung und zeichnen sich durch Ideen und Stärke aus. Vielleicht war es schlicht Zufall, und das Datum war für viele unpässlich. Vielleicht führten sie zu Hause das Geschäft weiter, sodass ihre Männer am Anlass teilnehmen konnten. So wären sie das nächste Mal an der Reihe, und der teilnehmende barttragende Mann findet sich in der Unterzahl wieder.

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