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Serie

Kirchberger Weiler Oberbruberg: Um ihn ranken sich viele geschichtsträchtige Ereignisse

Eine verschollene Burg, der Politiker Paul Scherrer und der Bomberabsturz 1944 gehören zur Geschichte des Weilers Oberbruberg.
Beat Lanzendorfer
Luftaufnahme des Weilers Oberbruberg. Das Foto entstand in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Ganz oben sind noch die Häuser von Busswil zu erkennen, das zur Gemeinde Sirnach gehört. (Bild: PD)

Luftaufnahme des Weilers Oberbruberg. Das Foto entstand in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Ganz oben sind noch die Häuser von Busswil zu erkennen, das zur Gemeinde Sirnach gehört. (Bild: PD)

Vor 75 Jahren entging der Kirchberger Weiler Oberbruberg knapp einer Katastrophe, als in unmittelbarer Nähe ein amerikanischer Bomber abstürzte. Die Maschine war durch Angriffe deutscher Jäger schwer beschädigt worden. Der Besatzung gelang es, sich mit dem beschädigten Flieger in die Schweiz abzusetzen.

Fremde Flugzeuge während des Zweiten Weltkrieges

Der Flugzeugabsturz, der sich während der Wirren des Zweiten Weltkrieges am 25. Februar 1944 ereignete, war zu jener Zeit auch in der Presse ein grosses Thema. Die «Liberal Lady» hatte als Einsatzziel Regensburg. Die Besatzung musste sich, als der Bomber von feindlichen Jägern getroffen wurde, aber Richtung Süden absetzen. Kurz nach ihrem Einflug über Schweizer Hoheitsgebiet wurde sie durch fünf Schweizer Morane abgefangen und eskortiert. Im Raum Züberwangen sprangen sieben Besatzungsmitglieder aus der nicht mehr steuerbaren Maschine. Die beiden Piloten verliessen den Bomber erst bei Rickenbach/Engi. Das führerlose Flugzeug stürzte kurz darauf in einer Senke hinter dem Weiler Oberbruberg ab. Bei den Aufräumarbeiten wurde festgestellt, dass zwei Maschinengewehre fehlten, zudem ist ein grosser Teil der Munition von Schaulustigen entwendet worden.

Dies ist lediglich eine von vielen Meldung, welche in den Jahren 1939 bis 1945 in die Kriegsgeschichte eingegangen ist. Insgesamt gab es in den sechs Jahren 186 Notlandungen sowie 55 Abstürze fremder Flugzeuge in der Schweiz. Dabei wurden 1620 ausländische Besatzungsmitglieder interniert, welche bis zum Kriegsende in der Schweiz verbleiben mussten.

Paul Scherrer – ein bedeutender Staatsmann

Neun Jahre vor dem oben erwähnten Ereignis verstarb am 10. März 1935 mit Paul Scherrer einer der bis heute berühmtesten Kirchberger. Der bedeutende Staatsmann und Wirtschaftsführer war Kirchberger Bürger und stammte aus der Familie Scherrer, die um 1800 im oberen Braunberg (Oberbruberg), sesshaft war. Er kam am 20. April 1862 als jüngstes von sieben Kindern zur Welt. Später besuchte er in Wil die Realschule und das Gymnasium in Frauenfeld. In München und Basel studierte er Recht. Anschliessend startete er eine steile Karriere in Politik, Militär und Wirtschaft. Schon mit 25 gehörte er dem Basler Grossen Rat an – mit 34 war er Ständerat. Als Oberstbrigadier führte er die Infanteriebrigade 16 in den Kaisermanövern von 1912 in Kirchberg sowie im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918). Paul Scherrer, der in Basel das Ehrenbürgerrecht erhielt, verstarb am 10. März 1935. Anlässlich seines 100. Geburtstages richteten seine Nachkommen im Jahre 1962 in Kirchberg eine Stiftung ein. Diese verfolgt den Zweck, junge begabte Menschen während ihrer Ausbildungszeit mit Beiträgen zu unterstützen.

Der Toggenburger Höhenweg führt am Weiler Oberbruberg vorbei. Er beginnt in Wil und endet nach knapp 90 Kilometern in Wildhaus. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der Toggenburger Höhenweg führt am Weiler Oberbruberg vorbei. Er beginnt in Wil und endet nach knapp 90 Kilometern in Wildhaus. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Das Beschriebene ereignete sich im 19. und 20. Jahrhundert. Verfolgt man die Geschichte noch etwas weiter zurück, stösst man auf eine «Burgstelle Brunberg». Auf dem Hügelzug westlich des Weilers Oberbraunberg soll die Burg Brunberg gestanden sein. Den genauen Standort scheint aber niemand zu kennen. Selbst die Bewohner können darüber keine Auskunft geben. In vorhandenen Urkunden sind die Edlen von Brunberg hingegen mehrfach erwähnt. Unter anderem ein Heinrich von Brunberg aus dem Jahr 1228 oder 62 Jahre danach eine Gertrud von Brunberg. Die Edlen von Brunberg gehörten zu den Dienstleuten der Grafen von Toggenburg. Ihre Burg soll gewissermassen die Grenzwacht gebildet haben. Aussehen und Standort sind leider nicht bekannt.

Heute wohnen hier noch fünf Familien

Bitschnaus wohnen in siebter Generation auf dem Weiler Oberbruberg. Josef «Sepp» Bitschnau gehört zur fünften. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Bitschnaus wohnen in siebter Generation auf dem Weiler Oberbruberg. Josef «Sepp» Bitschnau gehört zur fünften. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Heute wohnen im Weiler noch rund 20 Personen. Er gehört politisch zur Gemeinde Kirchberg, die dort wohnenden Kinder besuchen aber die Schule im thurgauischen Rickenbach. Ein seit über einem Jahrhundert gültiger und vor fünfzehn Jahren erneuerter Staatsvertrag zwischen den Kantonen Thurgau und St.Gallen regelt die Handhabe im Grenzgebiet. Der Weiler besteht aus dem unteren Bruberg sowie dem oberen Bruberg. Von den vier ansässigen Familien sind deren zwei in der Landwirtschaft tätig.

Einer, der die Verhältnisse hier oben bestens kennt, ist Josef Bitschnau, der in fünfter Generation im Weiler Oberbruberg lebt. Der 65-Jährige hat den landwirtschaftlichen Betrieb vor ein paar Jahren seinem Sohn Lukas und dessen Ehefrau Isabelle übergeben. Mittlerweile wächst die siebte Generation Bitschnau heran, womit garantiert ist, dass der schöne Flecken weiterhin besiedelt bleibt.

Schauen Sie sich hier die weiteren Weiler und Quartiere der Sommerserie an

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