Kirchberg
Warum die bevölkerungsreichste Gemeinde des Toggenburgs bis in 20 Jahren 25 Prozent mehr Einwohnerinnen und Einwohner haben könnte

Wachstum ja, aber gegen innen – Kirchberg soll noch grösser werden, allerdings nicht mehr in jenem Tempo wie im vergangenen Jahrzehnt.

Beat Lanzendorfer
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Die Einwohnerzahl von Bazenheid könnte in den kommenden 20 Jahren von 4300 auf 5400 anwachsen.

Die Einwohnerzahl von Bazenheid könnte in den kommenden 20 Jahren von 4300 auf 5400 anwachsen.

Bild: Beat Lanzendorfer

Die Einwohnerzahl der Gemeinde Kirchberg ist in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt. Waren es im Jahr 2010 rund 8200 Personen, die hier ihren Wohnsitz hatten, sind es aktuell 9200 Einwohnerinnen und Einwohner.

Wird das bisherige Tempo beibehalten, erhöht sich die Einwohnerzahl bis im Jahr 2040 auf etwa 11'000. Die vorhandenen Baulandreserven würden dafür ausreichen. Dies geht aus dem geltenden Richtplan hervor. Mit gezielten Massnahmen möchte der Gemeinderat die Ressourcen aber schonender nutzen und setzt dabei auf die Verdichtung nach innen.

Gähwil allein könnte um 60 Prozent zulegen

In der Prognose des Richtplans 2012, der die Jahre 2010 bis 2040 umfasst, ging man punkto Einwohnerzahlen von einem moderaten sowie einem optimistischen Szenario aus. Die bisherige Entwicklung zeigt, dass sogar die optimistische Prognose deutlich übertroffen wird.

Komplett zugebaut würde die Gemeinde aber trotzdem nicht. Anhand der bestehenden Bauzonen hätte Bazenheid (aktuell 4300 Einwohner) Potenzial für weitere 1100 Personen. Kirchberg (2800) könnte um 600 Personen zulegen, Gähwil (530) um 310.

Die Weiler Dietschwil, Remis und Schalkhusen, die heute insgesamt 430 Einwohnende zählen, könnten auf total 600 anwachsen. Dabei sticht Gähwil ins Auge, das aufgrund der Baulandreserven noch um 60 Prozent grösser werden könnte.

Dörfer sollen eigenen Charakter beibehalten

Trotz Wachstum sollen die Dörfer ihren jeweiligen Charakter beibehalten. Wie die Siedlungen aber genau aussehen könnten, ist heute unklar und es gebe auch keine allgemein gültige Definition. Deshalb führte der Gemeinderat mit Beteiligung der Bevölkerung im vergangenen Jahr zwei Workshops sowie zwei Online-Umfragen zur «Strategie Innenentwicklung» durch. Die Ergebnisse wurden am Donnerstag bei einer Online-Information präsentiert.

Dabei zeigte sich, dass sich knapp 80 Prozent der Teilnehmenden für eine gebremste Entwicklung aussprechen oder allenfalls für ein moderates Wachstum. Lediglich ein Fünftel plädiert weiterhin für ein ungehindertes Wachstum.

Der Verlust des aktiven Dorflebens oder eines intakten Landschaftsbildes seien Bedenken, welche in diesem Zusammenhang am meisten genannt wurden. Dazu Gemeindepräsident Roman Habrik:

«Das sind Anliegen, die der Bevölkerung aufgrund der Umfrage besonders wichtig erscheinen.»

Entwicklung soll gezielt gesteuert werden

Zusammen mit Experten und der Bevölkerung hat der Gemeinderat eine Strategie erarbeitet. In dieser wird aufgezeigt, wie die Entwicklung der Bevölkerung sowie der Siedlungen gezielter gesteuert werden kann. Die Wachstumskurve soll nicht mehr so steil nach oben gehen wie in den Vorjahren. Dabei soll der Gemeinderat eine aktive Rolle einnehmen.

Es soll dort gebaut werden, wo bereits etwas steht. Dabei sei es unerlässlich, dass sich mehr Menschen auf engerem Raum organisieren müssten. Die Verdichtung soll aber massvoll sein und am richtigen Ort stattfinden. Oberste Priorität habe der sorgfältige Umgang mit dem Ort- und Landschaftsbild.

Sie führten durch den Abend, von links: Roman Habrik, Gemeindepräsident, Corina Vuilleumier, ewp AG, und Bruno Bottlang, Atelier Bottlang AG.

Sie führten durch den Abend, von links: Roman Habrik, Gemeindepräsident, Corina Vuilleumier, ewp AG, und Bruno Bottlang, Atelier Bottlang AG.

Bild: Beat Lanzendorfer

Geplant sei weiter, das Wachstum dadurch zu verlangsamen, indem die Entwicklung der Baugebiete in Etappen umgesetzt werde. Für jedes Dorf wurde ein separates Zielbild mit den entsprechenden Massnahmen vorgestellt. Für die gewünschten Dorftreffpunkte sollen lokale Arbeitsgruppen gebildet werden, welche mit den Verhältnissen in den einzelnen Dörfern vertraut sind.

Gewerbe soll gefördert werden

Nebst dem Wohnen als solches soll auch das (Klein-)Gewerbe respektive das Wohnen und Arbeiten in der Gemeinde gefördert werden. Das Gewerbe habe in der Online-Umfrage den Wunsch nach mehr Gewerbefläche geäussert.

Die Online-Information wurde geleitet von Gemeindepräsident Roman Habrik. Ihm zur Seite standen die Experten Corina Vuilleumier von ewp AG und Bruno Bottlang vom Atelier Bottlang AG, beide in St.Gallen. Sie hatten die Strategie Innenentwicklung ausformuliert. Roman Habrik sagt:

Roman Habrik, Gemeindepräsident Kirchberg.

Roman Habrik, Gemeindepräsident Kirchberg.

Bild: Beat Lanzendorfer
«Die Strategie ist aber weder Gesetz noch ein Reglement. Sie soll trotzdem Wirkung entfalten, schliesslich hält sie fest, was uns für die Entwicklung unserer Dörfer und unserer Gemeinde am Herzen liegt.»

Damit sei sie eine wertvolle Richtlinie für die tägliche Arbeit des Gemeinderates und der Verwaltung und bilde die Grundlage für die Revision der Ortsplanung.

«Wir möchten auch in 20 Jahren noch sagen können: Gemeinde Kirchberg – zum Läbe!»

Strategie als Sonderausgabe des «Gmeindsblatt»

Das komplette Strategiepapier wird am 12. März in einer Sonderausgabe des «Gmeindsblatt» veröffentlicht. Ab diesem Zeitpunkt sei es auch online verfügbar.

Die nächsten Online-Informationen der Gemeinde Kirchberg sind bereits in Planung. Am 20. März geht es an einem halbtägigen Online-Anlass darum, an der neuen Gemeindeorganisation zu arbeiten. Eine knappe Woche später, am 26. März, findet die Vorversammlung ebenfalls online statt.