Die Fernwärme lässt die Kirchberger Bürgerinnen und Bürger nicht kalt

Der Bau des Fernwärmenetzes ins Dorf Kirchberg ist unumstritten – kritisiert wird hingegen das Vorgehen bei der Anschubfinanzierung der Gemeinde.

Beat Lanzendorfer
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Laut Gemeindepräsident Roman Habrik (stehend rechts) waren mehr Interessierte im Saal als an einer Vorversammlung.

Laut Gemeindepräsident Roman Habrik (stehend rechts) waren mehr Interessierte im Saal als an einer Vorversammlung.

Bild: Beat Lanzendorfer

Die Gemeinde Kirchberg sieht den Ausbau des Fernwärmenetzes als Investition für zukünftige Generationen. Während der Ast in Bazenheid seit drei Jahren erfolgreich betrieben werden kann, zeigt eine erstellte Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2015 aber, dass die wirtschaftliche Rentabilität bei einer Weiterführung des Netzes nach Kirchberg schwierig zu erreichen sei.

Um den Ausbau, der unter der Federführung des Regionalwerks Toggenburg (RWT) erfolgen soll, trotzdem zu realisieren, hat der Gemeinderat eine Anschubfinanzierung über 533'000 Franken beschlossen (diese Zeitung berichtete).

Fragen in der Bevölkerung tauchen auf

Nach Bekanntgabe dieses Entscheids am 12. Juni zeigte sich, dass in der Bevölkerung Fragen auftauchten. Das veranlasste den Gemeinderat dazu, am Donnerstag zu einer «öffentlichen Informationsveranstaltung zur Fernwärme Kirchberg» einzuladen.

Der voll besetzte Saal im «Toggenburgerhof» war ein untrügliches Zeichen, dass die Fernwärme die Einwohnerinnen und Einwohner nicht kalt lässt. Die Diskussion im Anschluss an die allgemeinen Informationen durch Roman Habrik, Gemeindepräsident, Rudenz Egli, Verwaltungsratspräsident RWT, und Claudio Bianculli, Geschäftsführer Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB), war konstruktiv.

Sie kann mit einem Satz zusammengefasst werden: Den Ast des Fernwärmenetzes nach Kirchberg zieht niemand in Zweifel, allerdings stösst dessen Finanzierung nicht überall auf Gegenliebe.

Viele Hausbesitzer können nicht anschliessen

Walter Huber, Präsident der Dorfkorporation Kirchberg, kritisiert etwa, dass er schon vor sechs Jahren eine Zusammenarbeit zum Thema Fernwärme angeboten habe, diese aber nie erwünscht war.

Im Weiteren findet er es stossend, dass viele Hausbesitzer gar nicht die Möglichkeit hätten, sich ans Fernwärmenetz anzuschliessen, weil ihre Liegenschaft ausserhalb des Bereichs liege, in dem der Betrieb vorgesehen sei.

Wenig begeistert zeigt sich auch Pirmin Fischbacher, der in Gähwil ein privates Fernwärmenetz betreibt und keine öffentlichen Gelder dafür erhält.

RWT selber in der Lage, Investitionen zu stemmen

Mehrfach wird von Votanten argumentiert, dass es der RWT möglich sein müsse, die Investitionen von rund 6,5 Millionen Franken ohne Anschubfinanzierung der Gemeinde selber zu stemmen. In diesem Zusammenhang wird auch an den ZAB appelliert, die Fernwärmegebühren zu überdenken.

Claudio Bianculli sieht darin allerdings keinen Spielraum, weil der ZAB die Interessen von 32 Gemeinden wahrzunehmen habe und nicht nur jene von Kirchberg.

Ein weiterer Kritikpunkt war der zeitliche Druck. Obwohl den Verantwortlichen der Gemeinde seit Jahren bewusst sei, dass diverse Grossprojekte anstehen, die von einem Entscheid zur Fernwärme betroffen sind – die Kirchberger Zentrumsüberbauung oder die Heizungserneuerung im Betagtenheim Sonnegrund, beispielsweise –, müsse der Entscheid jetzt sehr schnell gefällt werden.

Letztendlich sprach Roman Habrik von einer konstruktiven Diskussion, «an der das Interesse grösser als an einer Vorversammlung war».

Beschluss untersteht dem fakultativen Referendum

Der Beschluss des Gemeinderates über die Anschubfinanzierung untersteht dem fakultativen Referendum. Sollte dieses bis zum Ablauf der Frist am 22. Juli nicht ergriffen werden, beginnen ab August die Planungsarbeiten für den Abzweiger des Fernwärmenetzes nach Kirchberg.

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