Kirchenmedien dienen der Erbauung der Mitglieder gegen die «Verweltlichung»

1844 erscheint das erste Kirchenblatt für die reformierte Schweiz, zwischen 1920 und 1951 hat das Toggenburg einen eigenen Kirchenboten. Das Medium soll unter anderem die reformierte Identität stärken.

Daniel Klingenberg
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Urs Meier, ehemaliger Leiter Reformierte Medien Deutschschweiz.

Urs Meier, ehemaliger Leiter Reformierte Medien Deutschschweiz.

Bild: PD

Die Geschichte der protestantischen Printmedien beginnt im Jahr 1844 mit dem «Kirchenblatt für die reformierte Schweiz». Es ist vor allem ein Forum für die Pfarrpersonen. Darin wird ein heftiger Richtungsstreit zwischen konservativen und liberalen Kräften ausgetragen.

Mit dem «Saemann» gründen die Berner im Jahr 1884 die erste Mitgliederzeitschrift: Jeder reformierte Haushalt erhält das Blatt. Um 1915 startet der Zürcher Kirchenbote, und in dieser Zeit kommen auch regionale St.Galler Kirchenboten zu den Kirchenmitgliedern.

Ab 1914 ist dies im Rheintal der Fall, ab 1920 auch im Toggenburg. Die Reformierten in der Stadt St.Gallen gründen im selben Zeitraum gleich drei lokale Blätter in Straubenzell, Tablat und Centrum.

Reformierte Identität stärken

Welche Funktionen haben diese Kirchenboten im frühen 20. Jahrhundert? «Es geht erstens um die Identifikation der Mitglieder mit ihrer Kirche», erklärt dazu Urs Meier, ehemaliger Geschäftsführer der Reformierten Medien Deutschschweiz. Er betont: «Das allen Reformierten zugestellte Printmedium ist ein gutes Mittel, Zugehörigkeit sichtbar zu machen und geistige Verbundenheit herzustellen.»

Der Kirchenbote stärkt damit die reformierte Identität. Auch die zweite Funktion dient damals der Identitätsbildung – aber durch Abgrenzung. «Man bezieht immer wieder deutlich Stellung gegen die katholische Kirche und gegen die ‹Verweltlichung› der Gesellschaft», erläutert Urs Meier.

Mit letzterem sind etwa der Konsum von Alkohol oder auch Anlässe wie verschiedene Tanzveranstaltungen gemeint. Als dritte Aufgabe kommt «Erbauung» hinzu: Die Leserinnen und Leser bekommen in den Texten Unterhaltung und sollen gleichzeitig beim Lesen etwas lernen.

Kirchenmedien haben Kooperationen gesucht

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entstehen bei den Kirchenmedien verschiedene Kooperationen. So haben die Kirchen der Kantone beider Basel, Schaffhausen und der Innerschweiz ein gemeinsames Kopfblatt mit unterschiedlichen Regionalteilen.

Bern, Zürich, Aargau und Graubünden arbeiten in der Zeitschrift «Reformiert» nach demselben Modell. Zudem gibt es Online-Kooperationen. Verändert hat sich auch die Herausgeberschaft. Waren dies zu Beginn häufig Pfarrvereine, sind es heute kantonalkirchennahe Gremien. In St.Gallen ist die Synode, das kantonale Kirchenparlament, für den Kirchenboten verantwortlich.

www.kirchenbote-sg.ch