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Kirchbürger im unteren Toggenburg wollen keine Kirche verkaufen

Der Aussprache-Abend der Evangelischen Kirchgemeinde Unteres Toggenburg mobilisierte. Die Auslege-Ordnung brachte Bekanntes, aber auch Überraschendes. Der Barometer stand nicht auf Sturm, aber auf deutlich veränderlicher Grosswetterlage.
Peter Küpfer
Die Kirchenbürgerinnen und -bürger bringen am «Bistro-Abend» Ideen zur Aktivierung des Gemeindelebens ein. (Bild: Peter Küpfer)

Die Kirchenbürgerinnen und -bürger bringen am «Bistro-Abend» Ideen zur Aktivierung des Gemeindelebens ein. (Bild: Peter Küpfer)

Kurz vor Beginn des angekündigten «Bistro-Abends» der Evangelischen Kirchgemeinde Unteres Toggenburg (Ekgut) wurde klar: Dieser Besucherzahl war das Ganterschwiler Kirchgemeindehaus nicht gewachsen. Der absichtlich provokative Titel «Schöne Kirche zu verkaufen» hatte offensichtlich mobilisiert.

So zog man denn in die wenige hundert Meter dorfaufwärts gelegene alte Kirche Ganterschwil. Dort wurde die Problemlage unter der engagierten Leitung von Enzo Fuschini, Kirchenratspräsident, Schicht um Schicht erläutert.

Bedenkenswerte Zahlen

Pfarrer Fabian Kuhn (Lütisburg) machte anhand von Grafiken und Zahlen die heutige Problemlage deutlich. Die Zahlen bestätigten zunächst Bekanntes: Die Reformierten werden schweizweit immer weniger, wogegen die Zahl der Konfessionslosen steigt. Dazu geben die bevölkerungsstarken Städte den Ausschlag.

Dazu kommen die demografischen Veränderungen. Alles das wirke sich auf die Finanzlage der Kirchgemeinden aus: Sie müssen in Zukunft mit weniger Geld auskommen, machte Fabian Kuhn klar.

Überdurchschnittlich viele Junge

Die projizierten Folien hatten aber auch Überraschendes zu bieten. Die Entwicklung im Untertoggenburg war in den letzten Jahre in mancher Hinsicht gegenläufig zum aktuellen Trend. Im Gebiet der Kirchgemeinde wuchs die Zahl der evangelischen Kirchbürger in den letzten Jahren, zwar langsam, aber stetig. Es sind hier durch Neuzuzüger heute 200 Leute mehr evangelisch als vor 20 Jahren.

Auch hat die Kirchgemeinde Unteres Toggenburg einen deutlich höheren Anteil Junger gegenüber dem schweizerischen Durchschnitt. Der Zuzug mache langfristig die allgemein angespannte Finanzlage allerdings nicht merklich besser, gab Fabian Kuhn zu bedenken. Angesichts der vielerorts bestehenden Überkapazität der Gebäude, besonders Kirchen und Pfarrhäuser, dränge sich deshalb die unausweichliche Frage auf: Was brauchen wir und worauf können wir verzichten?

Konzentriert und engagiert: Kirchenratspräsident Enzo Fuschini leitete die Aussprache. (Bild: Peter Küpfer)

Konzentriert und engagiert: Kirchenratspräsident Enzo Fuschini leitete die Aussprache. (Bild: Peter Küpfer)

Die Kirchen sollen Gotteshäuser bleiben

Pfarrer Anselm Leser und Pfarrerin Katharina Leser traten in engagierten Stellungnahmen für eine vertiefte Betrachtung ein. Unsere Kirchen sollten Gotteshäuser bleiben. Gerade in der heutigen Zeit seien für viele Menschen Kirchen immer noch der Raum der Stille, der Besinnung und der persönlichen Hinwendung zum Höchsten.

Kirchen seien nicht einfach Nutzgebäude aus Backstein und Glas, sie seien in dem verankert, was eine Gemeinde zusammenhalte, im Glauben. Pfarrerin Brigitta Schmidt betonte am Beispiel der 500 Jahre alten Kirche Ganterschwil und ihrer bedeutenden Fresken den kulturhistorischen Wert unserer Kirchen.

Die Kirchen sind wir

Die Diskussion war sofort lebhaft und intensiv. Viele Votanten warnten vor einer rein kaufmännischen Betrachtungsweise des Problems. Einige Kirchbürgerinnen und Kirchbürger wiesen an ihrem eigenen Beispiel auf die tiefe persönliche Verbundenheit zu «ihrer» Kirche hin. Hier wurden sie getauft, hier wurden sie konfirmiert, in vielen Fällen auch verheiratet, hier begruben sie ihre Eltern. Ein Mitbürger, welcher der Kirche ein Leben lang gedient hatte, auch in verantwortungsvollen Ämtern, sagte:

«Ich könnte mich nicht mit dem Verkauf meiner Kirche abfinden.»

Er stiess damit auf spontanen Beifall. Damit war der Schwerpunkt der Debatte bald einmal ein anderer, grundsätzlicher: Wie findet die Kirchgemeinde zur Stärke, ihre finanziellen Belastungen auch künftig durch mehr Selbstanteil mitzutragen? Vor allem auch die stärkere Beteiligung der Jüngeren war hier das Anliegen vieler. Bald prasselte es Vorschläge zur Belebung des Kirchgemeindelebens, die von Fabian Kuhn auf zweieinhalb Flipcharts notiert wurden. Eines resultierte klar: Diese Belebung muss von der Gemeinde selbst kommen.

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