Kirchberg
Zuerst wollte Urs Vescoli die Finger davon lassen – weshalb er nun trotzdem Religionspädagoge der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg ist

Der 58-jährige Urs Vescoli gehört seit dem 1. Februar zum Team der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg. Er sieht sich als Spätberufener.

Beat Lanzendorfer
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Zusammen mit Michael Hanke (links) bildet Urs Vescoli das Team der Religionspädagogen.

Zusammen mit Michael Hanke (links) bildet Urs Vescoli das Team der Religionspädagogen.

Bild: Beat Lanzendorfer

Vor knapp vier Wochen hat Urs Vescoli seine Tätigkeit als Religionspädagoge mit Schwerpunkt Jugendseelsorge in der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg aufgenommen.

Als Urwattwiler, und weil seine Frau Jrma 16 Jahre in Bazenheid arbeitete, sind ihm die Verhältnisse hier durchaus vertraut. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass er sich entschlossen hat, sein Tätigkeitsfeld vom mittleren Fürstenland ins untere Toggenburg zu verlegen.

Gespräche haben ein Umdenken bewirkt

Er habe die Unstimmigkeiten der Vergangenheit innerhalb der Seelsorgeeinheit nur aus den Medien mitbekommen. Als Aussenstehender sei in ihm dann der Entschluss gereift, von einem Engagement in der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg besser die Finger zu lassen.

Urs Vescoli, Religionspädagoge.

Urs Vescoli, Religionspädagoge.

Bild: Beat Lanzendorfer

Seine Meinung hätte er nach einem Telefonat mit Pfarrer Mathai Ottappally und dem folgenden Austausch während eines Nachtessens am 17. August des letzten Jahres geändert.

«Nach diesem Gespräch stand für mich fest, dass ich Teil des Seelsorgeteams werden möchte.»

Weil er Religionspädagoge Michael Hanke bereits aus früherer Tätigkeit gekannt habe, reifte in ihm die Erkenntnis: «In dieser Zusammensetzung wird eine Einheit möglich, zudem haben alle, Verwaltungs- und Pfarreiräte, den Willen für einen konstruktiven Neuanfang bekundet.»

Er war in verschiedenen Berufen tätig

Vescoli bezeichnet sich selber als Spätberufener. Er habe sich erst vor zehn Jahren entschieden, am Religionspädagogischen Institut in Luzern ein vierjähriges katechetisches Fachhochschulstudium zu absolvieren.

Die Jahrzehnte davor seien aber genauso spannend gewesen. «Ich bin ein Urwattwiler und mit Ausnahme eines vierjährigen Abstechers nach Hausen am Albis immer hier wohnhaft gewesen.» Sein Berufsleben begann mit einer kaufmännischen Lehre in der Lichtensteiger Filiale der damaligen Bankgesellschaft (heute UBS).

Nach Tätigkeiten in Fabriken, auf dem Bau, in der Psychiatrie in Chur sowie in einem Kinder- und Jugendheim in Hausen am Albis verschlug es ihn in die Transportbranche. «Ich war zehn Jahre Lastwagenfahrer, arbeitete während gut zweier Jahre als Disponent und war nach der Ablegung der Carprüfung rund 15 Jahre Linienbus- und Carchauffeur.»

Jeweils berufsbegleitend, erlangte er zwischen 1997 und 1999 das Diplom zum Strassentransportdisponenten, liess sich zum PC-Supporter ausbilden und holte von 2007 bis 2009 die Berufsmatura nach.

Zum katholischen Glauben zurückgefunden

Obwohl er in einem katholischen Haushalt aufgewachsen ist und als Mitglied der Jungwacht und als Ministrant christliche Werte vermittelt bekam, gab es Zeiten, in denen er ein gespaltenes Verhältnis zur Kirche gehabt habe.

Dies führte sogar zum zwischenzeitlichen Kirchenaustritt. Nach der Teilnahme an einem Firmweg zweieinhalb Jahrzehnte später hätte er gespürt, dass sich die Kirche verändert habe. Aber auch er selber habe Korrekturen in seinem Denken erlebt.

«Ich möchte an weiteren Veränderungen der Kirche aktiv teilhaben.» Und weiter:

«Wer die Kirche liebt, darf sie auch kritisieren.»

Zwei ungewöhnliche Hobbys

Bereits seine bisherigen beruflichen Tätigkeiten lassen die spannende Persönlichkeit des 58-jährigen Toggenburgers erahnen. Dieser Eindruck verstärkt sich, als er seine Hobbys erwähnt. «Ich bin leidenschaftlicher Bauchredner und mache gerne Musik.» Seine Talente als Bauchredner hat er während eines Gottesdienstes in Kirchberg bereits unter Beweis gestellt.

Was die Musik betrifft, müssten sich die Gläubigen wegen der behördlichen Einschränkungen halt noch etwas gedulden. Der Rock-, Blues- und Heavy-Metal-Fan könnte sich aber durchaus vorstellen, irgendwann mit einer Band auf einer Bühne, auch innerhalb der Seelsorgeeinheit, einen Auftritt zu bestreiten.

Wie hat er die ersten Wochen seiner neuen Tätigkeit erlebt? «Genau so, wie ich es erhofft und erwartet habe. Die Menschen haben sich offen gezeigt und sind mir mit Wohlwollen begegnet.» Und weiter:

«Man muss miteinander unterwegs sein, auch wenn man nicht immer gleicher Meinung ist.»

Er freue sich riesig, seine gemachten Erfahrungen mit den Menschen hier teilen zu können.