Kirchberg
Von überrascht bis enttäuscht: Das sind die Reaktionen nach dem Nein zum Schulerweiterungsbau und zum Mehrzwecksaal

Die Stimmbürger von Kirchberg haben am Sonntag an der Urne die Erweiterung der Schulanlage im Dorfzentrum versenkt. Ein ähnliches Projekt war schon einmal gescheitert. Auf Stimmenfang in Kirchberg.

Beat Lanzendorfer
Drucken
Über dem Kirchberger Sonnenhof sind Wolken aufgezogen. Das geplante Bauprojekt kann in der geplanten Form nicht umgesetzt werden.

Über dem Kirchberger Sonnenhof sind Wolken aufgezogen. Das geplante Bauprojekt kann in der geplanten Form nicht umgesetzt werden.

Bild: Beat Lanzendorfer

Das Stimmvolk lehnte am Sonntag den Neubau eines Mehrzwecksaales in Verbindung mit der Erweiterung des Primarschulhauses Sonnenhof ab. Vor neun Jahren hatte ein Projekt, das einen Gemeindesaal in Koordination mit Ausbauplänen der Hotel Toggenburgerhof AG beinhaltete, ebenfalls Schiffbruch erlitten. Im Jahr 2012 dürfte die Verbindung Gemeindesaal/privater Gastronom zur Ablehnung geführt haben.

Am Sonntag war der Grund womöglich, dass viele Einwohnerinnen und Einwohner nach Vollendung der Kirchberger Bauprojekte eine Schliessung der Dietschwiler Schule befürchteten. Eine solche hatte der Schulrat hinsichtlich des Jahres 2022 ins Auge gefasst. Er war aber nach Protesten von seinen Plänen abgerückt.

Gemäss Kirchberger «Gmeindsblatt» ist der Schulbetrieb in Dietschwil bis 2025 gesichert. Dann werde der Schulrat die Lage neu beurteilen. Voraussichtlich nach Abschluss des Erweiterungsbaus Sonnenhof / Neubau Mehrzweckhalle oder allenfalls sogar früher, sollte es durch andere äussere Faktoren notwendig werden, hiess es. Diese Aussage dürfte viele Einwohnerinnen und Einwohner aufgeschreckt und letztlich zu einem Nein an der Urne geführt haben.

Gemeinderat hat nicht mit Ablehnung gerechnet

Mit der Ablehnung hat der Gemeinderat nicht gerechnet. Sowohl Gemeindepräsident Roman Habrik als auch Schulratspräsident Orlando Simeon bedauern den Volksentscheid. Einen Tag später schrieben sie am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme: «Die Bevölkerung will eine andere Lösung. Dabei sind wir zurück auf Feld 1, alle Varianten sind offen. Sicher dringend ist eine zeitgemässe Infrastruktur für die Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrpersonen. Der Schulrat wird nun das notwendige Raumprogramm nochmals prüfen. Dann wird es einen Grundsatzentscheid brauchen, ob der Bürgerschaft wieder ein Grossprojekt oder schrittweise zuerst ein Schulprojekt, ein Turnhallenprojekt und dann ein Mehrzwecksaal vorgeschlagen wird.»

Zudem müsse die vertragliche Situation mit dem Saal im Toggenburgerhof geklärt werden. Das werde eine gewisse Zeit beanspruchen und brauche neue Kreditbeschlüsse. Der Gemeinderat werde die neue Situation nun beurteilen und das weitere Vorgehen festlegen.

Vorleistung ist verloren

Vom Abstimmungsergebnis enttäuscht zeigt sich auch Simon Seelhofer, Präsident der FDP der Gemeinde Kirchberg: «Verlierer sind die Schülerinnen und Schüler, die nun weiterhin auf eine zeitgemässe Schulinfrastruktur warten müssen. Es war ein gutes, ausgewogenes Projekt, welches die Bedürfnisse der Schule und der Vereine gleichermassen berücksichtigte und unter Einbezug der Bevölkerung ausgearbeitet wurde. Es wäre eine optimale Ergänzung für die Infrastruktur des Dorfes Kirchberg gewesen.»

Die Vorleistung von mehr als einer Million Franken für das Projekt sei damit verloren. «Dennoch gilt es, das Ergebnis zu akzeptieren und zu analysieren, was für das Dorf Kirchberg nun Priorität hat.»

Linus Thalmann, Präsident der SVP Kirchberg sagt: «Die Bevölkerung hat sich demokratisch gegen die Vorlage ausgesprochen. Ein langes Projekt findet somit ein jähes Ende.» Die Kosten, das Bauprojekt an und für sich und die Kombination der beiden Themen hätten in den Wochen vor der Abstimmung stark zur Meinungsbildung beigetragen.»

