Kirchberg: Eine vom Gemeinderat geplante Bushaltestelle sorgt schon vor dem Bau für Unverständnis – zwei Kritiker äussern sich

Das Kirchberger Betriebs- und Gestaltungskonzept sieht eine neue Bushaltestelle zwischen Gemeindehaus und neuer Zentrumsüberbauung vor – mit dieser Lösung können sich Stefan Harder und Peter Vollmeier nicht anfreunden.

Beat Lanzendorfer
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Kirchberger Zentrum: Links das Gemeindehaus, rechts die sich im Bau befindliche Zentrumsüberbauung – dazwischen ist eine Bushaltestelle geplant.

Kirchberger Zentrum: Links das Gemeindehaus, rechts die sich im Bau befindliche Zentrumsüberbauung – dazwischen ist eine Bushaltestelle geplant.

Bild: Beat Lanzendorfer (Kirchberg, 9. November 2020)

Die mögliche Realisierung einer Bushaltestelle zwischen Gemeindehaus und der sich im Bau befindlichen Zentrumsüberbauung stösst nicht überall auf Gegenliebe.

Vergangene Woche erklärte Gemeindepräsident Roman Habrik in dieser Zeitung, dass der Gemeinderat am geplanten Standort festhalte, weil alle möglichen und geprüften Alternativen nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hätten.

Die Antwort des Gemeinderates sei nicht befriedigend

Peter Vollmeier und Stefan Harder, beide haben eine Stellungnahme eingereicht, geben sich mit dieser Argumentation allerdings nicht zufrieden und zeigen mögliche Varianten auf.

Für Peter Vollmeier ist die vorgeschlagene Variante kompliziert und verkehrstechnisch nicht optimal gelöst. Er bemängelt etwa das Kreuzen des öffentlichen Verkehrs mit dem Schwerverkehr an der Husenstrasse insbesondere auch wegen der sehr engen Radien.

Peter Vollmeier, Gähwil.

Peter Vollmeier, Gähwil.

Bild: Beat Lanzendorfer

Die Vortrittsrechte bei der einmündend in die Husen-, Gähwiler- und Neudorfstrasse bei der Kirche seien ebenfalls nicht geregelt. Gleichzeitig werde der Fussgängerverkehr zwischen Gemeindehaus und der Clientis Bank Toggenburg einerseits sowie dem Volg und weiteren Geschäften andererseits durch den öffentlichen Verkehr unterbrochen und erschwert. Dabei gibt er zu bedenken, dass das Gemeindehaus bei der geplanten Variante und dem aktuellen Fahrplan täglich rund achtzigmal von einem Gelenkbus umrundet wird.

Bisherige Bushaltestelle sei zu belassen

Vollmeier liege es aber fern, nur zu kritisieren, er wolle auch mögliche Lösungsvorschläge aufzeigen. Er plädiert dafür, die Bushaltestelle «Kirchberg, Post» Richtung Gähwil sei im jetzigen Zustand zu belassen.

Von Gähwil her soll im Bereich der jetzigen Clientis Bank Toggenburg an der Gähwilerstrasse 7 eine neue Bushaltestelle erstellt werden. Sollte auf dem Vorplatz im Bereich der Bank zu wenig Platz vorhanden sein, könne diese neue Bushaltestelle durch Markierung auf der Kantonsstrasse erstellt werden.

«Hierzu möchte ich anmerken, dass sich von den insgesamt 40 Bushaltestellen der Linie 732 Gähwil–Wil–Gähwil bereits 28 markierte Bushaltestellen auf der Kantonsstrasse befinden.»

Weiter regt Vollmeier an, die Wendeschlaufe für die Kurse Wil–Kirchberg, die während den Spitzenzeiten über die Florastrasse geführt werden, sei zu belassen.

Sollte aus fahrplantechnischen Gründen (Faktor Zeit) eine Verkleinerung der Schlaufe nötig sein, so könnte die Variante Tellplatz realisiert werden.

Vollmeier ist überzeugt, dass der Busverkehr dadurch problemlos entlang der Kantonsstrasse fliessen könne. Weiter regt er an, den Platz zwischen Gemeindehaus und Zentrumsüberbauung zu einem fussgängerfreundlichen Begegnungsort umzugestalten. Ein Anliegen, welches von der Bevölkerung schon lange gewünscht werde.

Stefan Harder ist verärgert über den Gemeinderat

«Die veröffentlichte Stellungnahme des Kirchberger Gemeinderates überrascht mich nicht», sagt Stefan Harder. Uneinsichtig, auf den eigenen Plänen beharrend und zu den Bürgern herablassend, habe er sich laut Harder schon öfters geäussert. «Nun werden Hunderttausende Franken ausgegeben für ein Baugesuch, dem ein Referendum mit ungewissem Ausgang droht. So etwas ist in Kirchberg bereits hinlänglich bekannt.»

Stefan Harder, Kirchberg.

Stefan Harder, Kirchberg.

Bild: Beat Lanzendorfer

Harder kann auch nicht verstehen, weshalb die Schlaufe über die Florastrasse nicht weiterhin bestehen könne: «Die Floraschlaufe verursacht unnötige Buskilometer, die angegebenen 2400 Fahrkilometer sind korrekt. Dabei wird aber nicht erwähnt, dass die wöchentlich 560 Fahrten ums Gemeindehaus zusätzlich auch 2300 Fahrkilometer verursachen.»

