Kirchberg
Gemeindepräsident Roman Habrik: «Wir haben das Bedürfnis der Bevölkerung nach Mitbestimmung unterschätzt»

Mit einem Online-Workshop unter Einbezug der Bevölkerung erarbeiteten die Gemeinde- und Schulbehörden am Samstag die Voraussetzungen zur Reorganisation der Schule, was eine Änderung der Gemeindeordnung zur Folge hätte.

Beat Lanzendorfer
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Sie leiteten den Online-Workshop, oben, von links: Gemeindepräsident Roman Habrik und Schulratspräsident Orlando Simeon. Unten: Moderatorin Petra Neff und Fachberater Roger Sonderegger.

Sie leiteten den Online-Workshop, oben, von links: Gemeindepräsident Roman Habrik und Schulratspräsident Orlando Simeon. Unten: Moderatorin Petra Neff und Fachberater Roger Sonderegger.

Bild: Printscreen

Anträge von Gemeinde- oder Schulbehörden stossen bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht immer auf Gegenliebe. Vor knapp zwei Jahren wollte der Kirchberger Gemeinde- und Schulrat die aus ihrer Sicht nicht mehr zeitgemässe Führungsstruktur der Schulen anpassen. Der gemeinsame Vorschlag, eine Geschäftsleitung zu installieren, um strategische und operative Themen sinnvoll zu trennen, stiess auf Widerstand.

Anträge an der ausserordentlichen Bürgerversammlung abgelehnt

Vorläufig vom Tisch war «die Reorganisation der Schule», als die diversen Anträge an der ausserordentlichen Bürgerversammlung am 23. August 2019 abgelehnt wurden. Die Notwendigkeit einer Reform wurde zum damaligen Zeitpunkt und etwas mehr als zweieinhalb Jahre nach Inkrafttreten der Einheitsgemeinde (per 1. Januar 2017) von den wenigsten angezweifelt.

Bei der Umsetzung gingen die Meinungen allerdings auseinander. Deshalb erhielt der Kirchberger Gemeinderat an der ausserordentlichen Bürgerversammlung den Auftrag, unter Einbezug der Bürgerinnen und Bürger eine neue Vorlage für die Organisation der Schule zu erarbeiten.

Spurgruppe hat Vorarbeit geleistet

Diesem Auftrag sind Gemeinde- und Schulrat nachgekommen, indem zusammen mit einer Spurgruppe Thesen und Argumente erarbeitet wurden. Am Samstag sind diese während eines Online-Workshops diskutiert und ergänzt worden. Zugeschaltet hatten sich 41 Interessierte, die in mehreren Gesprächsrunden in sieben Gruppen aufgeteilt waren.

Das Ergebnis der Diskussionen war das Zusammentragen von Vorschlägen, wie die zukünftige Schul- und Gemeindestruktur aussehen soll. Die wichtigsten Punkte: Um Doppelspurigkeiten zu vermeiden, sollen zuerst die Grösse des Schul- und des Gemeinderates bestimmt werden. Erst danach gelte es die Aufgaben innerhalb der Räte zu definieren. Dieses Anliegen erhielt am Samstag die meisten Stimmen.

Danach folgte der Wunsch, das vorhandene Dörferforum durch ein Bevölkerungsforum zu ersetzen. Das Dörferforum umfasst Vertreter von Vereinen und Korporationen. Dieses Konstrukt soll nun auf die ganze Bevölkerung ausgeweitet werden. Wichtig ist den Bürgerinnen und Bürgern auch, dass sie transparent informiert werden. Total wurden 13 Anliegen zusammengetragen, die dem Gemeinde- und Schulrat als weitere Diskussionsgrundlage dienen.

Die Schule in der Gemeinde Kirchberg soll reorganisiert werden.

Die Schule in der Gemeinde Kirchberg soll reorganisiert werden.

Bild: Beat Lanzendorfer

Am Workshop anwesend waren auch Gemeindepräsident Roman Habrik und Schulratspräsident Orlando Simeon. Als Moderatorin wurde Petra Neff, frischer wind AG, St. Gallen verpflichtet. Ihr zur Seite stand als zusätzliche Fachperson Roger Sonderegger, Sonderegger + Sonderegger, Teufen. Er ist Spezialist in der Stadt- und Gemeindeentwicklung.

Das weitere Vorgehen

«Mit den erhaltenen Hinweisen sehen wir, wo der Fokus in den nächsten Schritten liegt», sagte Roger Sonderegger. Es sei wichtig, die Doppelspurigkeiten in der Einheitsgemeinde zu eliminieren. Geplant sei eine Gemeindereform unter Einbezug der Schule. Ob es in Zukunft einen Schulrat brauche oder nicht, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschliessend definiert.

Für Schulratspräsident Orlando Simeon steht die gesetzliche Auftragserfüllung im Vordergrund. «Diese kann mit verschiedenen Modellen erfüllt werden. Das jetzige Modell mit den Schulräten hat sicher Optimierungs- und Verbesserungspotenzial, damit der Auftrag der Dienstleistungserfüllung weiter verbessert werden kann.» Dafür würden der Schule rund 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung stehen.

Wichtige Erkenntnisse für den Gemeindepräsidenten

Genauso wie dem Schulratspräsidenten hat der Morgen auch Gemeindepräsident Roman Habrik wichtige Erkenntnisse geliefert. Der Schulrat und die Schulleitung hätten die Schulführung mit einer Reduzierung des Schulrates verbessern wollen. Deshalb sei vor zwei Jahren ein fixfertiger Vorschlag vorgelegt worden.

«Die Form, in der der Vorschlag aufbereitet worden ist, ist aber nicht gut angekommen. Wir haben das Bedürfnis der Bevölkerung nach Mitbestimmung unterschätzt. Heute wollen wir es anders und besser machen, indem wir die Anliegen der Bevölkerung abholen.»

Sie hätten aus den Fehlern gelernt und in Bezug der Strategieentwicklung den Einbezug der Bevölkerung verstärkt. In diesem Zusammenhang sei in Zukunft noch mehr vorgesehen, was im Geschäftsbericht 2020 näher beschrieben werde. Vor zwei Jahren seien viele Emotionen im Spiel gewesen, mit dem jetzigen Vorgehen hätten sich diese gelegt.

«Mit den erarbeiteten Hinweisen können wir nun bessere und akzeptiertere Lösungen erarbeiten.»

Am Samstag sind keine Entscheide gefällt worden. Primär ging es darum, eine Auslegeordnung zu erarbeiten. Gemeinsam sind die Grundlagen geschaffen worden, damit bis zum nächsten Workshop konkrete Vorschläge erarbeitet werden können. Ein weiterer Workshop zu diesem Thema ist im Sommer geplant.