Interview
Klangfestival in Alt St.Johann wird verschoben statt abgesagt: «Es wäre schade, wenn die Vorarbeit nicht genützt würde»

Das Klangfestival hätte zwar erst im Mai stattgefunden, der Entscheid zum Verschieben ist aber dennoch bereits gefallen. Der Geschäftsleiter der Klangwelt Toggenburg erklärt den Grund dafür.

Sabine Camedda
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Solche Augenblicke wie 2018 in der Klosterkirche in Alt St.Johann wird es in diesem Jahr nicht geben, das Klangfestival wurde um ein Jahr verschoben.

Solche Augenblicke wie 2018 in der Klosterkirche in Alt St.Johann wird es in diesem Jahr nicht geben, das Klangfestival wurde um ein Jahr verschoben.

Bild: Daniel Ammann

Die Klangwelt Toggenburg hat entschieden, das Klangfestival und das Naturton und Oberton Symposium, die in der zweiten Hälfte Mai in Alt St.Johann geplant waren, ins kommende Jahr zu verschieben. Raphael Gygax, Geschäftsleiter der Klangwelt Toggenburg, erklärt, dass dieser Entscheid gut überlegt ist und dass die Klangwelt Toggenburg seitens der Künstler, der Sponsoren und der Zuschauer Unterstützung bekommt.

Raphael Gygax, Geschäftsleiter Klangwelt Toggenburg

Raphael Gygax, Geschäftsleiter Klangwelt Toggenburg

Bild: Sabine Camedda

Wie leicht oder schwer ist Ihnen der Entscheid gefallen, das Klangfestival und das Naturton und Oberton Symposium 2020 zu verschieben?

Raphael Gygax: Das ist uns gar nicht leicht gefallen. Wir haben länger gerungen und uns immer wieder ausgetauscht, bis wir diesen Entscheid getroffen haben.

Warum haben Sie den Entscheid bereits jetzt gefällt, obwohl niemand weiss, wie sich die Situation bis zur Auffahrt entwickelt?

Zum einen spürten wir eine Verunsicherung bei den Besuchern, die bereits ein Ticket gekauft hatten. Zum anderen müssten wir jetzt das Marketing ankurbeln, Detailvorbereitungen ausführen oder Bestellungen auslösen. Das finanzielle Risiko wäre dadurch massiv gestiegen. Das konnten wir nicht verantworten.

Warum entschieden Sie sich für eine Verschiebung und nicht für eine Absage?

Es steckt viel Arbeit im Festival seitens der Programmierung und auch von Mitarbeitern der Klangwelt und von freiwilligen Helfern. Es wäre schade, wenn diese nicht genützt würde. Ausserdem ist die Verschiebung gegenüber dem Stammpublikum, das uns seit 16 Jahren die Treue hält, die einzige richtige und faire Möglichkeit.

Welche Folgen bringt die Verschiebung mit sich?

Sie brachte einen gewissen Aufwand an Mehrarbeit mit sich, der aber bereits geleistet ist. Wir mussten mit den Künstlern, mit den Sponsoren, mit den Vermietern der von uns genutzten Räumlichkeiten und weiteren Partnern abklären, ob wir das Klangfestival und das Naturton und Oberton Symposium im kommenden Jahr durchführen können. Wir können sicher im kommenden Jahr davon profitieren und einen Teil der Vorarbeiten aus der Schublade ziehen. Die Verschiebung bringt aber auch finanzielle Folgen mit sich.

Alle Künstler, die 2020 aufgetreten wären, sind im kommenden Jahr dabei. Wie einfach war das?

Die Künstler hatten grosses Verständnis für unsere Situation. Einige haben sogar Anfragen für das kommende Jahr abgelehnt, um bei uns auf der Bühne zu stehen. Das zeigt, wie sehr unser Festival und die Klangwelt Toggenburg in Künstlerkreisen geschätzt werden.

Welche Reaktionen haben Sie von den Sponsoren und von den Besuchern erhalten?

Alle Sponsoren tragen ihr Engagement weiter und unterstützen uns auch 2021. Von einigen Besuchern haben wir gehört, dass sie ihr Ticket fürs kommende Jahr behalten. Der Vorverkauf ist vor der Coronakrise gut gelaufen und bewegt sich im Rahmen der Vorjahre. Wenige Besucher lassen ihr Ticket zurückerstatten, denn sie wissen schon jetzt, dass sie im nächsten Jahr das Klangfestival nicht besuchen können. Wir hoffen, dass alle anderen möglichst dabei sind.

Wird die Klangwelt Toggenburg im Laufe des Jahres etwas als Ersatz auf die Beine stellen?

Es sind Überlegungen im Gange, kleinere Veranstaltungen zu machen. Aber es ist noch nichts spruchreif. Wir warten erst einmal ab, wie sich die Situation entwickelt. Unser Ziel ist es nun, möglichst unbeschadet aus der aktuellen Krise zu kommen. Dann legen wir den Fokus ganz auf die Herbstkulturwoche, die wir in diesem Jahr zum ersten Mal durchführen möchten.