SP bemängelt Kommunikation

Stefan Diener, Präsident der SP Alttoggenburg sagt auf Anfrage: «Es ist ein Resultat, welches die SP Alttoggenburg nicht nur erstaunt und enttäuscht, sondern auch aufhorchen lässt. Natürlich hat sich auch die SP ein frischeres und innovativeres Projekt gewünscht. Aber die Ablehnung zu einem solch späten Planungszeitpunkt wäre mit hohen Kosten und einer grossen Verzögerung verbunden gewesen.

Unglücklich findet Diener die Kommunikation zwischen Gemeinde- und Schulrat. Hier hätte sich die Partei ein anderes Vorgehen bei der möglichen Schliessung der Schule Dietschwil gewünscht. Die jetzige habe sicher nicht zur Vertrauensbildung beigetragen.

Zur Schule Dietschwil sagt Linus Thalmann: «Diese Thematik könnte womöglich die nötigen Nein-Stimmen mobilisiert haben, da mit der Vorlage auch direkt oder indirekt die Schliessung der Aussenschule in Verbindung gebracht worden ist.» Mit Fakten könne diese Aussage jedoch nicht belegt werden.

Projekt Mehrzweckhalle ist gescheitert

«Es kann sein, dass die Diskussion um die Schule Dietschwil Stimmen gekostet hat», sagt Simon Seelhofer. Allein daran sei die Vorlage aber nicht gescheitert. Der Schulrat habe in der Sache ehrlich und transparent kommuniziert – «die Bauvorlage wurde zudem lange vor der Diskussion um die Schule Dietschwil aufgegleist». Die eine Sache habe inhaltlich nichts mit der anderen zu tun, auch wenn dies nun teilweise suggeriert wurde.

Für die Zukunft erwartet die SP Alttoggenburg, dass der Gemeinde- und der Schulrat auf die Bevölkerung im Allgemeinen und die Vertreter von Vereinen, Eltern und Parteien im Speziellen zugeht, um ein Projekt zu entwerfen, welches den Ansprüchen nicht nur genügt, sondern auch gefällt.

Für Thalmann ist der Bedarf nach Schulraum ausgewiesen, deshalb müsse das Thema weiterhin behandelt werden. Das Projekt Mehrzweckhalle sei hingegen gescheitert. «Nach der zweimaligen Ablehnung einer entsprechenden Vorlage ist der Volkswille zu respektieren», sagt der Präsident der Kirchberger SVP.

Ähnlich äussert sich Simon Seelhofer: «Ein Mehrzwecksaal für das Dorf Kirchberg wurde nun zweimal verworfen. Vorerst hat ein neuer Mehrzwecksaal für die FDP Kirchberg keine Priorität.» Schnell aufgegleist werden müsse hingegen eine neue Schulvorlage. «Die Schulraumerweiterung ist dringend und muss nun ohne Mehrzwecksaal und ohne Tiefgarage möglichst rasch umgesetzt werden.»

Für Simon Rutz, Präsident der CVP Kirchberg steht ausser Frage, dass der Raumbedarf in Kirchberg ausgewiesen ist. Aus seiner Sicht hätten die Diskussionen in den letzten Wochen rund um die Dietschwiler Schule das Abstimmungsprojekt zum Scheitern gebracht. «Nun gilt es, für die Schule in Dietschwil eine langfristige Lösung zu definieren und für Kirchberg ein neues Projekt an die Hand zu nehmen.» Für Kirchberg könne er sich auch vorstellen, Teilprojekte vor das Volk zu bringen.

Petitionär vom Ergebnis betroffen

Mit Damian Kalbermatter äusserte sic auch ein Vertreter jener Gruppe, die Ende 2017 eine Petition mit 290 Unterschriften einreichte, in der verlangt wurde, dass eine gleichzeitige Abstimmung aller Schulprojekte in Bazenheid und Kirchberg durchzuführen sei. Die daraufhin in Auftrag gegebene Volksbefragung ergab, dass eine Mehrheit der Einwohnenden eine gestaffelte Umsetzung der Bauvorhaben bevorzugt.

Auch Kalbermatter zeigt sich vom Entscheid am Sonntag enttäuscht: «Der Volksentscheid macht mich sehr betroffen und nachdenklich. Ich frage mich, was den Ausschlag gegeben hat, dass ein breit abgestütztes Projekt eine Ablehnung erfahren hat.»

Aktuelle Nachrichten