Auch beim Thema Platzmangel hat Harder ein Gegenargument: «Der Gemeinderat sagt, wegen Platzmangels kann die bestehende Haltestelle nicht beibehalten werden. Wenn auf die Zusatzschlaufe um das Gemeindehaus verzichtet wird, muss auch der Radius der Kantonsstrasse nicht verändert werden und die Haltestelle Richtung Gähwil könnte bestehen bleiben.»

Gemäss ihm gäbe es noch mehr Argumente, welche gegen die Variante des Gemeinderates sprechen. Harder zeigt sich enttäuscht vom Gemeinderat:

«Bei derart schlechten Wahlresultaten an den Behördenwahlen im September hätte ich mir von den Bisherigen gewünscht, dass sie sich einsichtig zeigen und weittragende Beschlüsse ab Januar 2021 dem neuen Gremium überlassen.»

Ingenieurbüro erklärt die Gründe

Diese Zeitung hat sich mit Markus Brühwiler, Brühwiler Bauingenieure und Planer, welcher im Auftrag der Gemeinde Kirchberg das Betriebs- und Gestaltungskonzept erarbeitet hat, unterhalten.

«Die Anordnung der neuen Bushaltestelle entspricht der Best-Variante, weshalb wir diese dem Gemeinderat zur Weiterbearbeitung empfohlen haben. Der Standort erfüllt die Anforderungen bezüglich Verkehrssicherheit, Behindertengleichstellung, Nutzerfreundlichkeit und Gestaltung am besten. Kirchberg erhält damit einen sehr attraktiven und zentralen ÖV-Standort», erklärt er auf die Frage, weshalb an der Bushaltestelle zwischen Gemeindehaus und entstehender Zentrumsüberbauung festgehalten wird.

Es gebe auch keinen Grund, weshalb die Schlaufe über die Florastrasse beibehalten werden soll. «Durch die längere Wendefahrt entstehen unnötige Mehrkilometer. Mit der Schlaufe wird keine bessere ÖV-Erschliessung angeboten. Mit der kurzen Wendemöglichkeit um das Gemeindehaus werden in Wil die Anschlüsse zur Bahn hingegen verbessert», sagt Brühwiler.

Option Bushaltestelle Rössli wurde ebenfalls geprüft

Und weiter: «Auch die Option Bushaltestelle beim Rössli wurde sehr sorgfältig geprüft. Dem Gemeinderat wurde letztlich empfohlen, die ‹Variante Rössli/alte Post› nicht weiter zu verfolgen. Die Realisierung normengerechter Haltekanten hätte gravierende Eingriffe in das sehr wertvolle Dorfbild im Zentrum von Kirchberg zur Folge gehabt.»

Haltestellen auf der Kantonsstrasse könnten aufgrund der Kurvensituation nicht behindertengerecht ausgestaltet werden. Die Aufhebung der Bushaltestellen in diesem Bereich ermöglichen gemäss Brühwiler neue sichere und übersichtliche Fussgängerführungen für die Schülerinnen und Schüler. Zudem könnten mit dem neuen Strassenradius auf der heute gefährlichen Dorfkreuzung die Sichtweiten verbessert werden.

Umsteigeverbindungen würden verschlechtert

Trotzdem wird kritisiert, weshalb man nicht eine Bushaltestelle an der Gähwilerstrasse auf Höhe der jetzigen Clientis Bank Toggenburg hätte erstellen können. «Eine zweckmässige und sichere Fahrbahnhaltestelle Richtung Wil ist an diesem Ort nicht möglich – dies wurde eingehend geprüft. In diesem Bereich wird mit der Zentrumsüberbauung eine neue Einfahrt der unteren Harfenbergstrasse auf die Kantonsstrasse realisiert. Zudem könnten die erforderlichen Sichtweiten für alle Verkehrsteilnehmer nicht gewährleistet werden. Ohne den geplanten Bushof zwischen Gemeindehaus und Zentrumsüberbauung verschlechtern sich die Umsteigeverbindungen zwischen den verschiedenen Linien. Die Anforderungen an den ÖV-Betrieb würden dadurch nicht erfüllt. Kirchberg braucht eine zukunftsorientierte kompakte Lösung für alle ÖV-Linien.»

Links das bestehende Gebäude der Clientis Bank Toggenburg. Hier soll gemäss Stellungnehmenden von Gähwil kommend eine Bushaltestelle entstehen. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite soll ebenfalls die Realisierung einer Bushaltestelle Richtung Gähwil geprüft werden.

Links das bestehende Gebäude der Clientis Bank Toggenburg. Hier soll gemäss Stellungnehmenden von Gähwil kommend eine Bushaltestelle entstehen. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite soll ebenfalls die Realisierung einer Bushaltestelle Richtung Gähwil geprüft werden.

Bild: Beat Lanzendorfer (Kirchberg, 9. November 2020)

Hingegen werde die Machbarkeit einer zusätzlichen Haltekante auf der Kantonsstrasse in Fahrtrichtung Gähwil auf Höhe des Gemeindehauses noch geprüft.