Kirchberg
Der Kampf der Arbeitsgruppe hat sich gelohnt - warum die Türe des Dietschwiler Schulhauses auch in Zukunft nicht verschlossen bleibt

Das 400-Seelen-Dorf Dietschwil in der Gemeinde Kirchberg wehrt sich erfolgreich gegen eine in Betracht gezogene Schulschliessung.

Beat Lanzendorfer
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Der Schulbetrieb im Dietschwiler Schulhaus ist für die kommenden vier Jahre sichergestellt.

Der Schulbetrieb im Dietschwiler Schulhaus ist für die kommenden vier Jahre sichergestellt.

Bild: Beat Lanzendorfer

Im Dezember 2020 machte sich eine Arbeitsgruppe des Kirchberger Schulrates daran, verschiedene Optionen für die Schule in Dietschwil zu prüfen. Im März dieses Jahres wurde Roland Graf, damaliger Präsident des Dorfvereins «Dietschwil dihei» informiert, dass die Arbeitsgruppe die Schliessung der Schule ins Auge fasse. Es sei vorgesehen, ab dem Schuljahr 2022/2023 die Dietschwiler Primarschüler in die Schulen im Dorf Kirchberg zu integrieren.

Daraufhin hat sich unter der Leitung von Nadja Riedweg auch in Dietschwil eine Arbeitsgruppe konstituiert. Diese setzte sich zum Ziel, mit konstruktiven Vorschlägen einer Schliessung der Schule entgegenzuwirken. Erfolgreich: An einer Sitzung vom Dienstagabend hat der Kirchberger Schulrat beschlossen, das Projekt zurückzustellen und die Schliessung der Dietschwiler Schule vorläufig nicht weiterzuverfolgen.

Die Lage soll später neu beurteilt werden

Der Schulrat begründet seinen Entscheid mit den konstruktiven Rückmeldungen der Dietschwiler Arbeitsgruppe. Auf Grund dieser sei der Entscheid zugunsten der Schule gefallen. Es sei aber vorgesehen, die Lage zu einem späteren Zeitpunkt neu einzuschätzen.

Die Dietschwiler Arbeitsgruppe lieferte die entscheidenden Argumente zur Erhaltung des Schulhauses.

Die Dietschwiler Arbeitsgruppe lieferte die entscheidenden Argumente zur Erhaltung des Schulhauses.

Bild: Beat Lanzendorfer

Voraussichtlich nach Abschluss des Erweiterungsbaus des Primarschulhauses Sonnenhof sowie des Neubaus der Mehrzweckhalle in unmittelbarer Nachbarschaft in Kirchberg.

Darüber entscheiden die Stimmberechtigten im kommenden Juni an der Urne. Werden die Bauprojekte genehmigt, ist deren Fertigstellung im Jahre 2025 vorgesehen.

Schulrat wollte sich einen Überblick verschaffen

Der Entscheid des Kirchberger Schulrates ist den Einwohnerinnen und Einwohnern am Mittwochabend von Schulratspräsident Orlando Simeon auf dem Dietschwiler Schulhausplatz persönlich mitgeteilt worden. Er sagte:

Schulratspräsident Orlando Simeon.

Schulratspräsident Orlando Simeon.

Bild: Beat Lanzendorfer
«Der Kirchberger Schulrat ist sich bewusst, welchen Stellenwert eine Schule für ein Dorf hat.»

Und weiter: «Mit der Einsetzung einer Arbeitsgruppe wollte sich der Schulrat einen Überblick über die Situation in Dietschwil verschaffen. Es ist zu keinem Zeitpunkt der definitive Entscheid gefallen, die Schule in Dietschwil zu schliessen. Die Grundlagen dieses Auftrages waren die anhaltend tiefen Schülerzahlen in Dietschwil.»

Der Schulrat habe nicht vor, einen Weg zu suchen, das Thema vor dem Jahr 2025 nochmals neu anzuschieben. Möglicherweise könnten aber äussere Faktoren dazu führen, dass Überlegungen bereits zu einem früheren Zeitpunkt nötig seien. Es könnte sein, dass es Probleme gebe bei der Besetzung von Lehrerstellen, denn auf den nächsten Sommer seien bereits Kündigungen eingegangen. Der Schulrat sei aber bemüht, alle Vakanzen zu besetzen.

«Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, im August den Schulbetrieb in Dietschwil weiterzuführen.» Ein weiterer Grund könnte sein, dass Familien mit Kindern aus dem Dorf wegziehen und die Klassengrössen dadurch eine kritische Grösse erhielten. Seitens des Dorfvereins besteht allerdings die Hoffnung, dass wegen der vorhandenen Baulandreserven eher das Gegenteil der Fall ist.

Die Petition wird trotzdem lanciert

Der Abend war eigentlich von «Dietschwil dihei» dafür vorgesehen, die Bevölkerung über die geplante Schulhausschliessung zu informieren und gleichzeitig eine Unterschriftensammlung zu starten, um diese zu einem späteren Zeitpunkt als Petition zur Rettung der Schule einzureichen.

Nach dem für Dietschwil erfreulichen Beschluss des Schulrates tags zuvor ist das Thema im 400-Seelen-Dorf aber keineswegs vom Tisch, denn die Einwohnerinnen und Einwohner erhoffen sich eine dauerhafte Lösung zugunsten der Dietschwiler Schule. Die Petition wird trotzdem lanciert, um die Entschlossenheit der Bevölkerung zu unterstreichen.

Dieses Plakat steht beim Dorfeingang und ist von Schülerinnen und Schülern kreiert worden.

Dieses Plakat steht beim Dorfeingang und ist von Schülerinnen und Schülern kreiert worden.

Bild: Beat Lanzendorfer

Wie sehr das Thema in Dietschwil aufwühlt, zeigen die verschiedenen Plakate, die im Dorf angebracht sind. Das eine, von Schülerinnen und Schülern kreiert, enthält den Schriftzug «Üsi Schuel blibt im Dorf», wobei dies durchaus als Forderung aufgefasst werden kann.

Fehlende Kommunikation wird kritisiert

Die diversen Voten am Mittwochabend widerspiegelten ebenso den Wunsch der Anwesenden, die Schule im Dorf zu erhalten. Besonders emotional waren die Worte einer Einwohnerin, die von einer sensiblen Phase der Schülerinnen und Schüler sprach und die deshalb ein stabiles Umfeld benötigen, was sie hier vorfinden.

Andere befürchten eine Zentralisierung der Kirchberger Schule auf zwei oder drei Standorte, was Orlando Simeon vehement bestritt. Trotz der Beteuerungen des Schulratspräsidenten zum Schulstandort Dietschwil konnten nicht alle Bedenken aus dem Weg geräumt werden.

Urs Huser, seit zwei Wochen Nachfolger von Roland Graf als Präsident von «Dietschwil dihei», kritisierte im Besonderen die mangelnde Kommunikation zwischen Schul- und Gemeinderat. Wenige Tage nach der Hiobsbotschaft im März sei nämlich ein Extrablatt des «Gmeindsblatt» in den Briefkästen gelegen, in dem die in den vergangenen zwei Jahren von der Gemeinde entwickelte Strategie zur Innenentwicklung vorgestellt wurde.

«In diesem wird Dietschwil als Dorf im Grünen mit eigener Schule beschrieben.» Dies hätte für Kopfschütteln und noch mehr Ärger gesorgt. Und abschliessend:

Urs Huser, Präsident «Dietschwil dihei»

Urs Huser, Präsident «Dietschwil dihei»

Bild: Beat Lanzendorfer
«Ich hoffe nicht, dass es irgendwann heisst, Kirchberg zum läbe – Dietschwil zum stärbe.»

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